Kurzfristig wurde ich von Herrn Dr. Schickedanz im November 1971 für eine Woche nach Deutschland zitiert. Die letzten zwei Tage vor dem Abflug besuchte ich in Santiago noch alte Bekannte, die gute Verbindungen zu politischen Kreisen hatten und erfuhr Daten einer bevorstehenden Gesetzesänderung: "Ab Stichtag X wird ein Verkauf landwirtschaftlicher Betriebe über 400 ha im Familienkreise untersagt. Bei Verkäufen ist die ausdrückliche Genehmigung des Staates erforderlich. Weiterhin verlieren Betriebe, die mehr als zwei Besitzern gehören, bei Enteignung das Anrecht auf Anspruch eines eventuellen Restbetriebes."
Ich handelte sofort und verkaufte laut meiner Vollmacht 50% des Besitzes von La Poza von Besitzerin Madeleine geb. Schickedanz an Schwester Louise geb. Schickedanz. Somit gab es bei einer Enteignung noch die Chance, einen Restbetrieb zu erhalten. Das Vorwerk mit 40 ha Basis (in der Region Osorno waren das durch den Umrechnungsfaktor 200 ha Grünland) von Frau Grete Schickedanz war im ersten Moment noch vor einer Enteignung gesetzlich geschützt.
Die Grenze für die Enteignung begann ab 80 ha Basis, in Osorno 1: 5 also 400 ha. Auch ein Gespräch mit dem deutschen Botschafter verlief recht positiv. Ich bekam die Zusicherung eines Besuches auf La Poza.
Der auf dem Dienstwagen sichtbare Hoheitsadler der Bundesrepublik Deutschland sollte vor einer eventuellen Besetzung des Betriebes ein wenig abschrecken. Nach einem angenehmen Flug traf ich am nächsten Tag in Frankfurt ein, wo ich mich am darauf folgenden Tag mit Herrn Dedi im Flughafenhotel treffen sollte. Die fürsorgliche Frau Niederle hatte schon ein Zimmer dort reservieren lassen und ich konnte mich nach den Strapazen der letzten Woche richtig ausruhen.
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