Chilenisches Supertalent Arturo Vidal in Leverkusen
"Wir können halt nicht gut verlieren"
Von Mark Kühn / ARD.Sport.DE
Mit verschränkten Armen steht Arturo Vidal auf dem Trainingsplatz von Bayer 04 Leverkusen und lauscht den Worten seines neuen Trainers Michael Skibbe. Verstehen kann er ihn noch nicht, denn Vidal, der erst seit einer Woche in Deutschland ist, spricht nur Spanisch. Das Übersetzen übernimmt auf dem Platz sein Mitspieler Gonzalo Castro, außerhalb hat der Chilene einen persönlichen Betreuer, der ihm sämtliche Pflichten abnimmt.
Vidal gehört nicht unbedingt zu den angepassten Vertretern der jungen Fußballergeneration. Der 20-Jährige fällt schon äußerlich aus dem Rahmen. Der Irokesenhaarschnitt und die dünnen langen Koteletten unterstreichen den eigenwilligen Charakter des Abwehrspielers. Für Vidal ist der Umzug von Santiago de Chile nach Leverkusen zweifellos eine große Herausforderung. "Ich wollte einfach etwas Besonderes machen", sagt Vidal, "viele Chilenen gibt es ja nicht in der Bundesliga." Dass das Talent für die Ablösesummer von sieben Millionen Euro in Leverkusen landete, lag neben dem großzügigen Vertragsangebot von Bayer 04 vor allem an Rudi Völler. Der Leverkusener Sportdirektor war zweimal in Chile, um sich den Mann, der in seiner Heimat als größtes Talent des Landes gehandelt wird, persönlich anzuschauen. "Es hat mir gefallen, wie er sich um mich bemüht hat", meint Vidal, an dem auch die spanischen Klubs Real Betis und Espanol Barcelona Interesse gehabt haben sollen. Wirtschaftlich ist das Engagement für Vidal, der aus San Joaquin, einem Slumviertel in Santiago stammt, ein Quantensprung. Für 750 Dollar spielte der Nationalspieler in seinem letzten Jahr bei Colo Colo. Im nächsten Jahr verdient er weit mehr als das Hundertfache.
An seinen ersten Tagen in Leverkusen hat Arturo Vidal schon viele neue Eindrücke gesammelt. "Die Leute sind hier schon ein bisschen ernster und strenger als bei uns in Chile", erzählt Vidal, der bei seinem Stammverein, dem chilenischen Rekordmeister Colo Colo in Claudio Borghi einen Trainer hatte, der für seine exzentrischen Späße berüchtigt war. Der Wechsel Vidals nach Deutschland hat in Südamerika hohe Wellen geschlagen. Kamerateams aus Chile begleiteten den Hoffnungsträger während der letzten Tage an der Leverkusener Arena. "Die Trainingsplätze und das Stadion sind sehr modern", hat Vidal festgestellt. Über die Bundesliga weiß Vidal indes noch nicht viel. "Ich habe gehört, dass hier viel Wert auf Athletik gelegt wird, das kommt mir entgegen."
Schnell und robust
Der 1,80 Meter große Defensivspieler gilt als gleichermaßen schnell wie robust. Er soll auf der linken Abwehrseite endlich die Lücke schließen, die Diego Placente, ein anderer Südamerikaner, schon vor zwei Jahren hinterlassen hat. Den Eklat bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada, als im Halbfinalspiel gegen Argentinien einige chilenische Spieler gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark handgreiflich wurden, hat Vidal übrigens längst abgehakt. "Was auf dem Platz passiert ist, war doch nicht so schlimm. So etwas gibt es bei uns in Chile öfters bei wichtigen Spielen. Das ist unsere Mentalität. Wir können halt nicht gut verlieren." In den nächsten Wochen will Vidal eifrig Deutsch pauken. Vor allem, damit er seinen Trainer bald richtig versteht.
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