Körperkult - stets auch ein Thema in Chile. Offensichtlich sind nur wenige Menschen mit Ihrem Erscheinungsbild zufrieden. Auf alle Fälle gewinnt man diesen Eindruck, wenn man Zeitschriften durchblättert, Diskussionen im Fernsehen folgt und Gesprächen zwischen Frauen UND zwischen Männern zuhört.

Während Männer überdimensionale Rundungen um die Hüftgegend eher mit fortschreitendem Alter, Kraft und Vitalität zu entschuldigen suchen und offensichtlich ganz gut damit leben können, gehen Frauen nicht so unbeschwert damit um. Wie könnte man sich ansonsten die Fülle von Anzeigen erklärten, die in Deutschland und Chile versprechen, die Wunschnase und den Wunschbauch, Wunschbeine und Brust operativ zu schaffen? Diese Angebote wollen ja offensichtlich einen Trend bedienen.
Im Umfeld eines allgemeinen Körperwahns, Schlankheitswahns, geschürt von einer auf Jugend fixierten Modeszene, ist daher ein Problem entstanden, mit dem zahlreiche Mädchen – und deren Eltern – weltweit zu kämpfen haben:
Anorexie, Magersucht.
Ohne dieses Krankheitsbild analysieren zu können und zu wollen ist glücklicherweise inzwischen eine positive Entwicklung der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung zu beobachten. Und so horchte auch Chile auf, als am 18. September 2006 folgende Schlagzeile im
„Mercurio“ stand:
Debatte über Schlankheit von Models erschüttert die Laufstege Londons (AFP).
Die Modemesse in Madrid war der Vorreiter, nun diskutiert auch Londons Modeszene über den Ausschluss von Models, die einen
BMI (body mass index) unter 18 aufweisen. Die Diskussion über den BMI drängt in den Hintergrund, welche Rocklängen und Farben im Vordergrund stehen, die im kommenden Jahr international getragen werden sollen.
Zugespitzt hatte sich die Kontroverse nach dem Tod von
Luisel Ramos, einem Model aus Uruguay. Sie war nach einer rigiden Diät auf dem Laufsteg verstorben. Die Forderungen waren klar:
London solle sich Madrid anschließen und keine Models zulassen, die einen BMI unter 18 hätten.
Tessa Jowell, die Kulturministerin, begrüßte die Madrider Entscheidung, die vermutlich von Mailand, einer weiteren Hochburg der Mode, mitgetragen werde. London also auch? Offensichtlich nicht. Bereits bei der ersten Show stand mit Lily Cole (17) ein Model auf dem Laufsteg, das in Madrid keine Chance gehabt hätte: BMI 14! Sie präsentierte weiße Kleider, gehalten von breiten, schwarzen Gürteln. Die Kleider gestatteten den Blick auf geradezu zerbrechlich dünne Beine...
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