11. Mai 2004
Der Tag meiner Abreise ist gekommen. Mein Freund Carsten holt mich mit seinem metallic-roten Mercedes Benz vom Apart-Hotel ab. Pünktlich und zuverlässig wie immer. So verlassen wir die metropolitane Urbe Chiles in den Morgenstunden und bewegen uns standesgemäß auf Valparaiso zu. An mir vorbei ziehen die Bilder, die vertraut, gewohnt, geliebt sind: die Weingüter des Casablanca-Tales, die pittoreske Kulisse von Valparaiso, Behausungen von beklemmender Armut, an die Hänge der Hafenstadt geklebt. Valparaiso, das Tal des Paradieses, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eine reiche und aufstrebende Hafenstadt, heute ein eher ärmliches Fleckchen Erde, das glorreichen Zeiten hinterhertrauert. Nach einer kleinen Schleife durch den Hafen treffen wir uns mit Mario, der mit den Koordinationsarbeiten der “CCNI Atacama” betraut ist. Er nimmt meine Dokumente in Empfang und kümmert sich um den in Chile so wichtigen Papierkram: Dokumente, Stempel, Genehmigungen. Vor allen Dingen Stempel sind wichtig, das wirkt offizieller.
Nachdem ich meine Dokumente wieder in Emfang genommen habe, bringt Mario mich und meine Habseligkeiten zum Schiff. Die “
CCNI Atacama” ist ein modernes Container- und Schüttgut-Ladeschiff, sie wurde 1998 in Polen gebaut. Mich erwartet ein großer, stählerner Riese, der gerade Ladung löscht und auf dessen Ende ein 6 Stockwerke hohes Gebäude thront. Fast 200 Meter lang und 30 Meter breit. Maximales Gewicht 45.000 Tonnen, ein Conbulker der Panamax-Klasse.
Helfende Hände tragen meinen Aluminium-Überseekoffer und die neun Flaschen meines Lieblingsweines die Gangway hinauf, ich ächze mit meinem voll beladenen Pilotenkoffer hinterher, die stählernen 36 Treppenstufen der Leiter hinauf, die mich morgen vom Festland trennen sollen. Denn dann heisst es “
Chile ade”, nach 13 Jahren leben, lieben und arbeiten in diesem Andenland.
Peter Erdtmann können Sie an dieser Stelle auf seiner Reise begleiten. Jeden Montag erscheint in den kommenden Monaten ein weiteres Kapitel seines Buches "Weg zurück nach vorn" mit den interessantesten Eindrücken von seiner 30tägigen Reise.
© Texte/Fotos: Peter Erdtmann
Teil 2 folgt am 12.2.2007
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