Nach einigen Tagen waren wir dann wieder in Frankfurt. Die Zubringermaschine aus Paris konnte wegen Nebel nicht landen, so dass unsere Gäste mit einem Tag Verspätung eintrafen und das vorgesehene Programm in Fürth durcheinander kam. Das geplante Essen mit Familie Dr. Schickedanz in Dambach musste wegen Terminschwierigkeiten unserer Chefs in eine Stippvisite zur Hauptverwaltung umgewandelt werden. Pancho und Marily sprachen perfekt englisch und französisch, dadurch wurde für mich die Aufgabe der Vorstellung und auch die Verständigung erleichtert. So erfuhren meine Arbeitgeber auch aus berufenem Munde, welche enormen Schwierigkeiten noch vor uns lagen, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Don Pancho führte aus, dass eine Neueinschreibung im Grundbuch im Programm der Allenderegierung überhaupt nicht vorgesehen war. Es fehlten jegliche juristischen Verordnungen für diesen Vorgang, das galt im übrigen auch für die offiziell verbliebenen Restgüter bis 200 ha. Sicherlich waren die gegenwärtigen Enteignungen nur als erste Welle gedacht und nach Festigung des Systems würde es kaum noch Privatbesitz in Chile geben. Die Ideologie der Linken folgte der Strategie "Auf verbrannter Erde ist eine Neukonstruktion leichter". Dieses Vorgehen war sowohl 1917 nach der russischen Revolution, als auch 1945 in der damaligen SBZ wirkungsvoll umgesetzt worden. Trotzdem wollten Pancho und ich das fast Unmögliche doch erreichen und wenn es sein musste nach dem Wort: "FINIS CORONAT OPIS". Die anschließende Besichtigung der Computeranlage und der gesamten Abwicklung des Großversandhauses wurde unter Führung eines spanisch sprechenden Fachmannes geleitet. Den damaligen Jahresumsatz konnte man mit dem gesamten Exportvolumen Chiles vergleichen. Noch sehr beeindruckt trafen wir uns danach mit dem jüngeren Schwiegersohn der Familie, Herrn Dr. Mangold, zur Besichtigung des Albrecht-Dürer-Hauses und weiterer Sehenswürdigkeiten Nürnbergs. Der Abschluss des Abends fand in einem Spezialitätenlokal Alt-Nürnbergs statt. Dr. Mangold erzählte auch für uns sehr interessant, dass Adolf Hitler seine Reichsparteitage bewusst in diese Stadt gelegt hatte, da schon im Altertum abends nach sechs Uhr jeder Jude die Stadt verlassen musste. Frühmorgens begann die Fahrt in Richtung Berlin. Kurze Station in Bayreuth, der Stadt der Wagnerspiele und kurz danach begann d a s Abenteuer unseres Lebens.
neueste Kommentare