Der seit einem Monat tätige Leiter von "Jardines T." wartete schon sehnsüchtig auf meine Ankunft. Herr K. arbeitete sonst in der Liegenschaftsabteilung der Hauptverwaltung in Fürth und war von Frau Schickedanz, aufgrund seiner Kenntnisse der spanischen Sprache als Übergangslösung nach Spanien geschickt worden.
Nach Übernahme meiner neuen Aufgabe mietete mein Vorgänger eine möblierte Wohnung in Barcelona für uns, bevor er nach Deutschland an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. Mir blieb noch die Zeit, am nächsten Tag Dorlis und die Kinder in diese Wohnung zu bringen. Ich kehrte noch am selben Abend zur Stelle meines künftigen Wirkens zurück. Unterkunft und Verpflegung erhielt ich im Haus von Frau Schickedanz bei den dortigen Hausmeistern!
Dorlis mußte nun mit allem allein fertig werden: Die Kinder zur neuen Schule, den Haushalt zum Laufen bringen und alles ohne den "lieben Mann" am 100 Kilometer entfernten Arbeitsplatz der "Zukunft". Nähere Worte zur Erklärung erübrigen sich wohl. Selbstverständlich war ich am folgenden Wochenende in unserem neuen "glücklichen zu Hause".
Bei mir war der Arbeitsantritt mit einem Botschafterwechsel zu vergleichen. Der Eine kommt, der Andere geht, das Übergabeprotokoll wird unterschrieben und weitere Worte fallen nicht mehr. Aber das war nicht das erste Mal in meinem Leben und auch nicht in dem meiner Frau. Vorher gab es schon weit kritischere Situationen.
"Jardines Tarraquo" wurde vor Jahren von Herrn Dr. Schickedanz für seine Frau gekauft. Das gesamte Areal von ungefähr 15 ha Land lag direkt am Strand des Mittelmeeres. In der traumhaften Bucht entstand die "Villa Grete" mit einem wunderschönen Blumenpark. Kurze Zeit danach wurde eine moderne Großgärtnerei errichtet mit Glashäusern, automatischer Beregnung und angeschlossener Düngevorrichtung. Das Ziel war es, Nelken für den Frankfurter Blumenmarkt, die Quellehäuser sowie andere Vertriebsstätten zu liefern. Zusätzlich entstand eine Gefrierhalle, um dort tiefgekühlte Nelken für gewisse Stoßzeiten für den europäischen Markt zur Verfügung zu haben. Die Lieferung erfolgte über Frachtflugzeuge. Wieder eine geniale Idee meines Chefs. Diesen Betrieb galt es nun zu koordinieren, um damit den fünfzig spanischen Mitarbeitern ein ständiges Gehalt zu sichern und einen Gewinn zu erwirtschaften. Diese Arbeit machte wieder sehr viel Freude und auch ich lernte vieles dazu.
Nach vierzehn Tagen war meine Dienstwohnung fertig und wurde möbliert. An den Wochenenden kamen Dorlis und die Kinder aus Barcelona und wir lagen am Strand und gingen abends in den Fischerkneipen zum Essen. Einige Male fuhr ich auch nach Barcelona. Dort sahen wir uns unsere neue Umgebung genauer an. Der Schulwechsel wurde von den Kindern ohne Probleme gemeistert und schnell lernten sie neue Freundinnen kennen. Dorlis half unserer Christi bei der spanischen Erdkunde: Wo liegt der Fluß Ebro? Es gab zwischen Tochter und Mutter keine Einigung und es endete mit einem Minuten dauernden Rundlauf um den Esstisch.