Teil 2: Chile

Chile hat seit langen Jahren ein Gesetz, das den Alkoholverzehr in der Öffentlichkeit unter Strafe stellt. Jeder weiß es, fast alle halten sich daran. Wer sich nicht daran hält, dem zeigen die motorisierten "Pacos", die chilenischen Polizisten, auf freundliche aber sehr bestimmte Weise, wo´s lang geht.
Jeder, der einmal in Südamerika gereist ist, weiß, dass in den meisten Staaten dieses Kontinents geringfügige Vergehen gegen das Gesetz durch eine Spende an den betreffenden Polizisten vergessen gemacht werden. Man reicht den Führerschein, denn meist handelt es sich um Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung, man reicht also den Führerschein dem Polizisten zurück und lässt einen Dollarschein, nicht zu groß und nicht zu klein, innen liegen. In der Regel grüßt der Polizist dann freundlich und lässt einen ziehen. Nicht so in Chile. Dort einem Polizisten Geld zustecken zu wollen, bedeutet das sichere Verderben. Der chilenische "Carabinero" (Polizist) ist knallhart - aber gerecht.
Ich kann mich an eine längere Reise durch Mexiko und Argentinien erinnern, an deren Ende der Grenzübertritt zu Chile stand. Polizisten der beiden vorgenannten Länder hatten auf die unterschiedlichsten Arten versucht, an mein Erspartes zu kommen, mit eher bescheidenem Erfolg. Als nun die Grenze überschritten war, herrschte plötzlich ein spürbar anderer Wind und mir wurde wieder einmal klar: Hier versucht niemand, dich Kraft seines Amtes zu schröpfen, aber, du musst dich an die Spielregeln halten. Tust du das nicht, dann wird es hart - aber gerecht.
Und so befand ich mich eines Abends in Santiagos Stadtteil Bellavista, als mir vor einer kleinen Kirche eine Gruppe Jugendlicher auffiel, die eifrig dem Pisco, dem chilenischen Nationalbrandy, zusprachen. Ich kam nicht dazu, mich ausgiebig zu wundern, als drei Polizisten auf ihren Cross-Motorrädern ankamen, sich um den Platz herumstellten. Wenige Augenblicke später fuhr ein Streifenwagen vor, es handelte sich um einen kleinen Bus. Diesem Bus entstiegen drei weitere Polizisten, welche auf die Jugendlchen zugingen, sie höflich ansprachen. Die gesamte Gruppe erhob sich ohne Murren, diejenigen, die mit Flaschen in den Händen erwischt worden waren, gingen ohne Widerworte auf die Polizisten zu, stellten die Flaschen neben ihnen auf den Boden und stiegen in den Bus ein. Geräuschlos, ohne Prügelei, ohne Murren. Se wussten, das Widerstand zwecklos gewesen wäre. Der hätte alles nur noch schlimmer gemacht. Der Bus setzte sich in Bewegung, die jungen Damen und Herren werden die Nacht wohl in einer Zelle verbracht haben.
Frage: Weshalb kann das nicht bei uns ähnlich ablaufen? Alkohol hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen, Menschen, die dort auf Alkohol nicht verzichten wollen, werden oft agressiv gegenüber ihren Mitmenschen, urinieren in Unterführungen und Parks, hinterlassen Scherben, leere Flaschen, Müll. Man könnte hier per Gesetz einen Riegel vorschieben. Es gibt zahllose Gesetze, die weniger sinnvoll sind!
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