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Thursday, February 26. 2009
Am Sonntag schloss die internationale Buchmesse Havanna ihre Tore. Chile, Chile, ChileAuf der gesamten Messe wurde das Gastland 2009 der Buchmesse präsentiert. Die zentrale Ausstellung »Eine Umarmung zwischen zwei Völkern« erinnerte mit Fotos, Texten und historischen Film- und Fernsehaufzeichnungen an die gewachsene Verbundenheit Kubas mit dem Chile der Unidad Popular. Künstler jener Epoche, wie der Dichter Pablo Neruda, die Sängerin Violeta Parra oder der Liedermacher der chilenischen Volksfront, Victor Jara, wurden vorgestellt. Erstmals seit dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, stattete mit Michelle Bachelet auch ein Staatsoberhaupt Chiles Kuba wieder einen Besuch ab. Falls also Herr Piñera die Wahlen in Chile im Herbst gewinnen sollte, kann er sich mit seinem Besuch Kubas ein wenig Zeit lassen. Der Reiserhythmus liegt so bei ca. 30 Jahren ....
Tuesday, July 8. 2008
Zwar selten, aber es passiert doch. Immer wieder findet man auf dem Dachboden einen Picasso, einen Renoir, alte Schriften. Und nun dies:
Eine Sammlung bisher unbekannter Gedichte des chilenischen Literatur-Nobelpreisträgers Pablo Neruda sind vor kurzem von einem Sammler in Chile entdeckt worden. Dies berichtet die chilenische Zeitung "El Mercurio". Die Sammlung aus dem Jahr 1969 nennt sich "Album der Isla Negra" und ist Alicia Urrutia, einer Nichte der Frau des Dichters, gewidmet.
Eigentümliches "P"
Gegen eine Fälschung spricht u.a. die verwendete grüne Tinte und die eigentümliche Form des Buchstaben "P", die laut dem Sammler Nurieldin Hermosilla "sehr schwer" nachzuahmen ist. Die Sammlung sei ein "direkter und definitiver Beweis für seine Liebe zu Alicia", sagte Hermosilla, der für die Sammlung eine "sehr große Summe" bezahlt habe.
Monday, May 12. 2008

Jorge Edwards lesen
Von Jorge Edwards, der bisher acht Romane sowie Essays, Memoiren und
Kurzprosa geschrieben hat, gibt es vier Bücher in deutscher Sprache. 1992
erschienen bei Luchterhand unter dem Titel «Adiós, Poeta . . .» die
Erinnerungen des Autors an Pablo Neruda; dieser Titel ist nur noch antiquarisch
erhältlich. Lieferbar sind dagegen die drei Bände, die der Berliner Verlag
Wagenbach herausgebracht hat: der Roman «Der Ursprung der Welt» (1996/2005),
der autobiografische Bericht «Persona non grata» (1973/2006), der Edwards'
dramatische Erlebnisse in Fidel Castros Kuba schildert, sowie der soeben
erschienene Roman «Faustino» (1987/ 2008), der den Faust-Stoff variiert
(übersetzt von Sabine Giersberg, 188 Seiten, Fr. 33.40). (pap.)
«Als Diplomat, dachte ich, müsste man nicht arbeiten. Aber man muss eine
Menge tun. Vor allem dummes Zeug.»
Monday, May 5. 2008
Pakt mit dem Teufel
 Soeben ist nun ein viertes Buch von Edwards auf Deutsch erschienen – und wieder zeigt es den weltläufigen Autor von einer neuen Seite. «Faustino», 1987 im Original veröffentlicht, ist eine so geistvolle wie groteske, so vielschichtige wie unterhaltsame Variation über das Faust-Thema – ein Roman, der als surrealistisches Traumspiel um einen chilenischen Kommunisten im Ostberliner Exil beginnt, sich dann aber in einen komplexen Agententhriller verwandelt. «In den achtziger Jahren», erinnert sich Edwards, «weilte ich auf Einladung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin und beschäftigte mich intensiv mit den verschiedensten Ausformungen des Faust-Stoffes – von Marlowe über Goethe bis zum sehr komischen argentinischen Epos eines gewissen Estanislao del Campo. Er beschreibt einen Gaucho, der nach Buenos Aires kommt und im Theatro Colón Gounods sieht. Dann geht er zurück und erzählt einem Freund, was er gesehen hat.»
In Edwards' «Faustino» kommen alle möglichen Elemente des Faust-Stoffes in verfremdeter Form vor. Es gibt ein Gretchen, einen kleinen Hund, in dem sich Mephisto verbirgt, und einen Teufelspakt. Dieser hatte damals einen ganz aktuellen Bezug. «Ich war 1978 aus dem spanischen Exil nach Chile zurückgekehrt, und wir versuchten, auf dem Verhandlungsweg mit Pinochet zur Demokratie zu gelangen. Gewissermassen war das ein Pakt mit dem Teufel. Ich habe versucht, das auf spielerische Weise darzustellen und dennoch das Wesen des Bösen auszuloten. Und es ging mir um die widersprüchliche Natur der Erinnerung. Vieles verdrängt sie, anderes erfindet sie, manches schreibt sie um. Deshalb kauft bei mir der Teufel nicht Faustinos Seele, sondern sein Gedächtnis.»
1986 gab es einen Versuch, Pinochet zu töten. Dadurch wurde die Atmosphäre, die zuvor recht frei gewesen war, repressiv und gefährlich. Viele Leute wurden umgebracht, auch vier oder fünf Journalisten. Und Edwards' Buch sowie seine Hauptfigur bekamen eine ganz neue Bedeutung, das Zeitgeschehen lud den Stoff auf.
In den letzten Jahren ist Edwards so etwas wie ein freier Schriftsteller geworden. Als junger Mann hatte er indes in Chile und Princeton Jura studiert und dann als Botschafter Karriere gemacht. «Als Diplomat, dachte ich irrtümlich, müsste man nicht arbeiten und hätte alle Zeit der Welt, um Romane zu verfassen», erzählt er lachend. «In Wahrheit muss man aber eine Menge tun. Vor allem dummes Zeug. Zum Beispiel dreimal pro Tag zum Flughafen fahren, um irgendwelche wichtigen Leute abzuholen. Es gibt auf die Dauer nichts Langweiligeres als VIP-Lounges. Und zum Schreiben kommt man nur um 6 Uhr morgens.»
Ein Arzt aus London
In vielen biografischen Notizen zu Jorge Edwards steht, er entstamme einer reichen Familie. «Das stimmt nicht ganz», sagt er dazu. «Ich entstamme dem armen Zweig einer reichen Familie. Mein Vater war eigentlich Jurist, handelte aber mit landwirtschaftlichen Gütern, weil mein Grossvater mütterlicherseits da ein Geschäft aufgebaut hatte. Er importierte Dinge wie Baumwolle und Zucker, die in Chile nicht angebaut wurden. Der reiche Zweig der Familie musste überhaupt nicht arbeiten. Der war einfach reich.»
Die Edwards stammen aus London. Um 1806 kam ein Mann, der wie sein Nachfahre George Edwards hiess, als Arzt auf einem Schiff in den Norden Chiles und blieb dort hängen. Er arbeitete weiter als Arzt, aber einer der Söhne machte ein Vermögen: Er hatte die Schule mit zwölf Jahren verlassen und begann damit, Wasser, Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs an Bergarbeiter zu verkaufen. Mit 20 war er Millionär. Auf ihn geht der reiche Zweig der Edwards zurück.
Obwohl Jorge Edwards gewisse Sympathien für das politische Experiment Allendes hatte, idealisiert er es nicht. «Als ich jung war», erzählt er, «hatte Chile jede Menge Probleme. Es war ein armes Land. Aber es gab eine kulturelle Opposition. Es gab Freiräume. Ich konnte als Zwanzigjähriger meinen ersten Prosaband veröffentlichen. Es gab eine lebendige Theaterszene, die dann von der Linken zerstört wurde. Wir sahen Pirandello, Sartre, Camus. Als Allende an die Macht kam, gab es nur noch politisiertes Action-Theater. Die Kultur verarmte.»
Absurde Geschichten
Heute denkt Edwards, dass Allendes Modell gut gemeint war, aber nicht funktionieren konnte. Er erinnert sich an halbleere Supermärkte und an eine galoppierende Inflation. «Bis man zur Kasse kam, kostete die Ware schon mehr als den angeschriebenen Preis. Und Dinge wie Zahnpasta gab es einfach nicht. In so einer Situation verwundert es nicht, dass Pinochet Erfolg hatte. Dieses Land ist voll von absurden Geschichten. Ich habe leider nicht die Zeit, sie alle aufzuschreiben.»
Die Zukunft des Landes betrachtet er mit gemischten Gefühlen. Chile wird in zwei Jahren wieder wählen. Die Entwicklung könnte nach Edwards' Einschätzung durchaus in Richtung einer «Berlusconisierung» gehen. «Es gibt da einen Kandidaten namens Sebastián Piñera, der aus dem Mittelstand kommt, aber sagenhaft reich geworden ist. Er hat mit Kreditkarten ein Vermögen gemacht, ihm gehören eine Fluggesellschaft und ein Fernsehsender. Er hat gute Chancen. Chile hat in den letzten Jahren davon profitiert, dass die Rohstoffe, die es produziert, hoch gehandelt wurden. Aber das kann sich sehr schnell wieder ändern.»
Nach einem europäischen Stereotyp wird die lateinamerikanische Literatur von überbordenden Fabulierern wie García Márquez geprägt. Es gibt aber auch Autoren, die einen knappen, lakonischen Stil pflegen. Zu ihnen zählt etwa der Brasilianer Machado de Assis, über den Edwards einen grossen Essay verfasst hat. Auch Jorge Luis Borges gehört in diese Linie. «Er hätte den Nobelpreis verdient», sagt Edwards, «aber sein Problem war, dass er nicht Nein sagen konnte. Er liess sich von jemandem wie Pinochet einladen. Danach war es mit frohen Botschaften aus Stockholm natürlich vorbei.»
Seit seine Frau, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, vor einigen Jahren gestorben ist, lebt Jorge Edwards allein. Er möchte in der ihm verbleibenden Zeit noch einige kürzere Bücher schreiben, kleine Romane, Erzählungen, Essays, vor allem aber ein Buch über seine Kindheit.
«Ich muss sehr diszipliniert vorgehen», sagt er, «weil ich sonst überhaupt nicht arbeite. Am liebsten schreibe ich am Morgen, zuerst mit der Feder auf Papier, erst später am Computer. Gewöhnlich fange ich um zehn an und arbeite bis zwei. Die späte spanische Mittagszeit kommt mir entgegen.» – Das Café Gijón füllt sich, wir schauen auf die Uhr: Allmählich wird es sogar in Madrid Zeit zum Essen. Den dritten Teil lesen Sie am kommenden Montag, dem 12.5.2008.
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