Am 11. September 1973 war unser Dienstwagen, der für meinen Aufenthalt in Spanien gedacht war, gepackt und die Abfahrt war für frühmorgens angesetzt. Den letzten Abend in Deutschland waren wir mit den Kindern noch zum Abschied bei Familie Niederle eingeladen. Gegen neun Uhr abends, wir waren gerade im Hotel angekommen, verlangte Herr Dr. Schickedanz mich telefonisch zu sprechen: "Es ist geschehen. Laut der Nachrichten hat eine Militärregierung in Chile das Zepter in die Hand genommen. Noch scheint die Lage konfus zu sein. Wir werden die Situation weiterhin verfolgen und hören dann wieder voneinander. Fahren Sie, wie von meiner Frau geplant, erst einmal nach Spanien. Alles Gute für die lange Fahrt."
Diese Nachricht bewegte uns sehr, in vielerlei Hinsicht. Dorlis und ich fühlten einen neuen Lebensabschnitt auf uns zukommen, wo würden uns die Ereignisse hinführen? Vor vier Wochen noch in Chile, jetzt in Deutschland, in zwei Tagen in Spanien und dann? Am nächsten Morgen saß Familie Schirmer im Auto. Über 2.000 Kilometer lagen vor uns. Fürth, Mühlhausen, Besancon, Lyon, Perpignan, spanische Grenze, Barcelona, Tarragona, Salou. Obwohl die lange Fahrt im Auto anstrengend war, machten die beiden Mädels nie Schwierigkeiten. Im Gegenteil, die Familie war in dem engem Raum des Autos eingeschlossen, doch vielleicht gerade dadurch ergaben sich sehr schöne Gespräche über interessante Themen, die sonst im Alltag schnell übersehen werden. Die Kinder waren immer sehr rücksichtsvoll und lieb zu ihren Eltern und klagten nie, von einem zum anderen Ort verpflanzt zu werden. Allerdings haben wir auch immer versucht, unsere Vorhaben den beiden jungen Menschen zu erklären. Belohnt wurden wir mit ihrer Liebe und dem Vertrauen, das sie zu ihren Eltern hatten. Nur so konnten wir trotz allem Hin und Her eine glückliche Familie aufbauen. Auch noch heute fühlen wir Dankbarkeit von ihnen, diese Weltoffenheit weiter gegeben zu haben.
Die erste Nacht verbrachten wir in Frankreich und tags darauf fuhren wir durch bis Spanien. Dort merkten wir, wie angenehm es ist, die Landessprache zu beherrschen. Kurz vor unserem neuen Arbeitsort blieben wir einige Tage in einem gemütlichen Hotel direkt am Mittelmeer. Ich machte einen Kurzbesuch an meiner neuen Arbeitsstelle und erkundigte mich zuerst nach den Schulmöglichkeiten für die Kinder. Leider gab es auch in Tarragona keine höhere Schule, an der Deutsch gelehrt wurde. Dagegen gab es in Barcelona eine gute Deutsche Schule und so blieb uns nur dieser Weg übrig. Das bedeutete aber auch, dass Dorlis mit den Kindern während der Woche in Barcelona bleiben musste.