05. Juni 2004:Die Nacht war etwas schaukelig, das Schlafen gestaltete sich etwas schwieriger. Als einzig ruhige Schlafposition bietet sich in solchen Fällen nur noch die stabile Seitenlage an, die man im Erste Hilfe Kurs gelernt hat.
Der Tag ist freundlich, die Morgensonne lacht. Am frühen Nachmittag ist wieder ein Rettungsdrill vorgesehen, meine Begeisterung hält sich in Grenzen, ich mag nicht rennen und nicht hasten, ich habe Urlaub und will nicht müssen. Aber die wöchentlichen Sicherheitsübungen sind vorgeschrieben und notwendig. Alle Personen auf dem Schiff müssen mit dem Wann, Wie und Wo vertraut sein, denn im Ernstfall geht es um Sekunden.
Heute ist es auch interessant, uns wird beigebracht wie die Hilfssteuerung direkt an der Rudermaschine unter Deck funktioniert und wir machen eine Feuerlösch-Rettungsübung für Luke Eins, in welcher in der in der Regel Gefahrgüter transportiert werden. Für jemanden, der ein bisschen technisches Interesse mitbringt, sind auch diese Rettungsübungen instruktiv und man lernt meist irgendetwas Nützliches dabei. Ab halb sechs ist Grillabend auf dem Achterdeck angesagt. Pro transkontinentaler Überfahrt richtet die Schifffahrtsgesellschaft, also CCNI, einen Grillabend für die Besatzung aus.
Auf der Steuerbordseite, die noch warm von der Sonne beschienen wird, stehen zwei einfache graue Holzbänke und ein paar Stühle an einem langen, gedeckten Tisch. In einem längs geteilten Eisenfass glüht Holzkohle. Koch und Steward schleppen das Fleisch herbei – insgesamt dreiundzwanzig Kilo. Hühnerschenkel, Würstchen, kleine Frikadellen aus Rinder-, Schweine- und Hammelfleisch, die in Rumänien gerne gegessen werden, Bauchfleisch, Rippenstücke. Der Grill wird erst mit einer rohen Zwiebel gesäubert und anschliessend mit Speck abgerieben. Auf dem Tischen steht Kartoffelsalat, chilenisches “
Pebre” - eine pikante Beilage aus kleingehackten Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Koriander, Petersilie, Salz und Pfeffer – und einige “
Ladrillos”, den “
Ziegeln”, wie der Rotwein im der rechteckigen Kartonverpackung auch gerne genannt wird. Musik spielt aus dem CD-Player, der mittels Spültüchern und Stauholz fachgerecht ins Bullauge eingepasst wurde. Alles in allem ein sehr netter Abend, in dem der Wein, Bier, Rum, Whisky, Cola und Saft in Strömen flossen und sämtliche abgenagten Knochen über Bord flogen.
Es wurde Spanisch, Englisch und Rumänisch geredet und alle sind satt geworden und haben Spass gehabt. Neptun hat nichts als die Knochen bekommen, denn die 21 Mann Besatzung der “CCNI Atacama” haben dafür Sorge getragen, dass nach Sonnenuntergang von den 23 Kilo Fleisch kein Gramm mehr übrig geblieben war…
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