Gegen Ende Oktober gab es des öfteren Auseinandersetzungen mit dem Leiter der “Garten Quelle“ in Deutschland, der seine Dienstreisen nach Spanien wohl in Gefahr sah! Aber auch ich trug nicht viel dazu bei, die Meinungsverschiedenheiten zu mindern. Der Verkauf der Nelken ging von mir aus nicht mehr nur an die Gartenquelle, sondern nach ganz Europa, wo man bessere Preise erzielen konnte. Der Betrieb, oder besser gesagt, Frau Schickedanz, sollte kein Billiglieferant für die Gartenquelle sein, die dann in ihrer Buchführung auf Kosten von "Jardines T." glänzen wollte.
Am 1. November wurde ich dann vom Chef nach Deutschland zitiert und mit meinem Kontrahenten konfrontiert.
Ich war nicht der Verlierer und das Gespräch ging dann mit Herrn Dedi weiter mit Gedanken in Richtung Chile. Ich lernte aus diesem Zwischenfall, dass man in der Nähe der Hauptverwaltung nicht - wie im entfernten Chile - ein ungekrönter König war. Oft ist es eben besser, ein Major in der Ferne zu sein, als ein General im Hause der Kommandostelle.
Von Freund Pancho aus Chile wurde ich immer mit den neuesten Nachrichten versorgt, die auch immer per Fax nach Fürth weitergeleitet wurden. Am 17. November kam eine neue Anweisung aus Fürth: So schnell wie möglich zur Orientierung nach Chile zu fahren. Eine Passage mit der chilenischen Luftlinie LAN von Madrid nach Santiago wurde in aller Eile gebucht. Während des Fluges konnte man schon die neuesten Nachrichten und Gerüchte über die neue Regierung erfahren. Auch ein Bekannter, Eigentümer eines Reisebüros in Santiago, berichtete sehr objektiv. Der Regierungswechsel am 11. September war nach seinen Informationen nicht unblutig verlaufen, aber die Meldungen der europäischen Sensationspresse stellten das Eingreifen des Militärs wie üblich wesentlich dramatischer dar. Auf jeden Fall sei von der Anarchie der letzten Wochen nichts mehr zu spüren. Mit diesen Worten schloss mein Bekannter seinen Erfahrungsbericht. Ich persönlich kann kein objektives Urteil abgeben, da ich ja zu der Zeit nicht in Chile war. Vom Flugplatz ging es per Taxi in die Stadt. An gewissen strategischen Punkten sah man bewaffnetes Militär, aber allgemein herrschte Ruhe und man sah nichts Ungewöhnliches. Ab 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens herrschte Ausgangssperre. Mein erster Weg führte zu unseren Compadres Familie Dr. Felix de Amesti. Der Empfang war herzlich und die Berichte zur Lage im Land ähnelten den Erfahrungen meines Gesprächspartners im Flugzeug. Der weitere Weg führte mich zu Rechtsanwalt und Freund Pancho. Dort hörte man nur Positives. Er selbst unterrichtete Rechtswissenschaft an der Polizeiakademie und war Freund des Juntamitglieds der Polizei General Caesar Mendoza, dem ich auch vorgestellt wurde. General Mendoza unterstand in den ersten Monaten auch das Landwirtschaftsministerium. So wurde ich aus erster Quelle über die künftigen Pläne unterrichtet:
neueste Kommentare