La Poza bis zur Enteignung 1972
Mit 200 ha war die gesetzliche Höchstgrenze für das Gut “Santa Louisa” (Restgut “A”) ausgeschöpft, aber damit war ein Neuanfang möglich. Damit war der erste Erfolg des ausgearbeiteten Planes ohne große Schwierigkeiten erreicht worden. Noch hatten wir 50 Tage Zeit, bis die Übergabe des enteigneten Teiles von La Poza erfolgen musste. Diese Spanne wurde nun intensiv genutzt, weil die Erreichung eines weiteren Restgutes eine weitaus schwierigere Aufgabe werden würde. Die laufenden Arbeiten wie das Abschleppen der Weiden oder andere Verbesserungen wurden auf dem enteigneten Teil des Gutes weiterhin durchgeführt. Kein Mitarbeiter wurde entlassen und der Betrieb lief so weiter, als würde er noch jahrzehntelang im Besitz der Familie Schickedanz bleiben.
Mein Nachfolger M. D. von der Agrarreformbehörde (kurz CORA genannt) kam täglich zu mir auf den Betrieb. Wir hatten die gemeinsame Aufgabe, das gesamte Inventar des Betriebes in Menge und Güte zu taxieren und den Wert festzulegen. Dazu gehörten zum Beispiel Weidezäune, Feld– und Weideaussaaten, etc. Diese Inventarliste sollte als Grundlage für die späteren Entschädigungszahlungen durch die Regierung dienen. Zum Mittagessen wurde mein Kollege selbstverständlich eingeladen. Schließlich konnte man ihm ja nicht die Schuld für die beschlossene Enteignung anlasten. Eines Tages sagte er ganz offen zu mir: “Hier bei Ihnen ist es so ganz anders, ich werde freundlich behandelt und merke auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter.”
Auf dieses Zeichen hatte ich gewartet und lud ihn zum Besuch des nicht enteigneten Vorwerks von Frau Grete Schickedanz ein. Die Dauerweiden hatten eine gleichmäßige, dichte Grasnabe und wurden gerade gedüngt. Das von einem Vorarbeiter bewohnte Verwalterhaus befand sich in einem guten Zustand. Bei einem Rundgang machte ich den ersten Vorstoß in Richtung Plan B.
“Don Mario, darf ich Sie um einen Ratschlag bitten? Was halten Sie davon, diesen Betrieb der CORA zur entschädigungslosen Enteignung anzubieten und dafür ein weiteres Restgut auf den Namen von Frau Grete Schickedanz auf La Poza mit dem Melkstand zu erhalten?" Seine Antwort fiel positiv aus: “Warum nicht? Ich habe das Gefühl, Belegschaft und Gewerkschaft werden dieser Eingabe zustimmen. Ich rate Ihnen, sich an den Vizepräsidenten der CORA in Osorno zu wenden. Genosse D. M. bearbeitet Sonderfälle bei Enteignungen. Allerdings wird es schwer sein, eine Audienz bei ihm zu erhalten, aber ich werde mich um diese Angelegenheit kümmern. Unsere Organisation ist in der letzten Zeit sehr gewachsen und den regulären Weg über die Abteilungsleiter zu gehen, kann aus politischen Gründen leicht im Sande verlaufen.”
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