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Monday, May 7. 2007
15. Mai 2004
Ich bin Jonas und setze meine Reise im Bauche des Walfischs fort.Hinter mir bleiben nicht nur Valparaiso oder Barquito, sondern auch 13 Jahre Chile. Bleiben Erfahrungen, die ich gemacht, Liebe und Schmerz, die ich gelebt habe. Bleiben prachtvolle Menschen, die ich das Glück hatte, kennenzulernen, und die ich mit ein bisschen Glück irgendwann im Leben irgendwo einmal wiedersehen mag. Partir, c’est un peu mourir… sagen die Franzosen: Weggehen, heißt immer auch ein wenig Sterben. Und so sterbe ich mit jedem Verlassen eines Hafens aufs Neue einen kleinen Tod. Aber vielleicht muss man Altes aufgeben, um Raum für Neues zu schaffen, mit Gewohnheiten brechen, ehe sie sich wie Staub auf unser tägliches Dasein legen. Gebe ich wirklich etwas auf ? Nehme ich nicht viel mehr Wertvolles in meinem Herzen mit mir? Und habe ich nicht Spuren hinterlassen in Menschen, Unterschiede geschaffen in einer Spanne Zeit von 13 Jahren? Ein Teil meiner Seele wird wohl stets bei den Freunden und dem Teil meiner Familie bleiben, die mir über die Jahre hinweg so ans Herz gewachsen sind. Einen Teil ihrer Seele glaube ich in meinem Herzen mitzunehmen, so werden wir beieinander sein, verbunden durch die Jahre der Vergangenheit, und für die Jahre der Zukunft miteinander vereint…
Wir liegen immer noch in Barquito. Während im Bauch der Atacama die Ladung fachmännisch verstaut wird, fischen draußen die Pelikane im morgendlichen Meer. Unser Kapitän kommt an Deck, er ist einfach gekleidet, strahlt aber unmissverständlich die Autorität aus, die von ihm erwartet wird. Er mag keine Uniformen, sagt er mir, aber wenn die Lotsen der Armada in ihrer schicken Marineuniform an Bord kommen, zieht er doch den marineblauen Pullover mit den goldfarbenen Schulterstücken an. Unser Kapitän führt das Schiff mit erfahrener Hand, er ist dort, wo es notwendig ist, nie mit großem Lärm oder Aufsehen und er delegiert ruhig die Aufgaben, die an andere abzugeben sind. Als “Master” ist er für alles verantwortlich, kann aber nicht immer überall sein. Verantwortung abzugeben und zu teilen, ist daher notwendig und seine Crew, Offiziere und Mannschaft, wissen, was sie zu tun haben. Ich hatte soeben die Kupferladung im Stauraum inspiziert, alles war fachmännisch mit Stahlseilen und Stauhölzern gestaut und gesichert, so dass es nicht verrutschen kann. Ich erzähle dem Kapitän meine Beobachtung, der lächelt und erwidert, erst in Rumänisch, dann auf Englisch: “Keine Sorge, die wissen, was sie tun.” In wenigen Stunden werden wir Barquito verlassen und Antofagasta anlaufen, zwölf Stunden Seefahrt Richtung Norden, unser vorletzter chilenischer Hafen.
Peter Erdtmann können Sie an dieser Stelle auf seiner Reise begleiten. Jeden Montag erscheint in den kommenden Monaten ein weiteres Kapitel seines Buches "Weg zurück nach vorn" mit den interessantesten Eindrücken von seiner 30tägigen Reise.
Monday, April 9. 2007
Erneut erwacht, steige ich hoch zur Kommandobrücke im letzten Stock. Dort treffe ich den 1. Offizier, einen jungen Rumänen. Er zeigt mir die Anlagen,beantwortet ruhig und geduldig meine Fragen. Wir sprechen über seine Heimat Rumänien und stolz zeigt er mir die Pläne des Hafens von Constanza, welcher in der Größe kurz hinter dem europäischen Rotterdam steht.
Von den Brückenflügeln mache ich ein paar Aufnahmen vom Schiff in voller Fahrt. Die Luft ist erstaunlich lau, ich friere nicht trotz meines kurzärmeligen Polo-Shirts. Danach werfe ich einen Blick auf die Seekarte, in die der 1. Offizier soeben die Position zur vollen Stunde eingetragen hat und überschlage die Entfernung bis nach Chañaral mittels der innerhalb der letzten Stunden zurückgelegten Strecken. In gut einer weiteren Stunde dürften wir in Barquito sein, in ungefähr zwei Stunden angedockt am Pier liegen. Es ist ein kleiner Hafen, in dem fast ausschließlich Kupfer verladen wird, eine Krux für ein so großes Schiff wie die Atacama. Man verliert viel Zeit mit dem Manövrieren in so einem kleinen Anlegeort.
Ich bedanke mich und steige zum Abendessen die 6 Stockwerke hinab. Es gibt Suppe, ein Riesenschnitzel mit Reis, und einen Apfel zum Nachtisch. Den Apfel verspeise ich auf dem Achterdeck; dort fliegen bereits einige Insekten umher. Allzu fern sind wir dem Land anscheinend nicht mehr. Nach acht Uhr erscheinen an der Küste die ersten Lichter. Chañaral ist in Sicht. Die Atacama nähert sich langsam dem Hafen und dreht dann mit dem Bug landeinwärts um zu Ankern. Wir werden die Nacht außerhalb des Hafens verbringen, denn dort ist noch ein weiteres Schiff und der Liegeplatz ist zu klein, um ein zweites zuzulassen. Morgen werden wir anlegen und an einer Luke Kupferplatten an Bord nehmen.
Peter Erdtmann können Sie an dieser Stelle auf seiner Reise begleiten.
Jeden Montag erscheint in den kommenden Monaten ein weiteres Kapitel
seines Buches "Weg zurück nach vorn" mit den interessantesten
Eindrücken von seiner 30tägigen Reise.
© Texte/Fotos: Peter Erdtmann
Monday, March 19. 2007
13. Mai 2004
Habe die Nacht passabel geschlafen. Man muss sich ein bisschen daran gewöhnen, dass das Schiff rollt, sich also um die Längsachse bewegt. Diese Schaukelei ist nicht immer ganz gleichmäßig, der Pazifik ist kein allzu stetes Meer und so "friedlich", wie der Name es vermuten lässt, ist er keinesfalls. Zum Frühstück gibt es Hot Dogs, mit Tomate und Avocadocreme, sehr lecker. Man isst gut und kräftig an Bord und man ist stets hungrig, was maßgeblich der Seeluft zuzuschreiben ist.
Die Essenszeiten sind fest geregelt; Frühstück von 07:30 bis 08:30 Uhr, Mittagessen von 11:30 bis 12:30 Uhr und Abendessen von 17:30 bis 18:30 Uhr. Die Leute sind alle sehr nett und hilfreich, egal ob Mannschaft oder Offiziere, und mir ist noch kein dummes Gesicht begegnet. Patricio, der Steward, kommt jeden Tag um 09:30 Uhr in meiner Kabine vorbei, macht sauber, richtet das Bett und kümmert sich um jedwedes Problem. Es ist seine erste Reise auf der "CCNI Atacama", also muss er punkten. Meine Zustimmung hat er. Heute werden wir den ganzen Tag die Küste entlangfahren, Richtung Norden, dem Ort Chañaral bzw. dem Kupferhafen Barquito entgegen. Die See ist ruhig, der Himmel bedeckt, von graublauer Farbe, am Horizont ist die Küste schon nicht mehr erkennbar. Schwarzer Ruß liegt auf blauem Deck, die Matrosen fegen, einige fluchen auf den verdammten Maschinisten, der hier so viel Dreck hinterlassen hat. Alles natürlich in bestem Chilenisch - so fühle ich mich weiterhin irgendwie daheim.
Peter Erdtmann können Sie an dieser Stelle auf seiner Reise begleiten.
Jeden Montag erscheint in den kommenden Monaten ein weiteres Kapitel
seines Buches "Weg zurück nach vorn" mit den interessantesten
Eindrücken von seiner 30tägigen Reise.
© Texte/Fotos: Peter Erdtmann
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