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Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
in Reiner Schirmer at
08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 60Die neue Arbeit auf "Santa Louisa" und "Doña Grete” duldete keinen Aufschub. Beide Betriebe mussten laut Gesetz unabhängig voneinander bearbeitet werden, da ja kein Betrieb über 200 ha in Chile existieren sollte. Andernfalls hätte auch die Gefahr einer erneuten Enteignung bestanden. Die interne Grenze zwischen beiden Betrieben wurde mit einem verstärkten Stacheldrahtzaun kenntlich gemacht. Wir tauften dieses Werk spöttisch "Berliner Mauer". Das Inventar wurde geteilt, die Mitarbeiter bekamen neue Arbeitsverträge, zwei getrennte Buchhaltungen entstanden und Don Carlos wurde Bevollmächtigter von Betrieb “ B" mit Schwerpunkt Milchwirtschaft. Ich blieb auf Betrieb "A", der als Mastbetrieb geführt werden sollte. So verdoppelte sich die unproduktive Arbeit, dessen unsichtbarer Kopf ich weiterhin bleiben musste. Da wir die Hälfte des Grünlandes verloren hatten, fehlte es uns nun an Futterfläche für das Vieh. Wir schlossen einen Vertrag “a media” mit dem neuen Staatsbetrieb unter Führung von Kollege M. D. ab. Unsere überzähligen Milchkühe, bzw. Mastbullen wurden auf die Weiden des Staatsbetriebes getrieben. Der Zugewinn, sei es pro Liter Milch oder Kilogramm Fleisch, wurde zu je 50 % geteilt. Die Tiere selbst blieben aber weiterhin im Eigentum der Restgüter A und B. Damit konnte ich erneut dem Staatsbetrieb behilflich sein und brauchte unser Vieh nicht zu den damaligen Schleuderpreisen zu verkaufen. Diese Geste brachte wieder Pluspunkte für mich, denn ich wollte so lange wie möglich das kommunistische System überstehen. Einige gute Mitarbeiter, vor allem den verläßlichen Viehhirten, hatten wir verloren. Bisher war die Strategie “Kleine Opfer müssen erbracht werden, verliere aber nicht das Ganze aus den Augen” gut aufgegangen. Mitte August waren Frau Schickedanz und Herr Dedi zur Industrieausstellung nach Sao Paulo geladen. Am 12. August fuhr ich zur Berichterstattung über die letzten Ereignisse nach Brasilien, bekam aber gleich den Auftrag, als erstes das Gebiet um Curitiba (europäische Zone von Brasilien) zu erkunden. Dabei sollte ich nach zum Verkauf stehenden Gütern Ausschau halten. Tage darauf trafen wir uns dann auf der Ausstellung und konnten uns ausführlich über Vergangenheit und Zukunft unterhalten. Zusammen bereisten wir dann die Gegend von Sao Paulo, Sao Carlos; Provinz Catarina und Blumenau, wo auch eine Textilfabrik für Quelleartikel besichtigt wurde. Dann ging es weiter bis Rio Grande del Sur. Die vielen Kilometer wurden per Flugzeug oder bereitgestelltem Auto zurückgelegt. Immer wurde Ausschau nach geeigneten Haciendas gehalten, einige Betriebe wurden auch besichtigt. Der Kommentar von Frau Schickedanz: "Herr Schirmer, es ist vieles schön, aber es ist eben nicht unser "La Poza". Ich spürte deutlich, wie sehr meine Chefin an dem Fundo in Chile hing. Eine Stunde vor Ankunft in Blumenau merkte ich, dass meine Chefin im Auto immer unruhiger wurde. Fuhr der Fahrer zu schnell, oder was bedrückte die Dame? Auf meine Frage bekam ich zur Antwort: "Ich muss zur Toilette, das können Sie nicht für mich erledigen." Wir fuhren bis zur Textilfabrik in Blumenau, wo uns ein großer Bahnhof erwartete. Ich sauste los und fand eine Toilette. Auf meine Worte, das Örtchen gefunden zu haben, bekam ich zur Antwort: “Was denken Sie denn! Ich bin doch bei der Musterung der einzukaufenden Waren, da muss die Toilette schon warten.” Dies war charakteristisch für Frau Schickedanz. Sie verlangte viel, war aber immer bereit, als erste alles von sich zu geben. Defined tags for this entry: Quelle, Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 6, Schickedanz
Monday, January 11. 2010
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen - 56Nach Erreichen des Zieles haben wir den Plan zerrissen, damit kein Name der Pyramide jemals bekannt wird. Auch heute beim Schreiben dieser Zeilen möchte ich nicht anders handeln. Nach wiederholter Absprache mit Dorlis und auch Änderungen des Programms stand nach einer Nacht Überschlafen die Richtung fest. Meinen Plan immer im Auge war der erste Weg zu der in Osorno gebildeten Agrarreformbehörde. Viele Eigentümer gaben bei der Agrarbehörde den juristischen Einspruch gegen die Enteignung ab. Unser Besuch dorthin verlief anders, sogar teilweise harmonisch. Die Übergabe des Betriebes wurde durch das Gesetz mit einer Frist von 60 Tagen geregelt. Am nächsten Tag kam auch noch ein Gewerkschaftsboß aus Osorno mit zu dem Meeting. Vom Fundo nahmen auch noch zwei Angehörige der betriebseigenen Gewerkschaft teil. Mein Wunsch La Poza als "nicht schlecht bewirtschafteter Betrieb auch in sozialer Sicht gesehen" einstufen zu lassen, wurde einstimmig angenommen und dem Eigentümer dadurch ein Restgut von 200 ha zugesichert. Defined tags for this entry: Allende, Chile, Enteignung, La Poza, Leben zwischen zwei Kulturen, Osorno, Quelle, Reiner Schirmer, Salvador, Schickedanz
Monday, January 4. 2010
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen - 55Nun aber wieder zurück zu uns. Nach Bekanntgabe der Nachricht setzte ich mich mit Herr Dr. Schickedanz in Deutschland telefonisch in Verbindung. Ich verbrachte über sieben Stunden in der öffentlichen Telefonzentrale bis die Verbindung hergestellt wurde. Auf meine Fragen erhielt ich kurze und präzise Antworten:"Wir können das weitere Vorgehen in Chile von hier aus nicht beurteilen und dafür sind Sie ja auch unser Bevollmächtigter dort, um die notwendigen Aktionen durchzuführen. Meine Linie kennen sie. Ich verzichte auf das investierte Geld, aber bitte Sie um jeden Hektar Land zu kämpfen denn diese Krankheit, Kommunismus genannt, kann sich auf die ganze Welt ausbreiten. Diese Infektion wird eines Tages heilbar sein, wenn Sie und ich dazu beitragen den Virus auf intelligente Art an der Verbreitung zu hindern." Die kommenden zwei Tage verbrachte ich damit, auf Millimeterpapier einen Plan in Form einer Pyramide für das weitere Vorgehen zu entwerfen. Das Ergebnis sollte ein Restbetrieb in Form von 400 Hektar mit Herrenhaus und Melkanlage als Mittelpunkt sein. Dies sollte durch Neueinschreibung im Grundbuchamt auf den Namen von zwei nicht blutsverwandten Mitgliedern der Familie Schickedanz mit je zwei Mal 200 Hektar bestätigt werden. So entstanden auf dem Papier zwei unabhängige Betriebe: A: "Santa Louisa" mit Mittelpunkt Herrenhaus und Eigentümerin Frau Dedi geb. Schickedanz Beide künftigen Eigentümer waren nicht blutsverwandt, da ja Frau Dedi nicht die leibliche Tochter von Frau Schickedanz war. Auf der Pyramide erschienen alle Personen, die mir beim Erreichen meines Zieles bewußt oder auch unbewußt helfen sollten. Es würde ein schwerer Weg werden und mir war klar, viele holperige Feldwege fahren zu müssen, um das gesteckte Ziel zu erreichen! Defined tags for this entry: Allende, Chile, Enteignung, Fürth, La Poza, Leben zwischen zwei Kulturen, Quelle, Reiner Schirmer, Salvador, Schickedanz
Monday, December 28. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen - 54Zur Jahresmitte 1972 wurden wir von unserem Nachbarn M. M. zum fünfzigsten Geburtstag eingeladen. Es wurde ein Fest der Feste mit einem gewissen Galgenhumor. Im Juli / August 1972 war es dann soweit. Für Einige von uns kam dieser Moment früher, für Andere später. Wir waren unter den Letzten. In der Tageszeitung las man dann das Urteil über die Tagung des Revolutionsrates. Der offizielle Bescheid wurde im "Diario Oficial”, dem Gesetzesblatt des Staates, am Wochenende veröffentlicht. Defined tags for this entry: Allende, Chile, Enteignung, Fürth, La Poza, Leben zwischen zwei Kulturen, Quelle, Reiner Schirmer, Salvador, Schickedanz
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