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Tuesday, May 25. 2010
Heute blicken wir wieder über den südamerikanischen Zaun, diesmal nach Venezuela. Die Abreise aus Venezuela wird für Touristen immer beschwerlicher. Damit sind nicht die üblichen Kontrollen gemeint, die den Fluggast schon mal nerven können, nein, der Ton macht die Musik und die Art und Weise des Verfahrens. Hier nun einige wenige Beispiele:
Porlamar, Isla Margarita: Jeder Fluggast muss seinen Koffer öffnen, vor versammelter Mannschaft wird jedes Detail ans Licht gezerrt. Pikant, wenn dann plötzlich bei der Reisenachbarin die allerduftigste Wäsche auf dem Tisch neben dem Koffer ausgebreitet wird, Dildos zum Vorschein kommen. Kein Märchen! Und dann brüllt der Zollbeamte noch: "Was ist das denn?" Alle, aber auch ALLE schauen auf und hin, während die Dame allmählich im Boden versinken möchte. Unmöglich! Gastarbeiter aus China werden aus dem Flugzeug geholt, einzeln in eine Kabine geführt, in der zwei Zollbeamte auf sie warten. Sie müssen all ihre Koffer öffnen, das legal Erarbeitete und Ersparte, das sie in die Heimat transportieren wollten, wechselt den Besitzer: Die Zöllner bereichern sich daran. Eine Venezolanerin schüttet den gesamten Inhalt ihrer Handtasche auf den Durchsuchungstisch. Das reicht den Zöllnern nicht. Mit einer Kneifzange durchtrennen sie den Griff der Handtasche und - finden nichts. "Einpacken, gehen Sie weiter!" raunzen die Rohlinge. Von Entschädigung ist nicht die Rede. Caracas, International Airport: Eine Stunde steht ein Fluggast in der prallen Sonne und wartet darauf, den Zollbeamten den Inhalt seines Koffers zeigen zu können. Der Mann ist über 60 und die körperliche Belastung ist nicht zu übersehen. Grundsätzlich ist gegen Untersuchungen und Kontrollen nichts einzuwenden - wenn sie denn angemessen und korrekt durchgeführt werden. Tatsache ist aber, dass sich der Tourist unverzüglich so fühlt, als ob er sich in einem rechtsfreien Raum befände. Freundlichkeit und korrekte Behandlung sind Fremdwörter, man wird angeherrscht und die Zöllner führen sich auf, als wären sie kleine Götter. Ihnen kann ja keiner was. Sie haben die Macht und die Waffen, missbrauchen dies. Ihr Präsident Chávez hat offensichtlich vor, dem Tourismus den Hals abzudrehen und es gibt Anzeichen dafür, dass es ihm gelingt. Sein neuester Coup, gestern verkündet: POLAR soll enteignet werden. Eine weitere Firma, die nun vom Staat übernommen werden soll, die Günstlinge von Chávez freuen sich bereits auf gute Posten ... Darüber aber morgen mehr. Wer also stoppt Chávez, bevor er diesem wunderbaren Land Venezuela noch mehr Schaden zufügt?
Monday, January 11. 2010
Nach Erreichen des Zieles haben wir den Plan zerrissen, damit kein Name der Pyramide jemals bekannt wird. Auch heute beim Schreiben dieser Zeilen möchte ich nicht anders handeln. Eins kann ich jedoch mitteilen. Die Berührung mit den Menschen verschiedener Ideologien, Konfessionen, Nationalitäten, Berufe, Jahrgänge, wohlhabend und arm, Regierungsangehörige, Berufspolitiker, Akademiker sowie Landarbeiter, korrupte und ehrliche Staatsdiener, Machtgierige und Immerbescheidene, Freunde und Feinde bei der Erreichung meines Zieles haben mich gelehrt, den Wert des einzelnen Menschen zu suchen.
Nach wiederholter Absprache mit Dorlis und auch Änderungen des Programms stand nach einer Nacht Überschlafen die Richtung fest. Meinen Plan immer im Auge war der erste Weg zu der in Osorno gebildeten Agrarreformbehörde. Viele Eigentümer gaben bei der Agrarbehörde den juristischen Einspruch gegen die Enteignung ab. Unser Besuch dorthin verlief anders, sogar teilweise harmonisch. Die Enteignungsurkunde wurde ohne Widerspruch von mir unterschrieben und auch die zehnprozentige Anzahlung der Entschädigung auf den Einheitswert angenommen. Der von der Regierung ernannte blutjunge Agraringenieur, also besser gesagt, mein Nachfolger wurde mir vom Provinzleiter der Agrarreformbehörde vorgestellt und wir verabredeten ein Treffen am kommenden Tag auf dem Betrieb.
Die Übergabe des Betriebes wurde durch das Gesetz mit einer Frist von 60 Tagen geregelt. Am nächsten Tag kam auch noch ein Gewerkschaftsboß aus Osorno mit zu dem Meeting. Vom Fundo nahmen auch noch zwei Angehörige der betriebseigenen Gewerkschaft teil. Mein Wunsch La Poza als "nicht schlecht bewirtschafteter Betrieb auch in sozialer Sicht gesehen" einstufen zu lassen, wurde einstimmig angenommen und dem Eigentümer dadurch ein Restgut von 200 ha zugesichert. Wir beschlossen, die 200 ha am Ostrand des Betriebes einschließlich des Herrenhauses festzulegen, wodurch allerdings die Melkanlage verloren ging. Das unterschriebene Protokoll ging zur Regierungsbehörde nach Santiago und wurde dort umgehend rückbestätigt.
Monday, January 4. 2010
Nun aber wieder zurück zu uns. Nach Bekanntgabe der Nachricht setzte ich mich mit Herr Dr. Schickedanz in Deutschland telefonisch in Verbindung. Ich verbrachte über sieben Stunden in der öffentlichen Telefonzentrale bis die Verbindung hergestellt wurde. Auf meine Fragen erhielt ich kurze und präzise Antworten:"Wir können das weitere Vorgehen in Chile von hier aus nicht beurteilen und dafür sind Sie ja auch unser Bevollmächtigter dort, um die notwendigen Aktionen durchzuführen. Meine Linie kennen sie. Ich verzichte auf das investierte Geld, aber bitte Sie um jeden Hektar Land zu kämpfen denn diese Krankheit, Kommunismus genannt, kann sich auf die ganze Welt ausbreiten. Diese Infektion wird eines Tages heilbar sein, wenn Sie und ich dazu beitragen den Virus auf intelligente Art an der Verbreitung zu hindern."
Die kommenden zwei Tage verbrachte ich damit, auf Millimeterpapier einen Plan in Form einer Pyramide für das weitere Vorgehen zu entwerfen. Das Ergebnis sollte ein Restbetrieb in Form von 400 Hektar mit Herrenhaus und Melkanlage als Mittelpunkt sein. Dies sollte durch Neueinschreibung im Grundbuchamt auf den Namen von zwei nicht blutsverwandten Mitgliedern der Familie Schickedanz mit je zwei Mal 200 Hektar bestätigt werden. So entstanden auf dem Papier zwei unabhängige Betriebe:
A: "Santa Louisa" mit Mittelpunkt Herrenhaus und Eigentümerin Frau Dedi geb. Schickedanz B: "Doña Grete" mit Zentrum Melkanlage und Eigentümerin Frau Schickedanz geb. Lachner.
Beide künftigen Eigentümer waren nicht blutsverwandt, da ja Frau Dedi nicht die leibliche Tochter von Frau Schickedanz war. Auf der Pyramide erschienen alle Personen, die mir beim Erreichen meines Zieles bewußt oder auch unbewußt helfen sollten. Es würde ein schwerer Weg werden und mir war klar, viele holperige Feldwege fahren zu müssen, um das gesteckte Ziel zu erreichen! Der Weg dorthin wurde die schönste und interessanteste Forderung meines Lebens.
Monday, December 28. 2009
Zur Jahresmitte 1972 wurden wir von unserem Nachbarn M. M. zum fünfzigsten Geburtstag eingeladen. Es wurde ein Fest der Feste mit einem gewissen Galgenhumor.
Wir waren uns wohl über den “Tod” unserer Betriebe im klaren, was fehlte war eigentlich nur das genaue Datum. So trafen sich dort ungefähr 150 Ehepaare und feierten "Abschied von der Vergangenheit". Die letzten Gäste gingen wohl gegen Mittag des folgenden Tages. Nur bei der Rede auf das Geburtstagskind wurde die gegenwärtige Situation erwähnt und dann nie wieder. Es war wohl im Nachhinein eine Nacht, die man nie vergessen wird.
Im Juli / August 1972 war es dann soweit. Für Einige von uns kam dieser Moment früher, für Andere später. Wir waren unter den Letzten. In der Tageszeitung las man dann das Urteil über die Tagung des Revolutionsrates. Der offizielle Bescheid wurde im "Diario Oficial”, dem Gesetzesblatt des Staates, am Wochenende veröffentlicht.
Dieser Rat spottete jeglicher Demokratie und setzte sich aus Leuten verschiedener Tätigkeiten, aber nur einer Ideologie zusammen. Durch die Veröffentlichungen der Enteignungen im Gesetzesblatt bekam der Vorgang speziell für die ausländische Presse wieder einen demokratischen Mantel, denn das Agrarreformgesetz war ja auch durch Senatsbeschluß mit Mehrheit verabschiedet worden.
Die hiesigen Genossen hatten von ihren Gesinnungsbrüdern der DDR einiges übernommen, aber es doch geschickter angewandt. So wurde zum Beispiel bei den ausgesprochenen Enteignungen nie der Name des Besitzers genannt, sondern die im Katasteramt geführte Flurnummer. Enteignet wurde das Land mit allen darauf verankerten Gegenständen wie Gebäuden und Bäumen, aber ohne lebendes und totes Inventar.
Der Wert von Vieh und Maschinen wurde dadurch bei Verkauf um über 50% gemindert und einiges wurde sogar unverkäuflich.
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