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    <title>Chile Aktuell - Reiner Schirmer</title>
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    <description>Heinz Wattler: Neues, Aktuelles und Kurioses aus Chile</description>
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    <pubDate>Mon, 26 Jul 2010 06:00:00 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Chile Aktuell - Reiner Schirmer - Heinz Wattler: Neues, Aktuelles und Kurioses aus Chile</title>
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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 83</title>
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    1. Wohneigentum in Osorno erwerben, um ein Familienleben führen zu können.&lt;br /&gt;
2. Flexible Arbeitszeiten, d.h. die Besuche auf den zu bewirtschafteten Betrieben wurden von mir festgelegt. &lt;br /&gt;
3. Beibehaltung der beiden Gutsverwalter.&lt;br /&gt;
4. Die Freiheit, private Investitionen in der Landwirtschaft tätigen zu können. &lt;br /&gt;
5. Urlaub bis Ende der ersten Januarwoche.&lt;br /&gt;
6. Weiterführung der Firmenaltersversorgung und Abführung freiwilliger Soziallasten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab keine Bedenken und es fehlte nur noch eine Flugkarte nach Spanien. Herr Dr. Schickedanz erledigte ein Telefongespräch und ließ mich dann mit Dorlis verbinden, um meine Ankunft für heute Abend durchzusagen. Wir verabschiedeten uns, wünschten frohe Weihnachten und glückliche Jahre für unsere Familien. Den genauen Termin des geplanten Abschiedsgespräches sollte ich dann telefonisch durchgeben. Ein Wagen brachte mich dann zum Flugplatz und weiter bis zum Rollfeld. Da stand der Learjet der Firma mit den zwei mir bekannten Piloten. In drei Minuten verschwand Nürnberg unter uns. Ich saß als einziger Passagier in der Maschine. Nachdem wir die Flughöhe erreicht hatten, wurden mir Whisky und Zigarren angeboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was werden Dorlis und die Kinder sagen? Ich selbst war nun von mir, dem Schicksal oder von dem anderen Kulturkreis Chiles besiegt worden. Alle Versuche, für immer in meiner Heimat zu leben, waren irgendwie fehlgeschlagen. So ganz konnte ich mich damit nicht abfinden. Aber es blieben ja später die Rentnerjahre, tröstete ich mich. Nach einer kleinen Flasche Wein machte ich mir aber auch die vielen Vorteile klar, die ein Leben in Chile mit sich brachte. Vor allem war da die Freiheit und Unabhängigkeit im Beruf und die Sicherheit im Hintergrund, von einem großen, internationalen Konzern angestellt zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir überflogen die Alpen und unter mir sah ich wie kleine Vögel die Jumbojets. Der Pilot erklärte mir, daß unsere Flughöhe noch 6.000 Meter über dem Linienverkehr lag. In Kürze würde ich auch die Erde als Kugel erkennen können, informierte er mich. Mit diesem einmaligen Eindruck fand ich zu einer gewissen Selbstzufriedenheit und auch Dankbarkeit zurück. Wie gut hatte es doch Gott oder das Schicksal nach der Auswanderung mit mir gemeint. Wir flogen über das Mittelmeer und ich wurde in die Pilotenkabine gebeten. In weiter Ferne sah man die Stadt Barcelona, dann die Rollbahn und dann standen wir schon auf dem Flugfeld. Der Pilot brachte mich ohne Kontrolle durch Zoll und Polizei und dann saß ich im Taxi Richtung Familie. Das Flugzeug war in 90 Minuten wieder in Nürnberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Frau empfing mich und ohne Fragen zu stellen gingen wir zu den Kindern, die gerade ins Bett gegangen waren. Alle musterten ihren schweigsamen Vater und ahnten wohl, dass etwas Besonderes passieren würde. &amp;quot;In 12 Tagen geht es nach Chile&amp;quot;. Die Kinder hüpften in ihren Betten, weinten, lachten, und schrieen vor Freude. Dorlis hatte Tränen in den Augen, wer weiß ob aus Freude an den Kindern oder ................ ?  
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    <pubDate>Mon, 26 Jul 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 8</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 82</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    Bevor ich überhaupt schalten konnte, prasselte ein Donnerwetter nie gewesener Art auf mich herab: &amp;quot;Was denken Sie sich eigentlich! Ich schicke Sie nach Chile und Sie halten es noch nicht einmal für nötig, nach Deutschland zu kommen und mich ausführlich über das Erlebte zu unterrichten. So etwas hat mir noch keiner geboten.&amp;quot; Ich schnappte nach Luft und stammelte, der Betrieb hier brauche mich dringend und…. Harsch wurde meine Antwort unterbrochen: &amp;quot;Hören Sie auf mit diesem Geschwätz, ein tüchtiger Chef kann doch wohl abwesend sein, so kleinkariert kann man doch gar nicht denken. Morgen früh um 8 Uhr erwarte ich Sie in meinem Büro.” Es machte Klick und das Gespräch war beendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich rief sofort Dorlis in Barcelona an, damit sie mir helfen konnte, eine Flugkarte zu organisieren. Mit dem Wagen hätte ich den Termin nie einhalten können, selbst wenn ich nachts durchgefahren wäre. Das hätte meinen Untergang bedeuten können. Also auf nach Barcelona. Dorlis empfing mich mit der Nachricht, aufgrund der Weihnachtszeit sei keine Passage nach Frankfurt mehr zu bekommen. Nach einem Wettlauf mit der Zeit bekam ich einen Flug über Mailand, Bern nach Frankfurt, wo ich dann noch einen Zug nach Fürth erreichte. Frühmorgens pünktlich wartete ich schon auf Herrn Dedi, um das Gewitter nicht allein auf mich niederdonnern zu lassen. Herr Dedi begleitete mich zu Herrn Dr. Schickedanz. Er begrüßte mich, als wenn nichts gewesen wäre und dann musste ich über Chile berichten. Ich bekam gezielte Fragen, die mich ins Staunen brachten. Wie konnte mein Chef sich in die dortige Lage versetzen, obwohl er seit drei Jahren nicht mehr in Chile gewesen war? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir trennten uns, um uns zum Mittagessen im Kreis der Familie Schickedanz in Dambach zu treffen. Anschließend ging es ins Büro von Herrn Dedi, der in seiner immer ruhigen und ausgeglichenen Art noch weitere Einzelfragen an mich richtete. Das Mittagessen in Dambach verlief, ohne das Thema Chile mit einem Wort zu erwähnen. Beim anschließenden Kaffee im Salon wurde dann das Gespräch auf Chile gelenkt. Fragen über die derzeitige Situation und die weitere politische Entwicklung wurden von den Familienangehörigen gestellt. Nach diesem Wortgeplänkel ergriff Herr Dr. Schickedanz das Wort: &amp;quot;Liebe Familie, Ihr habt nun die Lage von Herrn Schirmer geschildert bekommen. Sie, Herr Schirmer, haben ja damals meine Tochter Madeleine enteignet oder besser gesagt, zum Wohle der Familie auf ihr Eigentum verzichten lassen. Die Geschichte hat gelehrt, dass sich politische Ereignisse nicht so schnell wiederholen. Deshalb schlage ich vor, dass Herr Schirmer und seine Familie nach Chile zurückkehren und er erneut Investitionen für Madeleine und andere Familienmitglieder tätigt.“ Alle sahen auf mich und ich hüllte mich in Schweigen. Frau Schickedanz: &amp;quot;Gustav, das halte ich nicht für richtig. Die Schirmers sind nun für mich in Spanien und ich möchte, dass sie dort bleiben.&amp;quot; Das Tauziehen um uns ging weiter. Ich selbst wurde überhaupt nicht gefragt, was mir im Moment sogar sehr lieb war, denn ich hatte auch keine Meinung. Es kam alles zu schnell und auch Dorlis war nicht zugegen. Zum Schluss kam auch Herr Dr. Schickedanz nicht so schnell bei seiner Frau durch. An mich gewandt fragte er: “ Herr Schirmer, was sagen Sie überhaupt dazu? Sie sehen, die Grete hat manchmal ihren Kopf für sich.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schirmer, so gefragt, versuchte seine Frau ins Spiel zu bringen, man müsse sich doch abstimmen und eine gemeinsame Entscheidung treffen. Diese Antwort wurde nun aber nicht akzeptiert. Entscheidungen sind zu treffen und man könne nicht stundenlang reden. Die Zeit ist dafür zu kostbar. Wer dazu nicht fähig sei, würde nie in die A-Mannschaft kommen bekam ich zur Antwort. “ Rauchen Sie eine Zigarette vor der Tür und teilen sie mir Ihre Entscheidung mit,&amp;quot; sagte Herr Dr. Schickedanz zu mir und mit diesem Ultimatum verließ ich den Raum. Die Zigarette half mir nicht, aber ich musste eine Entscheidung für meine Familie fällen. Hier gab es nur Ja oder Nein. Ich entschied mich für Chile. Frau Schickedanz versuchte noch einmal, den von mir gefassten Entschluss zu ändern, aber auch Herr Dedi plädierte für Chile. Damit war die Debatte über unser Schicksal beendet. Nun äußerte ich meine Wünsche, bzw. Bedingungen, unter denen wir wieder nach Chile zurückkehren wollten...  
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    <pubDate>Mon, 19 Jul 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 80</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    &lt;p&gt;1. &lt;br /&gt;
Jedem enteigneten Landwirt wurde ein Restgut von 200 ha zugestanden, einschließlich des Wohnhauses mit Einschreibung in das Grundbuchamt. In Sonderfällen können Ausnahmen erteilt werden, aber nur bei Übernahme des beschäftigten Personals. Als erstes Ziel sollte Arbeitslosigkeit vermieden werden.&lt;br /&gt;
2.&lt;br /&gt;
Das Personal der CORA sollte ausgewechselt und durch verlässliche Fachkräfte, die nicht Mitglieder einer Linkspartei gewesen sein durften, ersetzt werden.&lt;br /&gt;
3.&lt;br /&gt;
Die gegründeten landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaften wurden baldmöglichst aufgelöst.&lt;br /&gt;
4.&lt;br /&gt;
Das restliche enteignete Land sollte als Siedlerland verteilt werden, um eigenständige Bauern zu schaffen. Die Parzellen sollten 8 ha Basis umfassen. Da ein Hektar Acker bzw. Weideland in der Region Osorno schlechter eingestuft wurde, als die selbe Fläche bewässerbares Land in der Region Santiago, entsprachen 8 ha Basis in Osorno 40 ha landwirtschaftliche Nutzfläche.&lt;br /&gt;
5.&lt;br /&gt;
Die Auswahl der Siedler gehe nach einem noch zu entwickelnden Punktsystem.&lt;br /&gt;
6.&lt;br /&gt;
Das Land aus den 200 ha Restgütern wurde wieder Privatbesitz und war damit wieder frei verkäuflich. &lt;br /&gt;
7.&lt;br /&gt;
Das enteignete Land dagegen sollte den ehemaligen Besitzern in Form eines langfristig abzuzahlenden Bonussystems erstattet werden.&lt;br /&gt;
8.&lt;br /&gt;
Auch nicht in Chile ansässige Interessenten hatten nun Zugang zu Wald, Land und Bodenschätzen unter Beachtung der chilenischen Steuergesetze und Gesundheitsbestimmungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren klare Auskünfte. Nach meiner Ansicht ein gangbarer Weg, um von Anarchie zur notwendigen Ordnung im Staatsgefüge zu kommen. General Mendoza erklärte mir die Regierungsweise der künftigen Jahre und verglich diese mit der Nachkriegszeit in Deutschland: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·Die chilenische Junta wollte gleich den Alliierten regieren, bis eine neue Verfassung durch Volksentscheid bestätigt werden konnte. In dieser Übergangszeit sollten alle politische Parteien verboten werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·Die Provinzen wurden durch Intendenten - meistens aktive Offiziere - regiert. Die Bürgermeister wurden ernannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·Die Arbeit des Senates, also die Legislative, wird durch die Mitglieder der Militärjunta ersetzt. Der Chef der Militärjunta- und damit der chilenische Staatspräsident - sollte immer vom Heer gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
·Die Justiz bleibt unabhängige Staatsgewalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Privat erzählte er noch über seine Besuche in Deutschland, vor allem als begeisterter Teilnehmer von Reitturnieren in Aachen und Luhmühlen. Beim Abschied bat er mich, in Deutschland eventuelle Investoren zu informieren, da nach seiner Ansicht die internationale Presse keine Kosten scheuen würde, den Wiederaufbau in Chile - nach Beseitigung des Kommunismus/Sozialismus - zu bremsen.&lt;/p&gt;  
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    <pubDate>Mon, 05 Jul 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 79</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    Gegen Ende Oktober gab es des öfteren Auseinandersetzungen mit dem Leiter der “Garten Quelle“ in Deutschland, der seine Dienstreisen nach Spanien wohl in Gefahr sah! Aber auch ich trug nicht viel dazu bei, die Meinungsverschiedenheiten zu mindern. Der Verkauf der Nelken ging von mir aus nicht mehr nur an die Gartenquelle, sondern nach ganz Europa, wo man bessere Preise erzielen konnte. Der Betrieb, oder besser gesagt, Frau Schickedanz, sollte kein Billiglieferant für die Gartenquelle sein, die dann in ihrer Buchführung auf Kosten von &amp;quot;Jardines T.&amp;quot; glänzen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. November wurde ich dann vom Chef nach Deutschland zitiert und mit meinem Kontrahenten konfrontiert.&lt;br /&gt;
Ich war nicht der Verlierer und das Gespräch ging dann mit Herrn Dedi weiter mit Gedanken in Richtung Chile. Ich lernte aus diesem Zwischenfall, dass man in der Nähe der Hauptverwaltung nicht - wie im entfernten Chile - ein ungekrönter König war. Oft ist es eben besser, ein Major in der Ferne zu sein, als ein General im Hause der Kommandostelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Freund Pancho aus Chile wurde ich immer mit den neuesten Nachrichten versorgt, die auch immer per Fax nach Fürth weitergeleitet wurden. Am 17. November kam eine neue Anweisung aus Fürth: So schnell wie möglich zur Orientierung nach Chile zu fahren. Eine Passage mit der chilenischen Luftlinie LAN von Madrid nach Santiago wurde in aller Eile gebucht. Während des Fluges konnte man schon die neuesten Nachrichten und Gerüchte über die neue Regierung erfahren. Auch ein Bekannter, Eigentümer eines Reisebüros in Santiago, berichtete sehr objektiv. Der Regierungswechsel am 11. September war nach seinen Informationen nicht unblutig verlaufen, aber die Meldungen der europäischen Sensationspresse stellten das Eingreifen des Militärs wie üblich wesentlich dramatischer dar. Auf jeden Fall sei von der Anarchie der letzten Wochen nichts mehr zu spüren. Mit diesen Worten schloss mein Bekannter seinen Erfahrungsbericht. Ich persönlich kann kein objektives Urteil abgeben, da ich ja zu der Zeit nicht in Chile war. Vom Flugplatz ging es per Taxi in die Stadt. An gewissen strategischen Punkten sah man bewaffnetes Militär, aber allgemein herrschte Ruhe und man sah nichts Ungewöhnliches. Ab 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens herrschte Ausgangssperre. Mein erster Weg führte zu unseren Compadres Familie Dr. Felix de Amesti. Der Empfang war herzlich und die Berichte zur Lage im Land ähnelten den Erfahrungen meines Gesprächspartners im Flugzeug. Der weitere Weg führte mich zu Rechtsanwalt und Freund Pancho. Dort hörte man nur Positives. Er selbst unterrichtete Rechtswissenschaft an der Polizeiakademie und war Freund des Juntamitglieds der Polizei General Caesar Mendoza, dem ich auch vorgestellt wurde. General Mendoza unterstand in den ersten Monaten auch das Landwirtschaftsministerium. So wurde ich aus erster Quelle über die künftigen Pläne unterrichtet:  
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    <pubDate>Sun, 27 Jun 2010 19:45:34 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 7</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 78</title>
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    Der seit einem Monat tätige Leiter von &quot;Jardines T.&quot; wartete schon sehnsüchtig auf meine Ankunft. Herr K. arbeitete sonst in der Liegenschaftsabteilung der Hauptverwaltung in Fürth und war von Frau Schickedanz, aufgrund seiner Kenntnisse der spanischen Sprache als Übergangslösung nach Spanien geschickt worden. &lt;br /&gt;
Nach Übernahme meiner neuen Aufgabe mietete mein Vorgänger eine möblierte Wohnung in Barcelona für uns, bevor er nach Deutschland an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. Mir blieb noch die Zeit, am nächsten Tag Dorlis und die Kinder in diese Wohnung zu bringen. Ich kehrte noch am selben Abend zur Stelle meines künftigen Wirkens zurück. Unterkunft und Verpflegung erhielt ich im Haus von Frau Schickedanz bei den dortigen Hausmeistern!&lt;br /&gt;
Dorlis mußte nun mit allem allein fertig werden: Die Kinder zur neuen Schule, den Haushalt zum Laufen bringen und alles ohne den &quot;lieben Mann&quot; am 100 Kilometer entfernten Arbeitsplatz der &quot;Zukunft&quot;. Nähere Worte zur Erklärung erübrigen sich wohl. Selbstverständlich war ich am folgenden Wochenende in unserem neuen &quot;glücklichen zu Hause&quot;.&lt;br /&gt;
Bei mir war der Arbeitsantritt mit einem Botschafterwechsel zu vergleichen. Der Eine kommt, der Andere geht, das Übergabeprotokoll wird unterschrieben und weitere Worte fallen nicht mehr. Aber das war nicht das erste Mal in meinem Leben und auch nicht in dem meiner Frau. Vorher gab es schon weit kritischere Situationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Jardines Tarraquo&quot; wurde vor Jahren von Herrn Dr. Schickedanz für seine Frau gekauft. Das gesamte Areal von ungefähr 15 ha Land lag direkt am Strand des Mittelmeeres. In der traumhaften Bucht entstand die &quot;Villa Grete&quot; mit einem wunderschönen Blumenpark. Kurze Zeit danach wurde eine moderne Großgärtnerei errichtet mit Glashäusern, automatischer Beregnung und angeschlossener Düngevorrichtung. Das Ziel war es, Nelken für den Frankfurter Blumenmarkt, die Quellehäuser sowie andere Vertriebsstätten zu liefern. Zusätzlich entstand eine Gefrierhalle, um dort tiefgekühlte Nelken für gewisse Stoßzeiten für den europäischen Markt zur Verfügung zu haben. Die Lieferung erfolgte über Frachtflugzeuge. Wieder eine geniale Idee meines Chefs. Diesen Betrieb galt es nun zu koordinieren, um damit den fünfzig spanischen Mitarbeitern ein ständiges Gehalt zu sichern und einen Gewinn zu erwirtschaften. Diese Arbeit machte wieder sehr viel Freude und auch ich lernte vieles dazu.&lt;br /&gt;
Nach vierzehn Tagen war meine Dienstwohnung fertig und wurde möbliert. An den Wochenenden kamen Dorlis und die Kinder aus Barcelona und wir lagen am Strand und gingen abends in den Fischerkneipen zum Essen. Einige Male fuhr ich auch nach Barcelona. Dort sahen wir uns unsere neue Umgebung genauer an. Der Schulwechsel wurde von den Kindern ohne Probleme gemeistert und schnell lernten sie neue Freundinnen kennen. Dorlis half unserer Christi bei der spanischen Erdkunde: Wo liegt der Fluß Ebro? Es gab zwischen Tochter und Mutter keine Einigung und es endete mit einem Minuten dauernden Rundlauf um den Esstisch.  
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    <pubDate>Mon, 21 Jun 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 77</title>
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    Am 11. September 1973 war unser Dienstwagen, der für meinen Aufenthalt in Spanien gedacht war, gepackt und die Abfahrt war für frühmorgens angesetzt. Den letzten Abend in Deutschland waren wir mit den Kindern noch zum Abschied bei Familie Niederle eingeladen. Gegen neun Uhr abends, wir waren gerade im Hotel angekommen, verlangte Herr Dr. Schickedanz mich telefonisch zu sprechen: &amp;quot;Es ist geschehen. Laut der Nachrichten hat eine Militärregierung in Chile das Zepter in die Hand genommen. Noch scheint die Lage konfus zu sein. Wir werden die Situation weiterhin verfolgen und hören dann wieder voneinander. Fahren Sie, wie von meiner Frau geplant, erst einmal nach Spanien. Alles Gute für die lange Fahrt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Nachricht bewegte uns sehr, in vielerlei Hinsicht. Dorlis und ich fühlten einen neuen Lebensabschnitt auf uns zukommen, wo würden uns die Ereignisse hinführen? Vor vier Wochen noch in Chile, jetzt in Deutschland, in zwei Tagen in Spanien und dann? Am nächsten Morgen saß Familie Schirmer im Auto. Über 2.000 Kilometer lagen vor uns. Fürth, Mühlhausen, Besancon, Lyon, Perpignan, spanische Grenze, Barcelona, Tarragona, Salou. Obwohl die lange Fahrt im Auto anstrengend war, machten die beiden Mädels nie Schwierigkeiten. Im Gegenteil, die Familie war in dem engem Raum des Autos eingeschlossen, doch vielleicht gerade dadurch ergaben sich sehr schöne Gespräche über interessante Themen, die sonst im Alltag schnell übersehen werden. Die Kinder waren immer sehr rücksichtsvoll und lieb zu ihren Eltern und klagten nie, von einem zum anderen Ort verpflanzt zu werden. Allerdings haben wir auch immer versucht, unsere Vorhaben den beiden jungen Menschen zu erklären. Belohnt wurden wir mit ihrer Liebe und dem Vertrauen, das sie zu ihren Eltern hatten. Nur so konnten wir trotz allem Hin und Her eine glückliche Familie aufbauen. Auch noch heute fühlen wir Dankbarkeit von ihnen, diese Weltoffenheit weiter gegeben zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Nacht verbrachten wir in Frankreich und tags darauf fuhren wir durch bis Spanien. Dort merkten wir, wie angenehm es ist, die Landessprache zu beherrschen. Kurz vor unserem neuen Arbeitsort blieben wir einige Tage in einem gemütlichen Hotel direkt am Mittelmeer. Ich machte einen Kurzbesuch an meiner neuen Arbeitsstelle und erkundigte mich zuerst nach den Schulmöglichkeiten für die Kinder. Leider gab es auch in Tarragona keine höhere Schule, an der Deutsch gelehrt wurde. Dagegen gab es in Barcelona eine gute Deutsche Schule und so blieb uns nur dieser Weg übrig. Das bedeutete aber auch, dass Dorlis mit den Kindern während der Woche in Barcelona bleiben musste.  
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    <pubDate>Mon, 14 Jun 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben wischen zwei Kulturen / 77</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 76</title>
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    Ich erinnerte mich an eine Begebenheit während des letzten Besuches bei meiner Mutter: &amp;quot;Wie ist so etwas möglich, daß die Müllabfuhr sich um einen Tag verspätet!&amp;quot; Eine Welt schien bei ihr zusammen zu brechen, wegen solch einer Unwichtigkeit. Am liebsten hätte ich geantwortet: “Ihr habt vielleicht Probleme, liebe Mutter. Steck einmal die Nase in die Fremde, dann würdest Du Dich selbst belachen wegen dieser Sorgen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche und ähnliche Beispiele brachten bei mir viele Zweifel über meine Landsleute, aber auch über mich selbst. In Chile bin ich später mit Freude die 1.000 Kilometer nach Santiago gefahren, um gute Freunde dort abzuholen. Auch ich musste die damit verlorene Arbeitszeit später nachholen. Sind das Unterschiede, die in den verschiedenen Kulturkreisen begründet liegen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Freunde Hans und Waltraut in Luhmühlen wurden unsere verständnisvollen Diskussionspartner. Wir versuchten unser bisheriges Leben in Chile mit dem zukünftigen Leben in Deutschland zu vergleichen. Ein Neubeginn in der Heimat war ja unser jahrelanges Streben gewesen. Dabei merkten wir, dass unsere Zweifel größer wurden. Waren wir anders geworden? Oder galt für uns der Spruch &amp;quot;Einige Menschen sehnen sich immer nach dem, was sie im Moment nicht haben&amp;quot; Auch Dorlis hörte gern auf ihre immer besonnene Freundin aus der Schulzeit. Vieles wurde noch während unserer Gespräche beleuchtet, doch zum Schluss kamen wir zu einem salomonischen Urteil. Bis jetzt hatten wir trotz der oft wechselnden Situationen in unserem Leben im richtigen Moment immer das Richtige gemacht, also weiter so. Mit einer erneuten Portion Vertrauen ausgestattet, ging es zum ausgemachten Datum zurück nach Fürth.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst trafen wir uns mit Herrn Dedi und später mit Herrn und Frau Schickedanz. Einiges wurde beleuchtet und ich merkte, hier in der Firma würde ich einer unter Vielen werden. Aber das war in einem derartigen Großbetrieb nicht anders zu erwarten. Frau Schickedanz konnte wohl meine Gedanken lesen: &amp;quot;Ich glaube, Herr und Frau Schirmer, Sie gehen wohl doch am besten für mich nach Spanien. Dort werden Sie sich wohler fühlen und die Denkweise der Menschen dort wird ihnen artverwandter sein. Ein gewisser Einzelgänger im Beruf sind Sie ja. Und die Führung von Menschen in einer von uns fremden Denkweise hat Ihnen ja immer gelegen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dr. Schickedanz kam dann noch einmal auf die Idee zu sprechen, eine Reihe von landwirtschaftlichen Gütern in aller Welt aufzubauen und zu beaufsichtigen. Dieser Vorschlag stieß bei uns auf wenig Gegenliebe. Inzwischen war ich 45 Jahre alt und wir sehnten uns danach, endlich ein Lebenszentrum für uns und die Kinder zu haben. Frau Schickedanz beendete die Diskussion: &amp;quot;Spanien gehört zu meinem Privatbesitz und Sie werden die dortigen Unregelmäßigkeiten schon in die Hand bekommen. Setzen Sie sich heute und morgen hier mit dem Leiter der &amp;quot;Gartenquelle&amp;quot; in Verbindung und in 14 Tagen sehen wir uns dann in Spanien wieder, da ich dort des öfteren die Wochenenden verbringe.&amp;quot; Die Entscheidung war gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr Dedi, zu der Zeit noch Personalchef, war mit der Entscheidung einverstanden. Meine Bezüge wurden nicht geändert und auch der auf Chile bezogene Arbeitsvertrag wurde beibehalten. Die noch verbleibende Zeit bis zu unserer Abreise nach Spanien verlief mit Gesprächen in der Gartenquelle. Den leitenden Herren kannte ich von früheren Begegnungen. Die Struktur dieser Abteilung der Quelle mit Produktionsbetrieben, Vertrieb, Finanzen usw. war mit La Poza in Chile gar nicht zu vergleichen. Hier war irgendwie alles miteinander verzahnt und ich wurde den jeweiligen Abteilungsleitern vorgestellt. Zum Abschluss kamen wir auch auf &amp;quot;Jardines Tarraquo&amp;quot; (der Name der Großgärtnerei in Spanien) zu sprechen. Diese sei auch der Gartenquelle unterstellt informierte man mich und man müsse nun über die diesbezüglichen Aufgaben und Pflichten einschließlich Arbeitsvertrag und Bezüge mit mir sprechen. Das weitere Gespräch blieb wohl im Rahmen, aber die Geister schieden sich. &amp;quot;Ich bin weiterhin Bevollmächtigter der Familie Schickedanz in Chile und komme jetzt als Vertrauter von Frau Schickedanz zur Gärtnerei nach Spanien. Das diese Großgärtnerei zu Ihrem Arbeitsbereich gehört ist eine Sache, aber sie sind nicht mein Vorgesetzter und mein Auftrag für Spanien ist mir von unserer Chefin klar angewiesen worden&amp;quot;,legte ich meinen Standpunkt klar. Das war eine kleine Kriegserklärung und so sollte es dann auch in der Zukunft bleiben.  
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    <pubDate>Mon, 07 Jun 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 7</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 75</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    Neuorientierung in Europa&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles hatten wir richtig gemacht. Entgegen dem Beispiel einiger guter Bekannter wurde nie im Lande Chile investiert, obwohl nach fast zwei Jahrzehnten Aufenthalt im Land sowohl die Gelegenheit als auch der Wunsch dazu bei uns vorhanden war. Die politische Situation der Jahre 1973/74 war abzusehen gewesen, dazu hatte es zu viele Vorzeichen gegeben. Die Tage in Brasilien bildeten für Dorlis und mich den Abschluss eines Lebensabschnittes. Gern denken wir an die Abende zurück. Die Kinder waren groß genug und wir konnten unbeschwert auch einmal Alleingänge unternehmen. Zwei Begebenheiten lieferten uns zeitlosen Gesprächsstoff: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-	Wer war der versteckte Engel gewesen, uns aus Chile ausreisen zu lassen?&lt;br /&gt;
-	Wer war dieser Oberst in Berlin, den wir in den kritischen Momenten in den Händen der Grenzpolizei der DDR kennen gelernt hatten? Ein früherer Militärattache mit Dienstjahren in Südamerika oder hatte er Verwandte in Chile? Die Handlungsweise von ihm war doch so &amp;quot;undeutsch&amp;quot;!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. August trafen wir in Deutschland ein. Das Parkhotel in Fürth war uns ein Teil Heimat geworden. Der Besitzer, ein Bekannter von Herrn Dedi und auch das Personal verwöhnten uns, wo es nur immer ging. Intensive Gespräche gab es in der Firma. Alle waren froh, das Endziel erreicht zu haben. Trotzdem merkte ich zwischen den Zeilen die Sorge der Besitzer um das Weiterleben des Betriebes in Chile. Schirmer war ja nicht mehr dort! Hatte er vielleicht nicht doch Fahnenflucht begannen? Die Arbeitsberichte von den Betrieben A und B mit den Ausführungen zur jeweiligen Lage gingen weiterhin in meine Hände. Ich wurde zum unsichtbaren Dirigenten und führte unbemerkt von den beiden Betriebsleitern doch weiterhin die Geschicke der neu entstandenen Fundos. Über meine künftigen Aufgaben in Deutschland zerbrach man sich noch nicht die Köpfe. Familie Schickedanz hatte einen Urlaub auf dem Besitz in Spanien vorgesehen und so trennten wir uns, um alles weitere am 9. September zu besprechen. Zunächst wurden uns vierzehn Tage Urlaub zugestanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder mit einem Dienstwagen ausgerüstet, führte uns unser Weg zunächst zur Oma. Sie hatte sich viel zu viele Gedanken über uns gemacht. Telefonisch wurden Geschwister und Freunde über unsere erneute und unerwartete Rückkehr informiert. Alle wollten uns sehen. In den Medien wurde immer wieder über die Lage in Chile berichtet. Seit Wochen gab es Proteste im Lande (Frauen, die ein Konzert mit Löffeln auf leeren Kochtöpfen veranstalten und die Militärs als Hühner bezeichneten). Eins war uns klar, entweder kam der Autoputsch von Allende oder die Militärs rafften sich auf, die immer weiter um sich greifende Anarchie der damaligen Regierung zu beenden. Die Mehrheit der Bevölkerung tendierte zum Letzteren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Gesprächen mit Bekannten in Deutschland teilte man unsere Sichtweise, die durch das selbst Erlebte geprägt war, nicht immer. Hier, fern vom Geschehen, wurde in Allende nicht selten ein so genannter Held der Freiheit gesehen. Ich konnte meine Landsleute nicht mehr verstehen. Sie brauchten doch nur einen Blick über die innerdeutsche Grenze werfen! Doch die Botschaften der hiesigen Zeitungsberichte und Fernsehsendungen wurden als selbstverständliche Wahrheit betrachtet und ohne jegliche Kritik hingenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Besuch bei einer Tante, die wir bei unseren früheren Aufenthalten in Deutschland vernachlässigt hatten, ließ bei uns anderweitige Bedenken aufkommen. Wir waren bei meinem Vetter, der nicht all zu weit entfernt wohnte, zum Abendessen eingeladen. Verabredet hatten wir uns um acht Uhr abends. Pünktlich machten wir uns auf den Weg und wären wohl zehn Minuten vorher eingetroffen. Auf einmal sagte meine Tante: &amp;quot;Reiner, fahr langsamer, vor acht Uhr können wir dort nicht erscheinen. Wir dürfen nicht vor Beendigung der Nachrichten dort ankommen.” Solche Reaktion ging nicht in meinen Kopf. Waren die Nachrichten wichtiger als unser Besuch und ein nettes Beisammensein? Nun waren wir aus der Fremde in das Land unserer Vorfahren zurückgekehrt und die Freude darauf musste auf einmal einem gewissen Unbehagen weichen.  
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    <pubDate>Mon, 31 May 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    74&lt;br /&gt;
Am 13. August 1973 fuhren wir in aller Frühe in Santiago zum Flugplatz. Schon um diese Zeit sah man Menschenschlangen um ein Stückchen Brot anstehen. Der Vorrat an Mehl war wohl fast aufgebraucht und die Regierung abgewirtschaftet. Sollte diese angespannte wirtschaftliche Lage letztlich zu einem Putsch gegen die Regierung führen? Pancho riet uns, das Land nach Möglichkeit bald zu verlassen. Bei Putschen und Revolutionen, so lehrt die Weltgeschichte, sind die ersten Leidtragenden immer die Ausländer. Ich selbst hatte mich innerlich darauf vorbereitet, nicht in die Lufthansamaschine einsteigen zu können. Wegen des Autounfalls war ich noch in einen laufenden Prozess verwickelt und es war fast nicht möglich, das Land zu verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Ausweg sollte von Osorno über die Grenze nach Argentinien führen, zum letzten Mal unter Benutzung des Diplomatenpasses. Wir wollten uns dann in Rio de Janeiro treffen. Dorlis und ich zitterten, als wir mit den Kindern die Abfertigungsschalter der internationalen Polizei hinter uns ließen. Nichts passierte, und im Flugzeug sitzend wartete ich auf den Moment, dass mein Name ausgerufen wurde oder das plötzlich die Polizei auftauchen würde. Die spannenden Momente vergingen zum Glück irgendwann und die Maschine hob ab und in weiteren fünfzehn Minuten überflogen wir die Anden in Richtung Brasilien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau Niederle hatte uns in einem Vertragshotel der Quelle am Strand von Copacabana untergebracht. Hier wollten wir einige Tage die Welt vergessen und nur füreinander da sein. Das brasilianische Frühstück ist einmalig, traumhaft der vor dem Hotel gelegene Strand. Ausflüge auf den Zuckerhut und in die benachbarte alte Kaiserstadt mit der Residenz des letzten brasilianischen Kaisers zeigten den alten Glanz vergangener Zeiten. Die Kinder waren schon groß genug, alles Erlebte aufnehmen zu können. Die Tage am Strand, das gute Essen und Eis lutschen ohne Einschränkung füllten den Tag aus. Doch eine kleine Panne musste auch hier passieren. Der sonst immer schlaue Don Renaldo schlief am Strand ein. Nach einem erfrischenden Bad im Meer, stellte ich fest, dass die Geldbörse mit den US-Dollars verschwunden war. Die Lösung ging wieder über Frau Niederle in Deutschland. Ein Besuch beim Leiter der &amp;quot;Quelle do Brasil&amp;quot; und alle Probleme waren gelöst. Die Zukunft unserer Familie beschwerte uns nicht. Außer der Sicherheit unserer Arbeitgeber hatten wir auch ein schönes Sümmchen auf der Bank.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 24 May 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 7</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 73</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;In eigener Sache:&lt;?xml:namespace prefix = o ns = &quot;urn:schemas-microsoft-com:office:office&quot; /&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Liebe Leserinnen und Leser,&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;leider erscheinen die täglichen Beiträge zum picaflor zur Zeit recht unregelmäßig. Zur Zeit befinde ich mich in Venezuela und bedauerlicherweise ist der Provider des kleinen Ortes El Yaque, von dem aus ich meine Mails sende und das Internet bediene, dem allmächtigen Herrn Chávez und seinen Genossen in die Quere gekommen. Da gehört nicht viel zu.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Die Information dahinter: Das Internet-Geschäft in El Yaque ist recht einträglich und ein Freund der Regierung möchte den ganzen Kuchen für sich. Da reichen dann oft einige Telefonate unter den amigos und schwupps – wie in diesem Falle – landet der Konkurrent unter fadenscheinigen Gründen im Gefängnis, sein Geschäft wird geschlossen. An der Lösung arbeitet man nun seit einer Woche, wie man weiß, kann solch ein Unterfangen recht lange dauern ...&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Diese Mail konnte unter besonderen Umständen ins Netz gesetzt werden, ab Pfingsten läuft alles wieder ganz normal – von &lt;u&gt;Deutschland aus.&lt;/u&gt; Die Venezolaner werden auf Normalität wohl noch ein wenig warten müssen...&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Vielen Dank für Ihr Verständnis.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;73&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Ich suchte einen Nachfolger für den Betrieb A. Es sollte ein erfahrener, Deutsch sprechender, verheirateter Mitarbeiter sein, damit der junge Carlos auf Betrieb B. die notwendige Unterstützung hatte. Ich fand ihn, Hartmut Kocksch, der später auch ein lieber, verlässlicher und gleichgesinnter Freund wurde. Seine Tätigkeit als Gutsverwalter eines großen Fundos hatte er durch Enteignung verloren. Zur Zeit war er als Geschäftsführer der deutschen Schule in Osorno tätig. Hartmut wohnte mit seiner Familie in Osorno und war deshalb an den Wochenenden in der Stadt. Wie ihm ging es vielen deutschstämmigen Familien. Einige fanden Unterschlupf bei der Quelle in Fürth, aber einige konnten nicht verstehen, dort Arbeit verrichten zu müssen, für die sie vorher hier ihre Angestellten hatten. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Von Pancho aus Santiago erhielt ich die Nachricht, der Tag der Entscheidung stehe vor der Tür. Es könne sich nur noch um Tage handeln, bis er mit den gewünschten Unterlagen bei mir in Osorno sein würde. Nach Rücksprache mit dem Rechtsanwalt des hiesigen Grundbuchamtes war klar, dass nach Vorlage rechtsgültiger Papiere durch die CORA eine Einschreibung der Restgüter innerhalb von 24 Stunden möglich war. Dorlis und ich machten uns daran, viele unserer Sachen in der Nachbarschaft zu Billigpreisen zu verkaufen. Den Rest konnten wir im Herrenhaus zwischenlagern.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font size=&quot;3&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot;&gt;Der 31. Juli kam, aber nicht unser Pancho. Am gleichen Tage begann ein Streik aller öffentlichen Verkehrsmittel, also der Luftlinien und Omnibusse. Nur die Eisenbahn im Staatsbesitz hielt den Verkehr zu 50% aufrecht. Auch die Telefonverbindung klappte kaum noch. Meine Pläne schienen wieder zu zerrinnen. Plötzlich zerriss Lärm von schweren Motoren die Stille über &lt;?xml:namespace prefix = st1 ns = &quot;urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags&quot; /&gt;&lt;st1:personname w:st=&quot;on&quot; productid=&quot;La Poza. Eine&quot;&gt;La Poza. Eine&lt;/st1:personname&gt; Maschine der chilenischen Luftwaffe kreiste im Tiefflug über dem Gebiet. Sollte das Herrenhaus angegriffen werden? In mir keimte eine leise Hoffnung. Knapp eine Stunde später stand Pancho lachend, mit einem Militärwagen aus Osorno kommend, vor der Haustür. “Na, Gringo, was sagst du jetzt. Hier ist dein Freund Pancho mit allen nötigen Papieren.” sagte er lachend und wir schlossen uns in die Arme. Der Teufelskerl hatte dem Oberkommandierenden der chilenischen Luftwaffe eine Militärmaschine für zwei Tage abgeschwatzt! Der gemeinsame Abend verlief ziemlich feucht.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;o:p&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/font&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;
&lt;p style=&quot;LINE-HEIGHT: 150%; MARGIN: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&lt;span style=&quot;FONT-FAMILY: Arial&quot; lang=&quot;DE&quot;&gt;&lt;font color=&quot;#000000&quot; size=&quot;3&quot;&gt;Morgens ging es dann zum Grundbuchamt. Die Eintragungen waren bis zum Abend getätigt und ich mit notariell beglaubigten Kopien versehen. Wir hatten es geschafft! Es war der einzige Enteignungsfall während der Allenderegierung, der so gelöst werden konnte und er sollte es auch bleiben. Über das wie, werde ich weiterhin Stillschweigen bewahren. Wir wurden Sieger dieses fast aussichtslosen und ungleichen Kampfes, und das allein zählte.&lt;/font&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 17 May 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 7</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 72</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
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    In der Zeitung Chiles &amp;quot;El Mercurio&amp;quot; mehrten sich die von Rechtsanwalt Pancho geschriebenen Artikel über den Besuch und seine Eindrücke in Ostberlin. Er versuchte, den hiesigen Lesern die verschiedenen Anwendungen der kommunistischen Ideologie näher zu bringen. Er warnte eindringlich vor dem &amp;quot;Danach&amp;quot; der Diktatur mit den Konsequenzen für das menschliche Lebewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen eröffnete die DDR eine großzügige Botschaft in Santiago. Die Ideologie wurde durch kulturelle Ausstellungen, wie zum Beispiel der Albrecht Dürer-Werke, Händel-Konzerte usw. geschickt verdeckt. Auch die westdeutsche Presse hatte etliche Auslandsredakteure nach Chile geschickt. Oft wurde ich von diesen Herren auf La Poza besucht. Auch das Deutsche Fernsehen recherchierte über das Gut La Poza und seine Umgebung und sendete einen in Deutschland ausgestrahlten Beitrag. Ich ließ allen Besuchern die Freiheit, auch Interviews ohne mein Beisein aufzunehmen. Ich bat meine Landsleute aber immer, bei der Wahrheit zu bleiben. Wie groß war meine Enttäuschung, als in der Illustrierten &amp;quot;Stern&amp;quot; ein vielseitiger Artikel unter dem Namen &amp;quot;Gustav tanzt mit seinen Leuten&amp;quot; über La Poza erschien. Einige Aufnahmen hatten die Reporter sicherlich von unseren ahnungslosen Mitarbeitern erhalten! Bei einem erneuten Besuch des Reporters H. B. vom Stern, stellte ich ihn auf die schamlosen Lügen und die Verdrehung der Wahrheit zur Rede. Ich erinnerte ihn an das gegebene Ehrenwort einer objektiven Reportage. Die Antwort machte mich sprachlos: “Reiner, ich habe ehrlich berichtet, aber meine Reportage wurde vom Chefredakteur H. Nannen in Hamburg völlig geändert. Der Mehrheit der deutschen Bevölkerung passt kein menschlicher Kapitalist, sie will andere Sensationen! Außerdem kann nur so eine hohe Auflage erreicht werden.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab aber auch angenehme Besuche. Hermännchen aus Argentinien brachte mir zwei Flaschen Whisky, den es in Chile längst nicht mehr gab. In Begleitung von ihm kamen auch die bekannte deutsche Ex-Schauspielerin aus der UFA-Zeit, Winni Markus, der Traum meiner Jugendjahre, nach Osorno. Begleitet wurde sie von ihrem Mann Herrn Vogel, genannt der Salzbaron, aus München. Beide hatten sich eine größere Hacienda (Jagdgut) in Argentinien gekauft und wollten La Poza kennenlernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den letzten Informationen aus Santiago kamen wir unserem Ziel immer näher und im Geheimen bereiteten wir uns darauf vor, Ende Juli Chile zu verlassen. Zum Abschied bekam ich noch eine Ohrfeige, die mich darin bestätigte, daß es besser sei, den Chefsessel auf La Poza zu räumen. Nach Dienstschluss wurde ich von der Frau eines Mitarbeiters gebeten, sie nach Osorno zu fahren. Dort wollte sie in der kommenden Woche ein Baby zur Welt bringen. Auf meine Frage, weshalb sie den morgendlichen Autobus nicht genommen hätte, bekam ich die simple Antwort: “Daran habe ich nicht gedacht!” Ein bisschen widerwillig machte ich mich mit dem Dienstwagen auf den Weg. Bei Dunkelheit kam ich wieder zurück. Kurz vor dem Schlafen gehen klopfte es wieder. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der jetzt im Staatsbetrieb arbeitete, wollte vor Bauchschmerzen sterben und bat mich, ihn ins Krankenhaus nach Osorno zu bringen. Wieder nach Osorno und dort zur Notaufnahme. Der diensthabende Arzt bat mich einige Minuten zu warten. Die Diagnose kam umgehend: “ Nehmen sie den Mann wieder aufs Fundo. Für Alkoholiker stelle ich kein Bett zur Verfügung.” Fast um Mitternacht kamen wir zurück. Gegen zwei Uhr nachts schlug der Wachhund wieder an. Vor der Tür stand ein angrenzender Kleinbesitzer mit seiner Frau: “ Fahren Sie uns ins Krankenhaus, meine Frau hat die Wehen bekommen und erwartet ein Kind.” Auf meine Frage, wie lange sie schon die Wehen habe, bekam ich zur Antwort: “Seit zwei Tagen.” Da riss mir der Geduldsfaden. “Dann warten Sie auch noch vier Stunden, bis der Bus nach Osorno fährt.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erhielt ich die Nachricht, die Frau sei im Krankenhaus verstorben. Mein Gewissen ließ mich nicht schlafen und nach der Beerdigung ließ ich den Ehemann zu mir kommen. Ich wollte helfen. Nachdem ich ihm mein Beileid ausgesprochen hatte, erkundigte ich mich nach der Todesursache. Die einzige Antwort die ich bekam: “Eigentlich ganz gut, dass die Alte tot ist.” Ich verstand die Welt nicht mehr, am liebsten wäre ich in diesem Moment weggelaufen. Vor wem? Wohin? Vor mir selbst ? Wie fremd fühlte ich mich in diesem Land!  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 10 May 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer  Leben zwischen zwei Kulturen / 72</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 71</title>
    <link>http://www.picaflor.de/chile-aktuell/archives/1157-Reiner-Schirmer-Leben-zwischen-zwei-Kulturen-71.html</link>
            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    Dorlis, als Nichtbeteiligte, wurde von einem Taxi nach Santiago gebracht, um sofortigen Rechtsbeistand im Automobilclub für mich zu suchen. Mein Sergeant versuchte, mein aufgewühltes Inneres mit den Worten &amp;quot;Sie trifft keine Schuld&amp;quot; zu beruhigen. Ich wurde in Arrest genommen und zur nächsten Unfallstation zur Alkoholprobe gebracht. Den Rest der Nacht sollte ich in einem Polizeigefängnis verbringen. Ich war noch ganz geschockt und stand unter dem Eindruck des Unfalls.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurze Zeit später wurde mein Wagen zur Aufbewahrung bei der Polizei abgeliefert. Zum Glück hatte man ein Einsehen mit mir, indem man mich aus der Gemeinschaftszelle entließ. Ich durfte, da kein anderer Platz zur Verfügung stand, im Auto übernachten. Wie ich die Nacht dort verbrachte habe, überlasse ich der Phantasie der Leser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am darauf folgenden Tage wurde ich unter Polizeibegleitung - Handschellen blieben mir erspart - dem Haftrichter vorgeführt. Dorlis und der Rechtsanwalt waren zugegen, aber auch die Verwandtschaft und ein Anwalt der Gegenseite. Vom Haftrichter wurde ich dann Aufgrund des Unfallprotokolls und der negativen Alkoholprobe auf Kaution entlassen. Der Alkoholkonsum des Unfallopfers wurde im Polizeibericht als “nahe der Volltrunkenheit” beschrieben. Freiwillig bezahlte ich der Familie ein Schmerzensgeld und die Bestattungskosten des alten Herren. Danach erteilte ich meinem Rechtsanwalt eine Vollmacht, mich in allen Belangen bei dem noch zu führenden Prozess zu vertreten. In der deutschen Rechtssprechung muss der Staat dem Schuldigen seine Untaten nachweisen. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Die chilenische Rechtssprechung ist aus dem Spanischen übernommen worden, dort muss der Angeklagte seine Unschuld dem Staat beweisen. &lt;br /&gt;
Der Führerschein wurde mir bis zum Prozessende entzogen, ich durfte aber mit einem monatlich vom Gericht neu zu erstellenden Sonderausweis weiter ein Fahrzeug führen. Die neu erteilte Freiheit schränkte mich in meiner Bewegungsfreiheit kaum ein. Seelisch brauchte ich jedoch Monate, um diesen Unfall zu verkraften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich bald herausstellte, wurde meine menschliche Reaktion am Tag nach dem Unfall (freiwillige Übernahme der Bestattungskosten, usw.) zum Bumerang. Die Gegenpartei verklagte mich wegen &amp;quot;unfreiwilligem Totschlag&amp;quot; und der Prozess sollte jahrelang dauern. Für mich war dies eine große Lehre. Allein die Sprache des Gastlandes zu sprechen, reicht noch lange nicht aus, den fremden Kulturkreis zu kennen. Man muss die für uns ungewohnten Denkweise der Menschen auch lesen, bzw. interpretieren können. Einige Ohrfeigen gleicher Art habe ich trotz langjährigem Aufenthalt in Chile ab und zu einstecken müssen. Meine hier geborenen Kinder haben dieses Problem wohl nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rückfahrt - der Kotflügel zeigte kaum Spuren des nächtlichen Unfalls - verlief schweigsam. Es braucht seine Zeit mit dem Gedanken zu leben, einen Menschen aus seiner Familie gerissen zu haben. Dabei war die Tatsache, dass mich keine Schuld bei diesem Unfall traf, für mich eher zweitrangig.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 03 May 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 7</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 70</title>
    <link>http://www.picaflor.de/chile-aktuell/archives/1151-Reiner-Schirmer-Leben-zwischen-zwei-Kulturen-70.html</link>
            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    Nach kurzer Vorsprache bei Anwalt Pancho und gemeinsamen Besuch in der CORA ging es am folgenden Tag nach La Poza, wo uns keine Überraschungen erwarteten. Noch ein paar Tage und die Kinder mußten zum Schulbeginn wieder ins Internat. Dorlis und mich schockte die immer größer werdende Armut im Lande. Meine ehemaligen Mitarbeiter auf dem Staatsbetrieb verzehrten das dürftige Betriebskapital. Zuletzt wurde sogar der von mir so gepflegte Baumbestand zu Geld gemacht. Auf den anderen Staatsbetrieben sah es nicht anders aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende März fuhren wir erneut nach Santiago zu Gesprächen bei der CORA und anderen Stellen. Diesmal fuhren Dorlis und ich mit dem Auto, einem amerikanischen “Schlitten” und Privatwagen der Familie Schickedanz, um auf dem Landweg von rund tausend Kilometern Eindrücke zu sammeln. Das Gesehene entmutigte uns, denn die Ländereien, Fabriken und Häuser sahen immer ungepflegter aus. Dies war zum Teil verständlich, denn es wurde ja in diesem Chaos kaum noch etwas produziert. Der Mangel an jeglicher Ware wurde immer größer und die Unzufriedenheit der Bevölkerung wuchs. In den politischen Ansprachen des Präsidenten wurde der Opposition die Schuld an der wirtschaftlichen Misere im Land gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Abend fuhren wir in gemächlichem Tempo auf der vielspurigen Einfahrtsstraße nach Santiago, dem nur noch zwanzig Kilometer entfernten Ziel der Reise entgegen. Plötzlich tauchte ein kaum wahrzunehmender Schatten an der Fahrerseite auf. Ein Krach und ich parkte sofort am rechten Straßenrand, um die Ursache des Zusammenstoßes zu ermitteln. Beim Aussteigen sahen wir einen Körper hinter uns liegen. Mit einer Taschenlampe versuchte ich den leblos daliegenden Mann vor nachfolgenden Fahrzeugen zu schützen. Auf meine Zeichen zur Hilfe reagierte niemand. Erst fünfzehn Minuten später erschien ein Krankenwagen zur ersten Hilfe, aber der Krankenpfleger konnte nur den Tod des alten Mannes feststellen. Nach dem Versprechen, die Verkehrspolizei zu benachrichtigen, fuhr er wieder fort. Ich stand weiter allein mit meiner Taschenlampe und Dorlis blieb in dem geparkten Wagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich ertönten laute Stimmen gegenüber an der linken Fahrbahnseite. Landarbeiter eines in der Nähe befindlichen Staatsgutes hatten wohl die Geräusche des Unfalles gehört und erkannten ihren am Boden liegenden Compañero. Die Situation für mich und später auch für Dorlis, die in dem gelben Sportwagen Marke Acadian Beaumont saß, wurde zunehmend heikler. Die inzwischen angewachsene Menschenmasse schien zu einer Selbstjustiz bereit. Endlich näherte sich ein Polizeiwagen mit Blaulicht und Martinshorn. Der Postenführer erkannte die Lage sofort und wir wurden im Einsatzwagen in Sicherheit gebracht. Die aufgebrachte Menge zog sich langsam von der Fahrbahn zurück und der Sergeant kam in die kleine Wachstube, die im Inneren des Polizeiwagens eingerichtet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War es jetzt Schicksal oder Zufall? &amp;quot;Don Reiner, was machen sie denn hier?&amp;quot; Auch ich erkannte den Polizisten, der im Jahre 1961/62 noch als Unteroffizier den Bezirk um Fundo &amp;quot;La Higuera&amp;quot; betreute. Er war es auch gewesen, der meine Abmeldung nach Deutschland unterzeichnete. Uns wurde etwas leichter, in dieser sehr unangenehmen Situation. Das aufgenommene Unfallprotokoll schilderte den Unfallhergang präzise. Der Fußgänger hatte versucht, im Laufschritt die mehrspurige Fahrbahn zu überqueren. Dabei hatte er sich unglücklicherweise eine schlecht einsehbare Linkskurve ausgesucht. Er muß dann irgendwie ins Stolpern gekommen sein und wurde dann vom vorderen linken Kotflügel unseres Autos erfasst.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 26 Apr 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Chile: Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kultu</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 69</title>
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            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    &lt;p&gt;&lt;br /&gt;
Unsere Zeit im kommunistischen Chile &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Die Tage in der Familie trugen dazu bei, wieder auf andere Gedanken zu kommen. Besonders in Erinnerung sind die Tage auf Gut Röndhal bei Luhmühlen im Haus unserer Freunde Hans und Waltraud. Sie hatten dieses wunderschöne Gut für die Familie Reemtsma aufgebaut. Lange Spaziergänge im tief verschneiten deutschen Wald zeigten uns erneut die Schönheit unserer Heimat. Auch die abendlichen Gespräche am knisternden Kamin, meistens mit einer Flasche guten Rotweins, gaben uns viel zu denken und ließen uns die Gegenwart vergessen. &lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Anschließend besuchten wir noch unseren Freund Werner Gumpert, der mit Frau und Kindern von seiner Orientierungsfahrt durch Deutschland gar nicht erst nach Chile zurückgekehrt war. Das aus dem Fundoverkauf erlöste Geld hatte die Familie sicher in den USA angelegt. Werner hatte Arbeit in Hannover an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gefunden. Dort mußte er im Labor Ratten sezieren, eine nicht gerade angenehme Arbeit. Der ehemalige Fundobesitzer fühlte sich nicht zu stolz, solche Arbeiten zu verrichten und das Gehalt reichte für ein bescheidenes Dasein. Er hatte seinen Optimismus nie verloren, was wohl die Stärke dieses stets fleißigen und oft schon vom Leben geprüften Menschen war. Beim Abschied prophezeite er mir: &amp;quot;Die Amtszeit der gegenwärtigen chilenischen Regierung wird kürzer sein, als die Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland. Dann werde ich mich in Chile wieder selbständig machen.&amp;quot; Wie Recht sollte er behalten! &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Der Rest der Urlaubstage wurde im Freundschafts- und Familienkreis aufgeteilt. Oft kam auch die Frage von Bekannten: &amp;quot;Was, ihr wollt wieder nach Chile gehen?&amp;quot; Zu verzerrt war die Berichterstattung der Medien und lieferte oft eine falsche Beschreibung der Lage für unsere in Deutschland lebenden Freunde. &lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Um den 10. Februar herum fuhren wir wieder nach Fürth, zu den letzten Besprechungen mit unseren Chefs. Gesprächsthema war unter anderem die schon erwähnte subjektive Berichterstattung der Medien über die chilenischen Verhältnisse. Die Nachrichten über die Vorkommnisse in Chile wurden je nach Interesse des Leserkreises manipuliert. Das war Anlass genug, die Herausgeber der Fürther Tageszeitungen zu besuchen. Begleitet wurden wir von dem Pressesprecher des Quelle Konzerns. Herr Dr. Schickedanz wollte versuchen, die tendenziösen, meistens linksseitigen Berichte in das richtige Licht zu stellen. Beim Abschiedsessen mit Herrn Dedi kam ich auch auf meine privaten Anliegen zu sprechen: &amp;quot;Nach erfolgreichem Abschluß unserer Aufgabe, die Restgüter im Grundbuch zu sichern, möchte ich mit meiner Familie Chile verlassen.” Allem voran war das Leben in einem kommunistischen Land mit meiner Lebensauffassung nicht in Einklang zu bringen. Unsere Kinder sollten nicht in einem Internat und getrennt von den Eltern aufwachsen. Auch die Fundos würden durch meine Präsenz immer mit dem alten Großbetrieb in Verbindung gebracht werden. In Chile würde ich für den Betrieb &amp;quot;Santa Louisa&amp;quot; einen deutschsprechenden Verwalter einarbeiten. Familie Schickedanz verstand meine Argumente. Und wenn es dann so sein sollte, würde man für eine künftige Tätigkeit in der Firma schon das Richtige finden, gab man mir zur Antwort. Frau Schickedanz nannte das Wort &amp;quot;Spanien&amp;quot;, wo sie persönliche Besitzerin einer modernen Großgärtnerei sei. &lt;br /&gt;
So fuhren wir mit der mir gegebenen Sicherheit ohne Bedenken zurück nach Chile. &lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Nach den vielen Jahren des selbstständigen Handelns konnte ich es mir schwer vorstellen, wieder in Deutschland arbeiten zu müssen. Zu wichtig war mir die überaus geliebte Entscheidungsfreiheit. Zu viele Bekannte von mir fühlten sich trotz guter Bezahlung recht unglücklich in ihrem Beruf. Diesem Schicksal wollte ich, wenn möglich, entgehen. &lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;Am Abschiedstag ging es dann noch einmal in die Kaufhäuser. Im Sekretariat wurden mit Hilfe von Frau Niederle die Einkäufe in die Koffer gequetscht. Wir hofften auf einen ruhigen Rückflug mit der Lufthansa, mit Zwischenstopp in New York. In der Transithalle mussten unsere, diesmal deutschen Pässe, abgegeben werden. Nach einer Stunde erfolgte der Aufruf zum Weiterflug. Alle Passagiere erhielten ihre Pässe zurück, nur..... Reiner Schirmer nicht. Da stand ich nun, hilflos und mit der Angst ein “zweites Berlin” zu erleben. Die Flugbegleiter konnten sich die Verzögerung ebenfalls nicht erklären. Zu guter letzt, die Wartehalle war schon leer, bekam ich meinen Pass. Der Offizier der Einwanderungsbehörde entschuldigte sich mit der Erklärung: &amp;quot;Der Name Schirmer steht in unserer Suchliste in Verbindung mit Nazigrößen oder Offizieren des letzten Weltkrieges. Wir haben eventuelle Verbindungen von Ihnen zu der gesuchten Person geprüft.&amp;quot; Ein Jeep brachte mich dann noch schnell zum startbereiten Flugzeug. Die Passagiere im Flugzeug beäugten mich mißtrauisch, Dorlis und die Kinder umarmten mich mit Tränen in den Augen, froh den Ehemann und Papi wieder zu haben. Später habe ich von der Existenz eines über Kreta abgesprungenen Fallschirmjägeroffiziers namens Schirmer gehört. &lt;/p&gt; &lt;br /&gt;
&lt;p&gt;In Santiago landeten wir am 16.02.1973 bei Temperaturen von +37°C. Abgeflogen waren wir bei - 14°C in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;/p&gt;  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 19 Apr 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 6</category>

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    <title>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 68</title>
    <link>http://www.picaflor.de/chile-aktuell/archives/1138-Reiner-Schirmer-Leben-zwischen-zwei-Kulturen-68.html</link>
            <category>Reiner Schirmer</category>
    
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    <author>ec@cwc.de (Heinz Wattler)</author>
    <content:encoded>
    Als nach drei Stunden immer noch nichts geschah, fasste ich den Mut den Postenführer zu fragen: “ Was wollen Sie eigentlich von uns, wenn wir hier nicht erwünscht sind, können wir die zwei Minuten zur Grenze zu Fuß zurücklegen.“ Die kühle Antwort: &amp;quot;Ihre Sache läuft schon&amp;quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nie in unserem ganzen Leben hatten wir uns so hilflos gefühlt. Meine Gedanken kreisten um die Gründe unserer Verhaftung. War es der Diplomatenpass, oder hatte es mit Dorlis Geschichte als DDR-Flüchtling zu tun? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach sechs Stunden quälender Wartezeit erschien ein gutaussehender Oberst der Volkspolizei. &amp;quot;Herr und Frau Schirmer, Sie haben sich des größten Vergehens unserer Republik schuldig gemacht. Darauf steht lebenslängliche Haft. Wie wir Ihnen beweisen können, sind Sie mit einem deutschen Pass über die Transitstrecke, also schon durch das Hoheitsgebiet unserer Republik, gefahren und haben jetzt zur Einreise in unsere Hauptstadt Berlin einen weiteren Pass gebraucht. Unsere Anklage lautet, dass Sie beide mit den deutschen Pässen Bürgern unserer Republik zur Flucht ins Ausland verhelfen wollten.” Nach einer Leibesvisite waren aber zum Glück weder bei mir noch bei Dorlis die deutschen Pässe zu finden. War mein Diplomatenpass nun doch nicht der tatsächliche Grund unserer Schwierigkeiten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Bus kam nach der Tour wieder zurück und der Oberst sagte: “Frau Schirmer, steigen Sie ein.” Zu mir gewandt: “ Mit Ihnen möchte ich mich noch unterhalten und erzählen Sie mir über die Revolution in Chile.” Im Laufe des Gesprächs merkte ich, wie dieser Caballero die spanische Sprache perfekt beherrschte. Seine Abschiedsworte werde ich nie vergessen können. &amp;quot;Machen Sie solche Sachen nie wieder. Hier in unserer Republik, mit der bestausgebildeten Grenzpolizei der Welt, merken wir alles. Ich wünsche Ihnen weiter viel Glück in Chile.” Ein Handschlag und ich konnte den Bus Richtung Westberlin betreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bus bestürmte mich Freund Pancho mit Fragen. Meine einzige Reaktion: “Bitte sei ruhig, Deine Fragen beantworte ich Dir später.” Ich glaube auch, nachdem wir in Westberlin angekommen waren, habe ich nicht mehr viel gesprochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag begann die Rückfahrt in Richtung München. Erst auf westdeutschem Boden bekam ich mein Gleichgewicht wieder. Auch der Besuch im Hofbräuhaus in München wurde mir zur Qual. Ich rief Frau Niederle an und berichtete von den letzten Tagen und bat darum, für Freund Pancho und Frau Marily eine Wochenreise nach Gran Canaria zu buchen. Umgehend erhielt ich die Zusage. Schwer wurde es nur, meine Freunde zu dem plötzlichen Abschied zu bewegen, aber ich war am Ende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Weihnachtstage wollte ich mit Dorlis und unseren Kindern bei der Oma verbringen. Sylvester und den Beginn des Jahres 1973 verbrachten wir dann bei Schwager Ernst-Joachim und Familie.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 05 Apr 2010 08:00:00 +0200</pubDate>
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    <category>Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 6</category>

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