Anstrengende und erfolgreiche JahreEnde März kam mein früherer Kollege aus dem Max-Planck-Institut, Dr. Walter Rüprich, in Chile an. Ich hatte ihn als Baufachmann für die geplante Melk- und Stallanlage bei meinen Arbeitgebern vorgeschlagen, um nicht erneut im Winter bei den Melkarbeiten unter Wasser zu stehen. So nutzte W. Rüprich Urlaub und Freiflug, um uns zu besuchen. In kurzer Zeit wurden die Pläne aufs Papier gebracht und eine hiesige Baufirma bekam den Zuschlag für die auszuführende Arbeit. Die Fertigstellung der Stallanlage durfte hundert Tage nicht überschreiten. Ungefähr 80 Bauarbeiter wurden täglich in aller Frühe aus Osorno angefahren. Diese Investition hatte zwei Gründe. Einerseits sollten rund 300 Kühe aufgestallt und gemolken werden, andererseits sollte sie den Menschen in der Umgebung zeigen, dass wir nicht gewillt waren, aus politischen Gründen Chile zu verlassen. Über Arbeit konnte ich mich in dieser Zeit nicht beklagen. Inzwischen kamen auch meine Vollmachten aus Deutschland für die alleinige Betriebsführung in Begleitung eines Zusatzbriefes von Herrn Dedi mit ungefähr folgendem Inhalt:
"Wir konnten uns zu dem Schritt, Ihnen die alleinige Bewirtschaftung von La Poza zu übergeben, nur entschließen, weil wir vollkommenes Vertrauen zu Ihnen haben. Jetzt kann es keine Missverständnisse zwischen kaufmännischem - und Produktionsleiter mehr geben und alle künftigen Geschehnisse positiver und negativer Art gehen auf Ihr Konto. Wir sind uns bewusst, keine Kontrolle aus dem weit entfernten Deutschland zu haben. Der Entscheidungsträgersind Sie, der sich zudem nur selbst kontrollieren kann."Damit war die Basis für die langjährige Zusammenarbeit gelegt und ich glaube, diese Partnerschaft hat für beide Teile das Optimum gebracht. In der letzten Juniwoche erfolgte die Einweihung der Melkanlage und gleichzeitig auch der Rücktritt von Herbert Junge. Die Übergabe der Finanzen und anderer Unterlagen verlief reibungslos. Für meine kommende Arbeit erstellte ich einen Finanzplan für das laufende Jahr, nach Monaten untergliedert. 1970-71 sollte der Betrieb so weit sein, alle laufenden Kosten aus den Milcheinnahmen bestreiten zu können. Nur die Düngerausgaben und Weideverbesserungen waren von der Sektion Mast, mit rund 500 Mastbullen, zu tragen. Mit Herrn Dedi war abgesprochen, keine Gelder mehr nach Chile zu schicken, dafür brauchte aber das Gut auch keine Gelder nach Deutschland abzuführen. So wurde La Poza ein kleiner, selbstständiger Stern am Himmel der Quellewelt. Die Finanzwirtschaft machte mir selbst viel Spaß und lag mir persönlich sogar mehr, als die reine Landwirtschaft. Die Liquidität des Betriebes wurde immer besser und ich konnte innerhalb kurzer Zeit zwei neue Traktoren einkaufen und bar bezahlen. Kurze Zeit später folgte ein neuer, bequemer Dienstwagen. Auch Haushälterin Herta H. musste sich neuen Anordnungen fügen und konnte monatlich nur eine vorher bestimmte Summe für das Herrenhaus ausgeben. Auch mein Antrag, einen Volontärverwalter einzustellen, wurde von Herrn Dedi genehmigt. Mit der Aufgabe, einen jungen Landbauingenieur (Vorbedingung deutsch und spanisch sprechend) zu suchen, betraute ich Dr. Rüprich aus Bad Kreuznach.
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