Die Fahrt durch den
Panamakanal bei Hitze über 40 Grad war überaus interessant, aber auch feucht. Ein amerikanisches Ehepaar kam für die Tagesfahrt an Bord und bestellte Whisky für alle Passagiere. Das war der Anfang zu einem kleinen Gelage. Am Atlantik angekommen, erlaubte der Kapitän uns nicht, in Callao an Land zu gehen. Die Feier ging somit verstärkt an Bord weiter und das improvisierte Fest bekam den Namen "Abschied von Südamerika", denn niemand dachte wohl daran, Südamerika, außer in einem Urlaub, wieder zu sehen. Alle Passagiere lagen danach sauer in den Kabinen. Während der Fahrt nach Curacao herrschte hoher Seegang, der den Passagieren mit Katerstimmung noch mehr zusetzte. Curacao ist eine kleine, schmucke Insel, die lange durch die Niederländer verwaltet wurde.
Dorlis hatte sich eine schwere Rippenfellentzündung zugezogen, von der sie sich vor der Ankunft in Europa nicht erholen konnte. Die Überquerung des Atlantiks dauerte zwölf Tage. Abends stand ich manchmal allein mit meinen Gedanken auf dem Bug des Schiffes. Die vollkommene Ruhe, die nur von den sanften Wellenschlägen gegen die Bordwand unterbrochen wurde, ist mir noch gut in Erinnerung. Umgeben vom weiten Meer und dem funkelnden Sternenhimmel, dass ist wohl das Schönste, was der kleine Erdenmensch erleben kann. Trotzdem waren wir alle froh wieder in Amsterdam von Bord gehen zu können und festen Boden unter unseren Füßen zu fühlen. Im Hafen hatten wir auch Gelegenheit in den Gepäckraum des Schiffes zu kommen, um frische Wäsche aus den Koffern zu holen.
Von Amsterdam durch die Nordsee bis nach Bremerhaven waren es nur noch zwei Tage, wo uns mein Schwager Ernst - Joachim, von den Kindern Onkel Akki getauft, mit einem VW-Kombi für das große Gepäck erwarten wollte. Vom Schiff konnten wir mit dem Spezialradio dieser Zeit unsere genaue Ankunft durchgeben. Unsere Erwartungen bei der Einfahrt in die Weser stiegen von Minute zu Minute und morgens, an einem schönen Julitag, legten wir in Bremerhaven an. Von weitem erkannten wir unsere Familienangehörigen. Akki, Oma und mein Vater standen am Kai. Es dauerte noch 20 Minuten bis wir vom Schiff gehen konnten, für uns fast eine unendliche Zeit. Dann stürmten Christi, Gabi, Dorlis und ich die Reeling herab und waren endlos glücklich. Meine Gedanken gingen einen Augenblick zurück an meinen Ankunftstag vor ungefähr zehn Jahren in Chile! Jetzt waren wir in der Heimat und "z u H a u s e”.
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