Auch wenn alle Augen auf Deutschlands Fußballer gerichtet sind, die sich in diesen Tagen auf die EM vorbereiten, sollte man nicht aus dem Auge verlieren, welche Talente sich mal wieder in Südamerika hervortun...
Alexis Sánchez: Die neue Wunderwaffe der Chilenen
(FIFA.com) Donnerstag 22. Mai 2008
Der junge Chilene Alexis Sánchez ist alles andere als ein durchschnittlicher Fußballer. Der Angreifer ist nicht nur äußerst antrittsschnell und beweglich. Dank seiner herausragenden Balltechnik ist der noch nicht einmal 20-Jährige zudem in der Lage, die Zuschauer mit seinen Tricks und technischen Kabinettstücken regelrecht von den Sitzen zu reißen. All das zeichnet das "Wunderkind" aus, wie Alexis seit seiner Zeit bei Colo Colo in Chile genannt wird, und nicht wenige Fans des Andenlandes sind voller Hoffnung, dass die chilenische Nationalmannschaft sich mit seiner Hilfe endlich wieder für eine Endrunde der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft™ qualifizieren kann.
Während die Medien dem Nachwuchstalent aus Chile ihre wachsende Aufmerksamkeit widmen, hoffen die Fans von River Plate, dass Udinese Calcio die Frist seiner Ausleihe an den argentinischen Klub verlängert. Und in seiner chilenischen Heimat wünscht man sich, dass Alexis fortan auch für die Nationalmannschaft zaubert. Und was sagt er selbst dazu? Gar nichts, denn im Moment spielt er nur Fußball und hält sich mit Worten zurück.
Ein außergewöhnlicher Fußballer
Wie in Südamerika üblich - die besten Spieler wechseln schon früh ins Ausland -, kann auch Alexis Sánchez auf einen verheißungsvollen Karrierestart zurückblicken. Nelson Acosta, der die chilenische Nationalmannschaft bei der WM-Endrunde 1998 in Frankreich als Trainer betreute, hatte das Talent von Alexis frühzeitig erkannt. Der Junge war erst 16 Jahre und fünf Monate alt, als ihn Acosta zum ersten Mal für die erste Mannschaft von Cobreloa auflaufen ließ.
Damals hatte Alexis gerade Erfahrungen bei seinem ersten internationalen Turnier gesammelt. Es war die südamerikanische U-17-Meisterschaft, bei der er unter dem Auswahltrainer José Sulantay spielte, also dem gleichem Coach, der ihn später zu einem der wichtigsten Akteure im chilenischen Nachwuchsteam machte, das an der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007 teilnahm. Im Trikot der chilenischen Juniorenauswahl erzielte Alexis bislang 40 Treffer. Kein Wunder also, dass er im Jahr 2006 ein Angebot vom italienischen Erstligisten Udinese Calcio erhielt, der für seine hervorragende Arbeit mit Nachwuchstalenten bekannt ist. Mit dem Ziel, ihm die erforderliche Spielpraxis zu ermöglichen, vermittelte ihn die dortige Klubführung auf Leihbasis an Colo Colo, einen der großen Traditionsvereine Chiles.
"Er ist ein talentierter Stürmer, der in der Lage ist, gleich vier gegnerische Verteidiger auszuspielen und dann auch noch zu treffen. Er kann faktisch im Alleingang jedes taktische Konzept durchkreuzen", so Arturo Vidal, der heute bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag steht und Alexis aus seiner Zeit bei Colo Colo bestens kennt, gegenüber FIFA.com. Gemeinsam gewannen beide zwei Mal die chilenische Meisterschaft und belegten im südamerikanischen Pokalwettbewerb 2007 den zweiten Platz. "Er ist unberechenbar und kann es mit jedem Abwehrspieler aufnehmen. Im Training macht er mit dem Ball schier unglaubliche Sachen", zeigte sich Claudio Borghi, Trainer von Colo Colo, von seinem früheren Schützling begeistert.
Ein Jahr nach seinem Weggang aus der chilenischen Hauptstadt erweckt Alexis mitunter den Eindruck, als sei er eine virtuelle Spielerfigur aus einem Computerspiel: er wirkt wendiger denn je, opfert sich stets für die Mannschaft auf und spielt in exklusiven und auffällig bunten Schuhen. Kurzum, der Chilene ist auf dem besten Wege, in die Fußstapfen eines Cristiano Ronaldo zu treten.
Ein neuer Pato?
Seine überragende Vorstellung bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007 - Chile belegte am Ende Rang drei - rief die Späher von River Plate auf den Plan. Bald darauf war sein Wechsel nach Buenos Aires und damit zu jenem Verein perfekt, bei dem einst sein Kindheitsidol Marcelo Salas für Furore sorgte. Auch die Klubverantwortlichen von Udinese Calcio waren der Meinung, dass der argentinische Traditionsklub optimale Bedingungen für die weitere Entwicklung des "Wunderkindes" bieten würde und stimmten daher dem Wechsel zu. Und sie sollten Recht behalten. Bei River Plate explodierte Alexis förmlich und spielte sich damit in die Herzen der anspruchsvollen River-Fans. Daran änderte selbst eine schwere Knöchelverletzung nichts, die ihn für mehr als drei Monate außer Gefecht setzte.
Nach seiner Rückkehr in die Mannschaft, die inzwischen von Diego Simeone trainiert wurde, machte er dort weiter, wo er vor seiner Verletzung aufgehört hatte und erwies sich zunehmend als Leistungsträger der Argentinier. Gerade weil das so ist, scheinen seine Tage am Rio Plata langsam aber sicher gezählt. Dies belegen nicht zuletzt die Worte des Vereinspräsidenten von Udinese Calcio, Gianpaolo Pozzo, der sich dazu wie folgt äußerte: "Wenn wir Antonio Di Natale abgeben müssen, braucht es uns um die Zukunft nicht bange zu sein, denn wir haben ja noch Alexis Sánchez, der in Argentinien eine großartige Saison spielt. Er wird ein neuer (Alexandre) Pato." Um dieses Projekt nicht zu gefährden, legte der Klubpräsident schon mal die Summe von 20 Mio. EUR als Mindestwert für seinen neuen Nachwuchsstar fest.
Doch das ist noch nicht alles. Nicht nur Pozzo schwärmt bereits von der Rückkehr des Chilenen nach Italien. Auch Marcelo Bielsa, Chiles Nationaltrainer, wartet schon mit Ungeduld auf den trickreichen Stürmer, zumal die Roja in den Vorbereitungsspielen auf die WM-Qualifikation aufgrund der Knöchelverletzung auf Alexis Sánchez verzichten musste und dabei prompt Niederlagen kassierte. "Alexis ist einer der besten Fussballer, die Chile in jüngster Zeit hervorgebracht hat, und ich setze mein ganzes Vertrauen vor allem deshalb in ihn, weil ich sicher bin, dass er unserer Mannschaft eine wertvolle Hilfe sein wird."
Die nächsten WM-Qualifikationsspiele bestreiten die Chilenen jeweils auswärts gegen Bolivien und Venezuela. Dabei hoffen sie, dass Alexis wieder von der Partie sein und eine prägende Rolle spielen wird. "Er ist kein gewöhnlicher Fussballer, seine Art zu spielen ist einfach spektakulär. Hoffentlich kann er in Argentinien und in der Nationalmannschaft so weiter glänzen wie bisher", wünscht sich Chiles Ex-Nationalspieler Iván Zamorano, der die Roja 1998 in Frankreich als Kapitän anführte und heute die Spiele von Alexis mit Begeisterung im Fernsehen verfolgt. Es scheint, dass nun für ihn ein würdiger Nachfolger gefunden ist.
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