Meine Mutter schrieb uns in kurzen Zeilen, daß sie sich in Hamburg einer Operation unterziehen müsse. Weil weiter keine Nachricht kam, versuchte ich in der einzigen öffentlichen Telefonzentrale in Osorno ein Gespräch nach Deutschland anzumelden. Die Wartezeit betrug über sechs Stunden, weil seit kurzem wohl alle Gespräche ins Ausland abgehört wurden.
Auf Bitte bei Herrn Dedi, sich mit dem Krankenhaus in Verbindung zu setzen erhielt ich weitere Informationen. Der ärztliche Befund lautete, daß die notwendige Operation an der Bauchspeicheldrüse nicht mehr durchzuführen war und das meine Mutter nur noch mit einer begrenzten Lebensdauer rechnen könne. Frau Schickedanz ließ täglich einen großen Blumenstrauß nebst einer kleinen Flasche Sekt an das Bett meiner Mutter bringen. Nach Beratung mit Dorlis entschlossen wir uns, eine Ausreisegenehmigung in Chile für mich zu beantragen. Das Fundo durfte ich nicht zu lange allein lassen, wollte aber in Deutschland meiner Mutter die letzte Ehre erweisen.
Am 22. April fuhr ich allein los und kam gerade noch rechtzeitig zur Beerdigung nach Hamburg. Nachdem wir meine Mutter zur letzten Ruhe gebettet hatten, fuhr ich zu meinem Freund Günti und Frau Lisa um Trost zu suchen. Anschließend dann noch eine Nacht bei Herrn Dr. Schickedanz und Herrn Dedi, die beide versuchten mich weiter aufzurichten und am 29. April kam ich wieder bei meiner Dorlis in Osorno an. Ja, solche Preise muß man zahlen, wenn man fern der Heimat ist.
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