6. März 2007: 80. Geburtstag
Kolumb. Schriftsteller, Literaturnobelpreis 1982;
"Hundert Jahre Einsamkeit"
"Chronik eines angekündigten Todes"
Eigentlich hat er nichts anderes getan, als in einem seiner bekanntesten Werke über das zu schreiben, was er glaubt erlebt zu haben. Viele sehen in
Isabel Allendes "Geisterhaus" nur eine Neuauflage dieser Erzählungen auf chilenisch. Beim Lesen fällt einem dann ein: Weshalb schreibst du nicht selber einmal über
Oma Anna Maria aus dem alten Küsterhaus an der Gustorfer Pfarrkirche, über die Geschichten von Geist Greulich und Zweifinger, die
Onkel Arnold immer so packend zu erzählen wusste, dass einem teuflisch gruselte? Weshalb berichtest du nicht über
Onkel Hans und seine tatkräftige Hilfe, wenn es um den großen Zwiebeltopf ging und
über Tante Maria mit ihrem großen und liebevollen Herzen? Über den rauen und doch so herzlichen
Opa Heinrich, dessen Gene ich nicht verleugnen will - vor allem nicht missen will - und
Oma Walburga, bei der ich die besten Jahre meiner Kindheit verbrachte, immer von ihr mit großem Verständnis verwöhnt.
Vielleicht muss man Schriftsteller sein, um das zu tun? Ist man zum Schriftsteller geboren oder wird man dazu? Ist es einfach nur harte Arbeit, 95 % Schweiß und 5% Begabung? Wer weiß - vielleicht schreib ich ja die alten Geschichten einmal auf und lasse die Personen wieder leben, bevor sie in der Erinnerung verblassen. Alle, alle hätten es weiß Gott verdient...
Gabriel García Márquez wäre bei seiner Geburt in einem Dorf nahe der kolumbianischen Karibikküste fast durch die eigene Nabelschnur erwürgt worden. Nur die Einreibung mit Rum hätte ihn ins Leben hinübergerettet, schreibt er in seinem voluminösen Erinnerungsband "Leben, um davon zu erzählen" (2002). Nach der Schulzeit sollte er Jura studieren, um die materielle Not der weit verzweigten Familie zu lindern. Doch er brach das Studium bald ab, um als Journalist Reportagen und Filmkritiken zu schreiben. In den 1950er Jahren berichtete er für eine kolumbianische Nachrichtenagentur aus Genf, Paris und Rom. Sein erster Roman "Laubsturm" erschien 1954.
Der literarische Durchbruch gelang mit "100 Jahre Einsamkeit" (1967), dem fulminanten Familienepos aus einem kleinen kolumbianischen Dorf, das von vielen als "Nationalepos" Lateinamerikas betrachtet wird. Der in über 20 Sprachen übersetzte Roman löste in Europa einen Boom lateinamerikanischer Literatur aus, Márquez selbst zählt es keineswegs zu seinen besten. Weitere Erfolge wie "Chronik eines angekündigten Todes" (1981) und "Liebe in den Zeiten der Cholera" (1985) festigten seinen Ruf als populärster Vertreter des "realismo magico" (magischer Realismus), einer Erzählweise, die Realität und Fantasie bzw. Träume miteinander verbindet. "Wenn Sie hierzulande eine Zeitung lesen", sagte er, "stoßen Sie jeden Tag auf Meldungen, die ebenso unglaublich sind wie die Episoden meiner Bücher."
1982 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Immer wieder hat er sich gegen Drogenkriminalität und Korruption in seiner kolumbianischen Heimat engagiert. García Márquez, bekennender Sozialist und langjähriger Freund Fidel Castros, lebt seit vielen Jahren vorwiegend in Mexiko Stadt und auf Kuba. (Quellen: 3sat, ZDF)
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