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Monday, May 31. 2010
Neuorientierung in Europa
Vieles hatten wir richtig gemacht. Entgegen dem Beispiel einiger guter Bekannter wurde nie im Lande Chile investiert, obwohl nach fast zwei Jahrzehnten Aufenthalt im Land sowohl die Gelegenheit als auch der Wunsch dazu bei uns vorhanden war. Die politische Situation der Jahre 1973/74 war abzusehen gewesen, dazu hatte es zu viele Vorzeichen gegeben. Die Tage in Brasilien bildeten für Dorlis und mich den Abschluss eines Lebensabschnittes. Gern denken wir an die Abende zurück. Die Kinder waren groß genug und wir konnten unbeschwert auch einmal Alleingänge unternehmen. Zwei Begebenheiten lieferten uns zeitlosen Gesprächsstoff:
- Wer war der versteckte Engel gewesen, uns aus Chile ausreisen zu lassen?
- Wer war dieser Oberst in Berlin, den wir in den kritischen Momenten in den Händen der Grenzpolizei der DDR kennen gelernt hatten? Ein früherer Militärattache mit Dienstjahren in Südamerika oder hatte er Verwandte in Chile? Die Handlungsweise von ihm war doch so "undeutsch"!
Am 21. August trafen wir in Deutschland ein. Das Parkhotel in Fürth war uns ein Teil Heimat geworden. Der Besitzer, ein Bekannter von Herrn Dedi und auch das Personal verwöhnten uns, wo es nur immer ging. Intensive Gespräche gab es in der Firma. Alle waren froh, das Endziel erreicht zu haben. Trotzdem merkte ich zwischen den Zeilen die Sorge der Besitzer um das Weiterleben des Betriebes in Chile. Schirmer war ja nicht mehr dort! Hatte er vielleicht nicht doch Fahnenflucht begannen? Die Arbeitsberichte von den Betrieben A und B mit den Ausführungen zur jeweiligen Lage gingen weiterhin in meine Hände. Ich wurde zum unsichtbaren Dirigenten und führte unbemerkt von den beiden Betriebsleitern doch weiterhin die Geschicke der neu entstandenen Fundos. Über meine künftigen Aufgaben in Deutschland zerbrach man sich noch nicht die Köpfe. Familie Schickedanz hatte einen Urlaub auf dem Besitz in Spanien vorgesehen und so trennten wir uns, um alles weitere am 9. September zu besprechen. Zunächst wurden uns vierzehn Tage Urlaub zugestanden.
Wieder mit einem Dienstwagen ausgerüstet, führte uns unser Weg zunächst zur Oma. Sie hatte sich viel zu viele Gedanken über uns gemacht. Telefonisch wurden Geschwister und Freunde über unsere erneute und unerwartete Rückkehr informiert. Alle wollten uns sehen. In den Medien wurde immer wieder über die Lage in Chile berichtet. Seit Wochen gab es Proteste im Lande (Frauen, die ein Konzert mit Löffeln auf leeren Kochtöpfen veranstalten und die Militärs als Hühner bezeichneten). Eins war uns klar, entweder kam der Autoputsch von Allende oder die Militärs rafften sich auf, die immer weiter um sich greifende Anarchie der damaligen Regierung zu beenden. Die Mehrheit der Bevölkerung tendierte zum Letzteren.
In Gesprächen mit Bekannten in Deutschland teilte man unsere Sichtweise, die durch das selbst Erlebte geprägt war, nicht immer. Hier, fern vom Geschehen, wurde in Allende nicht selten ein so genannter Held der Freiheit gesehen. Ich konnte meine Landsleute nicht mehr verstehen. Sie brauchten doch nur einen Blick über die innerdeutsche Grenze werfen! Doch die Botschaften der hiesigen Zeitungsberichte und Fernsehsendungen wurden als selbstverständliche Wahrheit betrachtet und ohne jegliche Kritik hingenommen.
Ein Besuch bei einer Tante, die wir bei unseren früheren Aufenthalten in Deutschland vernachlässigt hatten, ließ bei uns anderweitige Bedenken aufkommen. Wir waren bei meinem Vetter, der nicht all zu weit entfernt wohnte, zum Abendessen eingeladen. Verabredet hatten wir uns um acht Uhr abends. Pünktlich machten wir uns auf den Weg und wären wohl zehn Minuten vorher eingetroffen. Auf einmal sagte meine Tante: "Reiner, fahr langsamer, vor acht Uhr können wir dort nicht erscheinen. Wir dürfen nicht vor Beendigung der Nachrichten dort ankommen.” Solche Reaktion ging nicht in meinen Kopf. Waren die Nachrichten wichtiger als unser Besuch und ein nettes Beisammensein? Nun waren wir aus der Fremde in das Land unserer Vorfahren zurückgekehrt und die Freude darauf musste auf einmal einem gewissen Unbehagen weichen.
Friday, May 28. 2010
Offensichtlich größer als gedacht sind die Schäden, und Nachwirkungen des Erdbebens in Chile vom 27.2.2010. Nun trifft es auch die Feinschmecker in Deutschland. Und es sind die Kleinigkeiten, die Handel und Geschäft unmöglich machen:
Chili-Creme "Iguazú" aus Chile: Seit Monaten in Deutschland ausverkauft. Der banale Grund: Die Fabrik, die dem Lieferanten und Produzenten die Deckel zu den Gläsern lieferte, wurde beim Erdbeben zerstört. Die Deckel müssen nun aus anderen Ländern importiert werden.
Locos "Geomar", Riesenmuscheln aus Chile: Der Verarbeitungsbetrieb von GEOMAR liegt in Coronel bei Concepción im Süden Chiles. Dort wurde fast der gesamte Bestand an Dosen zerstört bzw. beschädigt, es konnten keine Auslieferungen mehr vorgenommen werden.
Thursday, May 27. 2010
Liebe Mitglieder, liebe Freunde des Ibero-Clubs,
wir laden Sie sehr herzlich zu unserem folgenden Konzert ein:
Mittwoch, 26. Mai 2010, 19:30 Uhr, Musikschule Bonn Bad Godesberg, Bonn / Bad Godesberg, Kurfürstenallee 8
„Dialog zwischen Gitarre und Klavier“ Kompositionen aus Iberoamerika“
Konzert mit YUVAL DVORAN (Gitarre), Niederlande/Euskirchen und SEBASTIÁN RODRÍGUEZ (Klavier), Buenos Aires/Zülpich
Zum Konzert: Mit dem in Argentinien geborenen Pianisten Sebastián Rodríguez hat der Iberoclub bereits vor einigen Jahren ein Talent am Anfang seiner Karriere erfolgreich fördern können – die Nachwuchsförderung setzen wir nunmehr gemeinsam fort: als neues Talent an der Gitarre freuen wir uns, Ihnen YUVAL DVORAN vorstellen zu dürfen. YUVAL DVORAN wird Stücke iberoamerikanischer Komponisten im Iberoclub vorstellen, dazu werden DVORAN und SEBASTIÁN RODRÍGUEZ einzeln und im Dialog zwischen den Instrumenten Klavier und Gitarre bekannte und weniger bekannte Stücke aus Spanien und Lateinamerika spielen, darunter Stücke von Luys Milan, Manuel de Falla, Francisco Tárrega, Heitor Villa Lobos sowie Joaquín Rodrigo. Zusätzlich werden eigene Kompositionen von Yuval Dvoran den Abend anreichern.
Zu den Künstlern:
Der Gitarrist YUVAL DVORAN wurde 1990 in Roermond, Niederlande, geboren. Von 1996 bis 2004 profitierte er als Schüler von den Gitarrenkenntnissen Erich Lanzeraths an der Musikschule in Euskirchen sowie ab 2004 von Felix Reuter, ebenfalls Musikschule in Euskirchen, und nahm an Kursen an der Oded Shoub-Tavior (Israel) teil. Sein Debüt hatte Yuval Dvoran 2006 auf einem Konzert im „Dicken Turm“ in Euskirchen. Weitere Konzerte folgten in Euskirchen (Dez. 2009), in der Schlosskirche der Universität Bonn (Mai 2010), sowie Auftritte auf dem Internationalen Gitarrenfestival in Iserlohn und Gevelsberg in der Kategorie „Meisterklassen“. 2010 nahm er am Kompositionsworkshop bei David Graham in Bonn und an der Uraufführung im Landesmuseum teil. Seine Kreativität setzt er in eigenen Kompositionen um: „Sonatina“ wird am Abend im Iberoclub zu hören sein, darüber hinaus komponierte er beispielsweise die Musik zur Aufführung von „Prinzessin Turandot oder: Der Drachenthron“ am Emil-Fischer-Gymnasium in Euskirchen (Sept. 2009).
SEBASTIAN RODRIGUEZ ist im Iberoclub ein stets gern gesehener Musiker, der seine musikalische Ausbildung im Alter von 9 Jahren als Schüler des Konzertpianisten Rodolfo Caracciolo am Conservatorio de Música de Morón in Buenos Aires begann und heute selber Schüler als Ausbilder und Lehrer begleitet. Als Stipendiat des argentinischen Bundeskultusministeriums kam er 1994 nach Deutschland. Während und nach dem Studium der Instrumentalpädagogik bei Prof. Francis Bamberger am Fachbereich Musik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz belegte er Meisterkurse bei Prof. Menahem Pressler (Kammermusik), Prof. Karl-Heinz Kämmerling, Prof. Thomas Duis und Prof. Dr. h.c. Arbo Valdma. Von 2001 bis 2006 studierte er an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf bei Prof. Roberto Szidon. Dort schloss er seine Künstlerische Instrumentalausbildung im Februar 2006 mit dem Konzertexamen ab. Recitals und Kammermusikabende unter anderem in der Deutschen Botschaft in Buenos Aires, im UNESCO-Haus „Villa Ocampo“, in der Biblioteca Nacional Argentina, Weltjugendtagkonzert 2005, im Bechstein Centrum Köln (Reihe "Young Professionals" und Sonderkonzerte), im Iberoclub Bonn e.V., und im goldenen Saal des renommierten Teatro Colón. Neben dem Standardrepertoire nimmt er gerne Werke argentinischer Komponisten (vor allem Alberto Ginastera und Astor Piazzolla) in seine Programme auf. Er ist seit September 2007 "Representative Artist" des ICPA (International Certificate for Piano Artists). Im Februar/März 2008 nahm er erfolgreich am "Palm Beach Atlantic International Piano Festival" teil. Im November 2008 konzertierte er als Solist mit dem Bonner-Jugend-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Andreas Winnen. Im März 2008 übernahm Sebastian Rodriguez die künstlerische Leitung des Iberoclubs Bonn. Sebastian Rodriguez leitet eine Klavierklasse an der Musikschule Erft-Swist in Weilerswist, an der er seit Oktober 2008 als Schulleiter tätig ist.
Hinweisen möchten auch auf das Konzert am Samstag, 29. Mai 2010, 20:00 Uhr des gesamten Jugendsymphonieorchesters Bonn unter der Leitung von ANDREAS WINNEN, und SEBASTIAN RODRIGUEZ am Klavier. Das Konzert findet statt in der Beethovenhalle Bonn, Wachsbleiche 16, 53111 Bonn, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.beethoven-orchester.de, Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist wie immer frei. Über Spenden insbesondere von Noch-Nicht-Mitgliedern der Clubs freuen wir uns.
Con un saludo cordial,
Dr. Claudio Zettel Präsident / Ibero-Club Bonn e.V.
Wednesday, May 26. 2010
Der Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, kündigte am vergangenen Sonntag in seiner sonntäglichen Sendung „Aló Presidente“ an, die Firma POLAR zu enteignen. Polar ist der wichtigste und größte Produzent von Lebensmitteln, Limonaden, Bier und zugleich der einzige Produzent von Wein.
In den letzten Monaten gab es heftige Querelen mit dem militaristisch-sozialistischen Regime von Hugo Chávez, die Enteignung wurde gleichsam erwartet. Das ist das übliche Mittel von Diktator Chávez, um renitente Firmen unter Kontrolle zu bringen. Chávez kritisierte die Arbeiter von Polar, die für ihre Arbeitsplätze auf die Straße gingen. Barquisimeto hatte 50 Jahre prosperiert und zahlreichen Familien Sicherheit und Lohn garantiert. Chávez sprach den Arbeitern jegliches politisches Kriterium ab. Klar, nur was der große Chef denkt – und für seine Freunde plant – passt in dessen militaristisch-sozialistische Schema.
"Vi a unos trabajadores defendiendo a la Polar; pobres de ellos, apoyando a quien explota al pueblo, apoyando a la burguesía; eso da tristeza, la clase obrera debe estar alineada con el pueblo, no con la burguesía.”
Übersetzung: Ich sah einige Arbeiter, die POLAR verteidigten. Schade für sie, sie unterstützen diejenigen, die das Volk ausbeuten, helfen der Bourgoisie, das stimmt traurig. Die Arbeiterklasse muss dem Volk verbunden sein, nicht der Bourgoisie.“
Klartext: Die Enteignung von La Polar berührt die Arbeitsplätze von 2000 Familien. Das interessiert Chávez aber nicht. Diese Maßnahme wäre eine von vielen, mit denen er die Macht im Staate durch seine Gefolgsleute stärken möchte. Es gibt inzwischen ganze Gebäudeparks von enteigneten Firmen, die leer stehen. Das bedeutet: Da wird auch nichts geschaffen, nicht produziert. Allerdings droht Chávez: Jugendliche, die sich dort der Gebäude bemächtigen, also Besetzern, werden in ein Heim verfrachtet, Menschen ohne Behausung, die dort einziehen, wandern hinter Gitter.
Chávez: Es ist wahrlich höchste Zeit und für Venezuela wäre es DER Glücksfall, wenn du dich auf eine Finca im Inland zurückziehen würdest. Oder willst du wirklich so lange wie Fidel Castro im Amt bleiben? Armes Venezuela!
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