Die Arbeit wurde von einem ehemaligen Mitarbeiter von La Poza ausgeführt. Dieser junge Mann gehörte früher, als so genannter Idealist, der kommunistischen Partei an. Auf unserem neuen Betrieb war er sein eigener Chef und verrichtete die ihm zufallende Arbeit gewissenhaft. Der Betrieb lag nur zwei Kilometer von La Poza entfernt an der gleichen Zufahrtsstraße. Bei meinen Dienstfahrten nach La Poza konnte ich den Betrieb gut übersehen und an den Wochenenden begleitete mich stets meine Frau bei der Besichtigungsreise.
Die Bewirtschaftung des Landes ohne weiteres Eigenkapital war natürlich schwierig. Denn gleichzeitig mit dem Kauf des Landes musste natürlich in Weiden, Wasser und ordentliche Zäune investiert werden. Ich nahm also Tiere im "zur- Hälfte-System" auf. In fünf Jahren hatte ich eine eigene Herde von über zweihundert Mastochsen. Jeder nicht landwirtschaftlich zu nutzende Quadratmeter wurde bepflanzt. So lieferte uns das Fundo im Laufe der Zeit Freude, Schönheit für das Auge und auch finanzielle Sicherheit. Meine Tätigkeit für die Familie Schickedanz und Dedi hat dadurch nie gelitten. Es blieb weiterhin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1990.
Auch das Familienleben bekam nach den wechselvollen Jahren nun die wirklich verdiente Ruhe. Wir brauchten nicht wie moderne Zigeuner durch die Welt ziehen und hatten endlich unser Lebensziel erreicht, wenn auch nicht in der Heimat. Chile wurde uns ein immer hilfsbereites Gastland und wir wurden als Ausländer immer korrekt behandelt. Meine Arbeitgeber und auch Chile haben rückblickend viel dazu beigetragen, uns einen gehobenen Lebensstandard zu ermöglichen.
Die Jahre eilten weiter und wir empfanden in Chile das Gefühl, ein Lebenszentrum gefunden zu haben. Die Familie war zusammen und ich hatte eine sichere Arbeit bei einem deutschen Arbeitgeber. Es war nicht die Heimat, aber auch nicht mehr die Fremde, Chile wurde mit der Zeit unser “zu Hause".
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