In Santiago bekam ich nicht mehr den Anschlußflug nach Osorno und sah mir eine Großkundgebung am Regierungsgebäude “La Moneda” an.
Tausende Menschen in Form von Arbeiterbrigaden mit Spruchbändern, Sprechchören und roten Fahnen mit Hammer und Sichel versehen, zogen an dem Präsidenten Allende und seinem Gast, dem kubanischen Diktator Fidel Castro vorbei. Fidel Castro blieb ungefähr drei Wochen in Chile und bereiste das ganze Land, als so genannter Gast des Staates. In jeder größeren Stadt sollte sich dann später die von mir erlebte Großkundgebung wiederholen.
Zum Abschluß konnte man dann von beiden Revolutionsführern die Worte für die jetzt "angebrochene Freiheit im Sozialismus und die wunderbare, gerechte Zukunft in Chile" hören.
Sehr bedrückt kam ich nach Osorno. Trotz aller Freude, die Familie wieder um mich zu haben, hatte ich ein wenig Angst vor der Zukunft.
In solch einem Staat, der in den Reden der kommunistischen Staatsmänner heraufbeschworen worden war, sollten unsere Kinder nicht aufwachsen. Aber ausreißen und das Fundo aufzugeben kam auch nicht in Frage. Erst mußte ich die mir selbst gestellte Aufgabe lösen.
Dorlis und die beiden Mädels bestaunten mein Reisegepäck, welches in keinem Vergleich zu dem sonst üblichen Einkoffersystem ihres Vaters stand. Beim Auspacken kannte die Freude keine Grenzen. Frau Niederle hatte wieder einmal das Richtige getroffen.
Auf dem Fundo war nichts Wesentliches während meiner Abwesenheit passiert, so daß ich manchmal annahm, die Belegschaft fürchtete unbekannte Änderungen während meiner Abwesenheit.
Einige Provokationen von Einzelgängern ließen mich nicht das Endziel aus den Augen verlieren. Von unserem Eßzimmer aus sahen wir am hellichten Tage einen "Genossen" mit einem Sack gestohlenem Kraftfutter zu sich nach Hause ziehen! Den Mann nicht sofort zur Rede zu stellen fiel mir unendlich schwer. Aber ich wollte zu diesem Zeitpunkt eine Eskalation unbedingt vermeiden.
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