Rückkehr nach Chile
Der Bankverkehr zwischen Deutschland und Chile war, begründet durch den Regierungswechsel, noch nicht wieder funktionsfähig. Deshalb waren wir gezwungen, das benötigte Barkapital persönlich mitzuführen. Während des Fluges waren wir deshalb nicht so entspannt wie sonst und froh, als die Maschine in Santiago landete. Aber Investitionen sind ohne Geld eben nicht durchzuführen.
Mit unseren Chefs war abgesprochen worden, ungefähr 400 ha Land für Tochter Madeleine zu kaufen, und so führten wir den geschätzten Kaufpreis mit uns. Das es kein Startkapital für notwendige Betriebsausgaben wie Dünger, Verbesserung der Weideflächen und Infrastruktur, Zukauf von Jungtieren, Löhne und Gehälter gab, war mir aber ganz recht. Ein künftiger Betriebserfolg war leichter sichtbar, wenn wir bei Null anfangen mussten. Außer dem Firmenkapital hatten wir noch einen Teil unseres Privatkapitals bei uns. Frei nach dem Motto “Lege nie alle Eier in den gleichen Korb”, wollten wir nur einen Teil unserer Ersparnisse mit ins Land bringen. Diese Vorsichtsmaßnahme wird noch wichtiger, wenn man bedenkt, dass wir in ein fremdes Land fuhren. Für die Kinder konnte das Flugzeug nicht schnell genug fliegen und von Santiago aus fuhren wir gleich weiter bis Osorno aufs Fundo.
Das Hausmeisterehepaar und auch die beiden Betriebsleiter konnten diesen Wirbel wohl nicht ganz verstehen. Auf Erklärungen mussten alle ein wenig warten, aber sie fühlten wohl auch, dass der Chef wieder im Lande war. Der Hausmeister wurde unterrichtet, dass Familie Schirmer so schnell wie möglich eine Wohnung in der Stadt Osorno suchen würde, da Familie Schickedanz in einigen Wochen einen Aufenthalt in Chile plane. Auch Herr Kocksch wurde ausführlich von den neuen Plänen unterrichtet. Mein Plan ging dahin, so schnell wie möglich ein weiteres Fundo mit selbstständiger Verwaltung aufzubauen und die hiesigen Betriebe A und B wieder unter einer Verwaltung zusammenzulegen. So hatte jeder Verwalter, wie bis jetzt, weiterhin ein selbstständiges Arbeitsfeld und ich würde in Osorno über allem schweben. Der Hintergedanke war, die Betriebsleiter dadurch von den anfallenden Fahrten in die Stadt zum Einkauf, Verkauf usw. zu entbinden. Leider rauben diese, zum Betrieb gehörenden Arbeiten, 30 % der Arbeitszeit des Betriebsleiters in Chile.
Die ersten Tage verbrachten Dorlis und ich viel Zeit in Osorno, um uns nun nach Jahren endlich das gewünschte Heim zu suchen. Ein Appartementhaus mit mehreren Eigentumswohnungen sollten unsere eigenen vier Wände werden. Wir erstanden zwei nebeneinander liegende Wohnungen zu je 85 Ouadratmetern, die miteinander verbunden wurden. Der weite Blick in die Ferne und die grüne Umgebung waren die ausschlaggebenden Punkte für den Erwerb. Zudem war die Lage zur Deutschen Schule sehr günstig und auch der Kaufpreis erschwinglich. Bis zur Fertigstellung der Wohnungen sollten noch drei Monate vergehen. Für die Übergangszeit mieteten wir deshalb eine kleine Wohnung. Auf keinen Fall sollte unser neuer Start in Chile damit beginnen, dass die Familie aufgrund weiter Entfernungen zur Schule in der Woche wieder getrennt leben musste.
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