Mit Herrn Koksch nahmen wir zwei Fundos besonders unter die Lupe. Die Kontakte mit den Besitzern waren bei meinem Kurzbesuch in Chile schon geknüpft worden. Günstige Verkehrslage, auch zur Verwaltung La Poza, und gute Bodenklassifizierung waren für den Kauf ausschlaggebend. So entstand die Gutsverwaltung “El Salto” mit zwei fünf Kilometer voneinander entfernten Betrieben zu je 200 ha.
Wir hatten mit Absicht Betriebe von dieser Größe gewählt, da das Gesetz der Agrarreform noch nicht annulliert war. Der Betrieb sollte gleich La Poza als Grünlandbetrieb geführt werden. Da in der Provinz Osorno mit einer Jahresniederschlagsmenge von 1.300 mm zu rechnen ist, war der reine Ackerbau im Süden Chiles zu riskant. Die Übergabe an die neue Besitzerin Madeleine Bühler geb. Schickedanz erfolgte am 1. Februar 1974. Für mich ergab sich ein Finanzierungsproblem in der Bewirtschaftung des neuen Gutes. Es fehlte Kapital und eine Fremdfinanzierung über die Bank lehnte ich vollkommen ab. Mit meinen beiden Verwaltern entwarfen wir eine Radikalkur. Mit dem Betriebskapital von La Poza und dem noch vorhandenen Vieh aus den jetzt in der Auflösung befindlichen Produktionsgesellschaften wurden beide Betriebe zu gleichen Anteilen unterstützt. So begannen beide Güter mit den gleichen Startbedingungen. La Poza hatte allerdings die moderneren Gebäude. Für uns alle hieß das in der Konsequenz, nun mit dem Kapital X die doppelte Zahl an Mitarbeitern, Fläche und Milchvieh bzw. Mastochsen zu bewirtschaften.
Bis zu diesem Punkt der Entwicklung hatten die Führungskräfte beider Betriebe gut zusammengearbeitet und einen gangbaren Weg gefunden, das wirtschaftliche Überleben beider Betriebe zu sichern. Die Entscheidung, welcher Betriebsleiter nun La Poza, bzw. El Salto übernimmt, konnte dagegen nicht einstimmig getroffen werden. Bevor ich meine Entscheidung verkündete machte ich den Beiden klar, dass derjenige, der den von mir getroffenen Entschluss nicht akzeptieren könnte, seinen Dienst quittieren müsste. Herr Kocksch mit mehr Erfahrung musste El Salto übernehmen. Dieses von Konkurrenz geprägte Verhältnis zwischen den Betrieben, bzw. zwischen den Betriebsleitern hat sich für die kommenden Jahre als sehr positiv erwiesen.
Nach einem Monat erhielten wir den Besuch der Familie Schickedanz. Die Freude war groß, nun wieder über das Grundstück verfügen zu können und in dem schönen Haus zu wohnen.
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