Warum diese Reise?
Manche mögen mich fragen: warum diese Reise per Schiff, und dann auch noch auf einem Frachter ?
Meine Beweggründe waren mannigfaltig.
Ich hatte in meinem Kupferdasein in Chile stets mit Logistik und Verschiffungen zu tun; im letzten Jahr war ich für die logistische Bewegung von ungefähr einer halben Million Tonnen Kupfer in einem Warenwert von 1 Milliarde US-Dollar verantwortlich gewesen. Schiffe, Beladungen und Staupläne gehörten bei mir zum täglichen Brot. Ich hatte als verantwortlicher Logistiker nicht nur ein Gehalt außerhalb jeglichen Tarifvertrages, sondern auch einen überaus geladenen 12-Stunden Tag, den ich telefonisch zwischen Chile, London und New York verbrachte. Hatte anspruchsvolle Vorgesetzte und glücklicherweise menschliche und professionelle Kollegen. Einen Alltag, bei denen man morgens beim ins Büro kommen bereits die Finger in die Steckdose steckte, um sie 12 Stunden später vollends entladen herauszuziehen. Mit solch einer Spannung begann jeder Tag um 9 Uhr morgens und endete 9 Uhr abends, und der Portier sah mich nicht nur einmal abends aus dem Bürogebäude herauswanken, weil die Erschöpfung mir das Gleichgewicht vorenthielt.
Man war einfach “auf”, wie es auf gut Deutsch heißt, für den Tag “verbraucht”. Zu abendlicher Lektüre war keine Konzentration mehr, war doch kaum mehr genug Kraft für einen klaren Gedanken übrig. Nur schnell etwas gegessen, was der Kühlschrank eben hergab und eine Flasche Wein vor dem Fernseher, damit man sich irgendwie vom Büro und den damit verbundenen Problemen für ein paar Stunden lösen konnte.
So gab es für diese Reise berufliche Berührungspunkte und auch den Drang, vieles Nachzuholen; ungedachte Gedanken, ungeschriebene und ungelesene Bücher. Auf einem Frachter hat man einen geregelten Tagesablauf, kann aber sonst machen, was man will; niemand kümmert sich um einen. Auf einem Luxusliner wird man flugs verplant, Konversation mit Mitreisenden, Unterhaltungsprogramm, Kaptain’s Dinner im “Pinguin”, wie die Chilenen den Smoking gerne nennen.
Auf der “Atacama” ist nur Freundlichkeit Pflicht und geradeaus zu sein, der Rest ist Kür und unterliegt jedem Reisenden selbst.
So ist die Fahrt auf der “Atacama” eine Reise zurück zu mir, auch wenn sie mich zu neuen Ufern in der alten Ferne führt. Zeit für Besinnung, für Erinnerung, für Projekte, und für meine Zukunft.