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Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
in Reiner Schirmer at
08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen - 56Nach Erreichen des Zieles haben wir den Plan zerrissen, damit kein Name der Pyramide jemals bekannt wird. Auch heute beim Schreiben dieser Zeilen möchte ich nicht anders handeln. Nach wiederholter Absprache mit Dorlis und auch Änderungen des Programms stand nach einer Nacht Überschlafen die Richtung fest. Meinen Plan immer im Auge war der erste Weg zu der in Osorno gebildeten Agrarreformbehörde. Viele Eigentümer gaben bei der Agrarbehörde den juristischen Einspruch gegen die Enteignung ab. Unser Besuch dorthin verlief anders, sogar teilweise harmonisch. Die Übergabe des Betriebes wurde durch das Gesetz mit einer Frist von 60 Tagen geregelt. Am nächsten Tag kam auch noch ein Gewerkschaftsboß aus Osorno mit zu dem Meeting. Vom Fundo nahmen auch noch zwei Angehörige der betriebseigenen Gewerkschaft teil. Mein Wunsch La Poza als "nicht schlecht bewirtschafteter Betrieb auch in sozialer Sicht gesehen" einstufen zu lassen, wurde einstimmig angenommen und dem Eigentümer dadurch ein Restgut von 200 ha zugesichert. Defined tags for this entry: Allende, Chile, Enteignung, La Poza, Leben zwischen zwei Kulturen, Osorno, Quelle, Reiner Schirmer, Salvador, Schickedanz
Monday, October 19. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen - 44Meine Arbeitgeber waren sich wohl auch bewußt über die stetig zunehmenden Gefahren, die ihrem Besitz drohten. Für mich wurde es nun die Hauptaufgabe, als "Vermögensverwalter" irgendwie doch einen Teil des Grundbesitzes zu retten. Zwei Tage vor Rückfahrt, bei einem Gespräch am Kamin in der Villa Dambach, wurden wir erneut von einem Vorschlag von Herrn Dr. Schickedanz überrascht: “ Hätten Sie Lust eine Kette landwirtschaftlicher Gütern in Kanada, Australien, Brasilien und Spanien für uns aufzubauen? Sie können sich den Wohnsitz für Ihre Familie aussuchen, den Sie für diese Tätigkeit am günstigsten finden." Ich sagte weder ja noch nein und erwiderte, daß Chile erst einmal die Hauptaufgabe sein müsse. Dorlis flog mit den Kindern einige Tage später und wir trafen uns dann nach zehn Tagen in Chile wieder. Umsonst haben wir in unserem Leben nichts erhalten! Über New York fliegend erreichte ich in Miami die Lufthansamaschine nach Santiago. Dorlis erwartete mich mit den Kindern in einem Hotel. Sie war nach gutem Flug schon zwei Tage vor mir in Santiago eingetroffen. Wir bekamen noch eine Flugkarte nach Osorno und waren dann abends erstmals wieder in unseren Betten. Defined tags for this entry: Chile, Deutschland, Fürth, Leben zwischen zwei Kulturen, Osorno, Quelle, Reiner Schirmer, Schickedanz
Monday, September 21. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 40Erst nach Regierungsantritt von Allende und der Antrittsrede am 4. November 1970 mit der Aussage "Ich werde nicht Präsident ALLER Chilenen sein und wir werden in aller Kürze die Kupferminen und Latifundien der Imperialisten entschädigungslos enteignen" ,ergab sich die Klarheit, wie die Zukunft für ausländische Investoren aussehen würde. Man musste damit rechnen, dass die gegenwärtige Regierung die gegenüber den Ausländern gegebene Eigentumsgarantie nicht einhalten würde und damit die chilenische Verfassung mit Füßen trat. Auch ich persönlich fand einige Monate später in meinem Postfach in Osorno einen mit roter Farbe geschriebenen anonymem Brief: "Gringo auf La Poza, du wirst der erste sein, den wir wie eine Sau abschlachten werden." Sicherheitshalber gab ich eine beglaubigte Kopie beim Regierungspräsidenten der Provinz ab, ohne den Inhalt zu diskutieren. Nun sah ich mich zu meiner ersten, politisch selbstständigen Handlung zum Erhalt von La Poza gezwungen. Ich hatte einen Tipp von einem Gewerkschaftsfunktionär aus Osorno erhalten, dass der Plan bestand, das leerstehende Herrenhaus als Schule einzurichten. Ohne zu zögern stellte ich erneut einen jungen deutschen Landbauingenieur, Carlos Möller-Holtkamp, für den Betrieb ein. Somit war das Verwalterhaus wieder bewohnt. Familie Schirmer zog in das Herrenhaus ein und wir hofften, so die Pläne der kommunistischen Verwaltung zunächst durchkreuzt zu haben. Bei einem Gespräch mit der Landarbeitergewerkschaft setzte ich meine Mitarbeiter davon in Kenntnis, Ende November meinen mir zustehenden Deutschlandurlaub anzutreten. Ich bekam die Versicherung, dass ich in aller Ruhe fahren könne und sie mir die Sicherheit des Betriebes garantieren würden. Zum Anfang der Sommerferien in Chile ging unsere Reise los. Das Unangenehme der letzten Monate wurde schnell durch die Freude, bald unsere Familie in Deutschland zu sehen, vergessen. Die Flugkarten per Lufthansa hatten wir von der uns immer betreuenden Frau Niederle vom Sekretariat Schickedanz erhalten. Unser erstes Ziel war Nürnberg und so sollte es auch bei den späteren Reisen immer bleiben. Defined tags for this entry: Chile, Leben zwischen zwei Kulturen, Nürnberg, Osorno, Reiner Schirmer, Schickedanz
Monday, July 6. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 31Anfangsjahre in La Poza Nach der Landung in Dakar wurde die Maschine vom Typ Boeing 707 noch einmal voll getankt und der Flug über den Atlantik begann mit einem wunderschönen Sonnenuntergang. Innerhalb kurzer Zeit wurde es Nacht, das reichliche Abendessen wurde serviert und acht Stunden Flug standen uns bis zur Landung in Rio de Janeiro bevor. Nachdem die Lichter gelöscht worden waren, ging mein Blick aus dem Fenster. Um uns herum funkelten die Sterne und meine Gedanken eilten dem Flugzeug voraus. In wenigen Stunden würde ich wieder in Chile sein. Angst vor dem gefassten Entschluß hatte ich keine, aber ich fragte mich doch, was die Zukunft für unsere Familie bringen würde. Lohnte es sich, nochmals die Heimat zu verlassen? Es ist ein großer Unterschied zwischen einem angenehmen und romantischen Urlaub im Ausland und einer dauerhaften Tätigkeit in der Ferne. Trotzdem ahnte ich irgendwie, in absehbarer Zeit wieder in Deutschland zu sein. Dann hatte ich aber den Vorteil, nicht mehr auf unbestimmte Arbeitssuche gehen zu müssen. Wir hatten uneingeschränktes Vertrauen in das Angebot der Familie Schickedanz. Nach meiner Lagebeurteilung würden sich die schwarzen Wolken am politischen Horizont Chiles nicht in kurzer Zeit abgeregnet haben. Bis die Sonne wieder scheinen würde, so befürchtete ich, könnten Jahre vergehen. Dies würde nun auch einen Einfluss auf mein Berufs- und Familienleben haben. Nach der Landung in Santiago führte mich der erste Weg zu unseren Freunden. Sie hatten keine Ahnung von meinem Kommen und waren von meiner Rückkehr nach Chile und dem neuen Arbeitgeber nicht vorher unterrichtet worden. Ausnahmslos hielten sie die von uns getroffene Entscheidung für richtig. Auch sie waren der Meinung, dass wir innerhalb kurzer Zeit alle wieder in unseren Mutterhäusern in Deutschland sein würden, also bei Merck in Darmstadt, der Dresdener Bank, Otto Versand, Hertie, Stahlwerke Baron von Kühlmann-Stumm sowie Quelle-International. Am übernächsten Tag wollte ich mit dem Nachtzug in Richtung Osorno fahren. Nun hatte ich schon das Gefühl, die Zugfahrt könnte ein Ereignis werden und wollte umgehend die Fahrkarte besorgen. Als ich mein Anliegen der netten Fahrkartenverkäuferin vorbrachte, bekam ich nur eine knappe Gegenfrage: "Departamento oder Salon?" Da ich doch Bescheidenheit für eine gute Tugend halte und nicht wusste, ob so viel Luxus sein müsste, fragte ich etwas irritiert zurück: “Wie viel kostet denn der "Salon"?". Als Sie mir den Preis nannte, war ich wieder gelassener und musste nur noch entscheiden ob ich "Cama baja" oder “Cama alta" fahren wollte. “Cama alta” war einige hundert Peso billiger und ich glaubte noch sportlich genug zu sein, das obere Bett zu erklimmen. Gegen 19.00 Uhr des chilenischen Wintertages betrat ich den Bahnhof. Er wirkte etwas verlassen und so, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Defined tags for this entry: Chile, Deutschland, ein Leben zwischen zwei Kulturen, Osorno, Reiner Schirmer, Santiago
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