Hallo Freunde ,
uns geht es gut , aber das Erdbeben steckt uns noch in den Knochen. Heute Morgen war wieder ein Nachbeben so gegen 8:00 Uhr. Wenn wir schlafen gehen sind wir angezogen - falls noch was kommt .
Toi toi toi , wir haben Glück gehabt. Nach dem Beben hatten wir schonnach einer Stunde wieder Strom und Wasser. Im Flur und Treppenhaus hatten wir Licht und dort auf den Steckdosen Strom.
Im Keller seht ein Notstromagregat, das bei Stromausfall sofort anspringt. Das Beben hatte hier in Santiago immer noch 8°, obwohl das Epizentrum 520 km entfernt (9°) war.
Es gibt hier einige Stadtteile, die nach neuester Technik (erbebensicher) gebaut wurden, so auch in dem (Las Condes), wo wir wohnen. In diesen Stadtteilen ist kaum etwas geschehen, bis auf Schäden innerhalb der Wohnungen .
Wir waren heute, Sonntag, den 28.02.2010, einkaufen in einem Einkaufszentrum. Alle Geschäfte, bis auf die großen Supermärkte und Baumärkte, waren geschlossen. Durch die Schaufensterscheiben konnte man in die Geschäfte schauen: Umgestürzte Regale, einfach schrecklich. In den Einkaufszentren ist überall Polizei wegen der Plünderer. Und Polizei geht mit den Plünderern nicht
zimperlich um. Mit Recht! In dem Supermarkt, der normalerweise 60 Kassen offen hat, waren es heute nur 25. Einige Regale, in denen vorher Flaschen gestanden haben, waren leer. Ein Regal voller Konserven, war auf einer Seite so gestanden wie immer, aber am anderen Ende um ca. 80 cm verschoben. Das Personal hat den Supermarkt in einer Aktion wieder hergerichtet.
In diesem Moment, in dem ich diese MAIL schreibe, ist wieder ein Nachbeben !!!
Die Frage, die immer wieder auftaucht: Wann hören diese Nachbeben auf???
Keiner kann diese Frage beantworten!!!
Zur Zeit spricht man von offizieller Seite von mehr als 700 Toten. Wie ich höre, ist im Süden Chiles ein Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Die Bilder in den Nachrichten sind so schrecklich. Soeben höre ich, dass im Süden eine Ausgangssperre ab 21:00 Uhr verhängt wurde. Und das nur wegen der vielen Plünderer. Das ist keine Not, wenn ich sehe, dass jemand einen Fernseher klaut.
Das war´s für heute von schlechten Nachrichten, ich hoffe, demnächst nicht mehr über
diese zu berichten.
Es grüßen aus Santiago
Lucy & Hans
Am Abend waren Dorlis und ich zu einem Fest in der Privatwohnung unseres Anwaltes Don Pancho eingeladen. Wir, in Festkleidung gehüllt, wurden der Dame des Hauses vorgestellt. Marily Page de Diaz, eine bildhübsche blonde Frau, war Enkelin eines ehemaligen chilenischen Staatspräsidenten und wir fanden sofort mehr als nur Kontakt zueinander. Von Don Pancho wurden wir den vielen Gästen als Alemanes vorgestellt. Die Unterhaltung wurde in verschiedenen Sprachen geführt und ich erkannte viele aus der Zeitung bekannte Politiker verschiedener Ideologien und Nationalitäten. Das so etwas 1972 möglich war, ging nicht so einfach in meinen einfältigen Kopf.
Don P. war ein Germanofilo (Deutschlandfreund). Seine Laufbahn begann nach Ausbildung an der chilenischen Kadettenschule der Marine, darauf folgte ein Jurastudium an der Katholischen Universität Santiago. Später arbeitete er dann als Journalist für Zeitungen und wurde mit der Veröffentlichung seines lyrischen Buches “ Y ESE MAR” bekannt. Dann wechselte er in die diplomatische Laufbahn und war in vielen Ländern der Welt tätig. Bevor er seinen Abschied nahm, um ein Anwaltsbüro in Santiago aufzubauen, war er Kanzler der chilenischen Botschaft am Vatikan.
Das Fest verlief bis zum Morgengrauen und beim letzten Kaffee kam Pancho auf den Gedanken, uns während unseres Urlaubs in Deutschland zu treffen. Damit wurde ein Teil des Urlaubs wieder Dienst für uns. Familie Schickedanz musste vorgestellt werden und auch Ostberlin wollten mein neuer Freund Pancho und seine Frau kennen lernen. Die anstrengenden Stunden dieser Nacht brachten mich meinem Endziel aber doch näher. Die Einschreibung der Restgüter in das Grundbuch sollte meine Mission in Chile krönen und beenden. Dieses Ziel für das Fundo auch für mich zu erreichen, war aber nur über d i e s e n Anwalt möglich. Das wurde mir nach dieser Nacht, die einem Märchen aus “ 1001 Nacht” entsprungen schien, immer klarer.
Mit einem schweren Kopf stiegen wir dann ins Flugzeug und wollten nur noch schlafen, wurden aber durch unsere Töchter in die Gegenwart zurückgerufen. Das Schlafen musste verschoben werden.
Am späten Nachmittag empfingen uns Margarete und Harald Lothmann mit ihrem Pärchen Carolina und Matias am Flugplatz in Bogota. Beide Kinder waren ungefähr gleichaltrig mit den unseren und kannten sich aus Chile. Die Woche bei unseren alten Freunden und umsichtigen Gastgebern verlief wie im Fluge. Die Erlebnisse in der Allendezeit standen im Mittelpunkt unserer Gespräche. Auch Haralds Vater (Bekannter von Oma und der Familien Benecke) war schon entschädigungslos enteignet. Er hatte aufgrund der Einstufung “ schlecht bewirtschaftet” kein Restgut erhalten, obwohl sein Gut nach meiner Einschätzung einem deutschen Musterbetrieb in nichts nachstand. Die nun fast siebzigjährigen Ex-Besitzer verloren ihr Lebenswerk sowie Hab und Gut, und suchten bei ihrer in Deutschland verheirateten Tochter Unterschlupf.
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