Am Abend waren Dorlis und ich zu einem Fest in der Privatwohnung unseres Anwaltes Don Pancho eingeladen. Wir, in Festkleidung gehüllt, wurden der Dame des Hauses vorgestellt. Marily Page de Diaz, eine bildhübsche blonde Frau, war Enkelin eines ehemaligen chilenischen Staatspräsidenten und wir fanden sofort mehr als nur Kontakt zueinander. Von Don Pancho wurden wir den vielen Gästen als Alemanes vorgestellt. Die Unterhaltung wurde in verschiedenen Sprachen geführt und ich erkannte viele aus der Zeitung bekannte Politiker verschiedener Ideologien und Nationalitäten. Das so etwas 1972 möglich war, ging nicht so einfach in meinen einfältigen Kopf.
Don P. war ein Germanofilo (Deutschlandfreund). Seine Laufbahn begann nach Ausbildung an der chilenischen Kadettenschule der Marine, darauf folgte ein Jurastudium an der Katholischen Universität Santiago. Später arbeitete er dann als Journalist für Zeitungen und wurde mit der Veröffentlichung seines lyrischen Buches “ Y ESE MAR” bekannt. Dann wechselte er in die diplomatische Laufbahn und war in vielen Ländern der Welt tätig. Bevor er seinen Abschied nahm, um ein Anwaltsbüro in Santiago aufzubauen, war er Kanzler der chilenischen Botschaft am Vatikan.
Das Fest verlief bis zum Morgengrauen und beim letzten Kaffee kam Pancho auf den Gedanken, uns während unseres Urlaubs in Deutschland zu treffen. Damit wurde ein Teil des Urlaubs wieder Dienst für uns. Familie Schickedanz musste vorgestellt werden und auch Ostberlin wollten mein neuer Freund Pancho und seine Frau kennen lernen. Die anstrengenden Stunden dieser Nacht brachten mich meinem Endziel aber doch näher. Die Einschreibung der Restgüter in das Grundbuch sollte meine Mission in Chile krönen und beenden. Dieses Ziel für das Fundo auch für mich zu erreichen, war aber nur über d i e s e n Anwalt möglich. Das wurde mir nach dieser Nacht, die einem Märchen aus “ 1001 Nacht” entsprungen schien, immer klarer.
Mit einem schweren Kopf stiegen wir dann ins Flugzeug und wollten nur noch schlafen, wurden aber durch unsere Töchter in die Gegenwart zurückgerufen. Das Schlafen musste verschoben werden.
Am späten Nachmittag empfingen uns Margarete und Harald Lothmann mit ihrem Pärchen Carolina und Matias am Flugplatz in Bogota. Beide Kinder waren ungefähr gleichaltrig mit den unseren und kannten sich aus Chile. Die Woche bei unseren alten Freunden und umsichtigen Gastgebern verlief wie im Fluge. Die Erlebnisse in der Allendezeit standen im Mittelpunkt unserer Gespräche. Auch Haralds Vater (Bekannter von Oma und der Familien Benecke) war schon entschädigungslos enteignet. Er hatte aufgrund der Einstufung “ schlecht bewirtschaftet” kein Restgut erhalten, obwohl sein Gut nach meiner Einschätzung einem deutschen Musterbetrieb in nichts nachstand. Die nun fast siebzigjährigen Ex-Besitzer verloren ihr Lebenswerk sowie Hab und Gut, und suchten bei ihrer in Deutschland verheirateten Tochter Unterschlupf.
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