Die Streikposten ließen ihn mit den Worten "einmal und nie wieder" passieren.
Am kommenden Tag weigerte sich mein Mitarbeiter, noch einmal diese Fahrt durchzuführen. Es blieb mir kein anderer Weg, als selbst das nun noch verstärkte Risiko auf mich zu nehmen.
Wieder kam mein Unternehmen auf den Nebenwegen bis vor das Tor der Molkerei. Die Streikposten, eine Mischung von Landwirten und Fuhrunternehmern, holten mich mit gezogener Pistole vom Traktor. Zum Glück für mich erschien der "Verantwortliche" an diesem Ort, ein mir bekannter Kollege.
Ich versuchte ihm meine persönliche Situation begreiflich zu machen, die er auch vollkommen verstand. Wir einigten uns darauf, auch in den kommenden Tagen die Milch durch mich an die Molkerei zu liefern, aber den Gegenwert in Geld an die Streikorganisation abzuführen. So konnte ich mich auch gleichzeitig der für den Ausländerbetrieb gefährlichen Situation entziehen, gegen Landesinteressen zu verstoßen.
Die Enteignung des Betriebes kam immer näher. Viele unter der Enteignungsgrenze liegende Betriebe versuchten ihre Ländereien zu Spottpreisen zu verkaufen, um mit den Familien Chile zu verlassen. Devisen wie US-Dollar oder D-Mark bekam man in den Banken nur bei von der Regierung vorher genehmigten Auslandsreisen, nach Abzug einer Reisesteuer.
Ausreisewillige wurden dadurch aber von ihrem Vorhaben nicht abgebracht. Auch hier in Osorno auf der "Plaza" entstand ein Devisenschwarzmarkt.
Für 100 US-Dollar konnte eine vierköpfige Familie für 14 Tage einschließlich Halbpension im Hotel Sheraton leben. Die Inflation steigerte sich von 20 % bis zum Schluß auf 60 % pro Monat! Chaos und Angst war die Losung für den Besitzenden, aber auch Unsicherheit bei den Menschen, die den Kommunismus nicht zu ihrer Ideologie gewählt hatten.
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