1961 bis zur Rückkehr nach Deutschland
Unsere alten Möbel aus Kiefernholz mussten auch noch weiter ihren Dienst tun. Allerdings leisteten wir uns nun einen kleinen Kühlschrank. Eine Waschmaschine musste warten, sonst hätte uns das Goldstück des Monats gefehlt. Verrückt, aber wir wollten nicht vom gesteckten Ziel abweichen. Auch ein neues Radio hatten wir schon aus Deutschland mitgebracht. Das günstige Schnäppchen wurde aber durch den Zoll, der bei 80 % des eigentlichen Wertes lag, zunichte gemacht.
Mit der neuen Arbeit auf dem Gut “ La Higuera”, der Feigenbaum, wurde ich schnell vertraut. Sogar das fehlende Wohnhaus auf dem Betrieb brachte den Vorteil nach Arbeitsschluss abschalten zu können, um sich mehr um Frau und Tochter zu kümmern. Der Zeit vorangehend, wurden von mir einige Änderungen in der Arbeitszeit eingeführt. Der Acht - Stundentag wurde am Samstag auf durchgehend 8 bis 14 Uhr begrenzt. Dies brachte mir Lob bei den Arbeitnehmern ein, aber Unverständnis bei den umliegenden Gutsbesitzern. Herr Schacht ließ mir glücklicherweise freie Hand. Er freute sich, dass der Betrieb intensiver geführt wurde und auch die vormals roten Zahlen nicht mehr auftauchten. Meine Arbeitszeit betrug manchmal 14 Stunden täglich. Dafür hatte ich aber auch die Freiheit, mich nach den Notwendigkeiten zu richten und fern zu bleiben, wenn es die Lage zuließ.
1962 wurde die Fußballweltmeisterschaft in Chile ausgetragen. Für mich eine große Abwechslung. Zum Empfang der Deutschen Mannschaft wurde ich eingeladen und konnte mich länger mit Uwe Seeler, dem damaligen Kapitän, unterhalten. Selbstverständlich habe ich alle in Santiago ausgetragenen Spiele angesehen. Auch das Spiel Chile gegen Deutschland mit 2:0 für Deutschland erfreute mich sehr, obwohl ich unter den chilenischen Zuschauern saß. Diese waren jedoch so fair, mich nach dem Sieg der deutschen Mannschaft herzlich zu beglückwünschen.
Auf dem Betrieb hatte ich die Milchviehherde auf 300 Kühe vergrößert und auf einmal trat die Maul und Klauenseuche auf. Die Veterinärschule der Chilenischen Universität kam mir zu Hilfe. Der Leiter, Dr. Hugo Diaz, war Kommunist. Politisch trennten uns somit Welten, aber einer guten Zusammenarbeit stand das nicht im Wege. Wir versuchten uns aber gegenseitig zu beeinflussen. Trotzdem blieb jeder bei seiner Meinung und keiner konnte den Sieg davontragen, den anderen von seiner Meinung überzeugt zu haben. Zwischen uns entwickelte sich trotz der unterschiedlichen Weltanschauung eine Art Freundschaft. Zehn Jahre später kreuzte Hugo erneut meinen Weg. Er war der letzte Agrarminister der Regierung Allende und musste das von mir damals bewirtschaftete Fundo enteignen. Hugo ging nach dem Militärputsch ins Exil nach Kuba, bekam dort aber schnell die Nase voll und wurde später Professor an der Universität Dresden in der DDR.
Mitte 1962 meldete sich weiterer Nachwuchs an. Zu den Kontrolluntersuchungen in der Deutschen Klinik hatte es Dorlis nun näher. Dann erhielten wir die Nachricht, dass Dorlis die Blutgruppe RH negativ hatte. Das ließ Schlimmes befürchten, denn damals bestand noch die Gefahr für das Leben des Babys.
neueste Kommentare