Ich reg mich nicht auf.
Ich will mich auch nicht aufregen.
Die tun ja nur ihren Job.
Ist ein trauriger Job, o.k., das versöhnt mich wieder.
Aber weshalb muss dann so eine bodenlose Arroganz dahinter stehen?
Hintergrund:
Kommt ein kleiner Container mit Wein aus Chile. 12000 Flaschen feinster Stoff, Rotwein und Weißwein. Alles zusammen in 2000 Kisten a sechs Flaschen. Nun muss man wissen, dass solch ein Container in 3 Stunden ausgeladen sein muss, sonst gibt es Haue, sprich: Sonderkosten werden fällig. Also legen zwei Personen am Veilchendienstag (immer noch guter Karneval!) los, um diesen Kistenberg auf Paletten zu packen,danach ab ins Hochregal des zentralen Lagers. Die beiden Jungs sind gut gelaunt, guten Mutes, diese Aufgabe beherzt und in der vorgegebenen Zeit zu erledigen.
Was sie nicht wissen: Unheil braut sich hinter ihnen zusammen. Und das Unheil hat einen Namen: Deutscher Zoll. Das gönnt man eigentlich keinem. Was passiert? Zunächst nichts. Die Männlein vom Zoll - haben wir nicht schon mal in Zeitschriften Karikaturen solcher Herren gesehen und herzhaft drüber gelacht? - verirren sich zunächst auf dem Weg zum Container Wein und fahren in ein Büro.
"Nein, meine Herren, das war es nicht, in dieses Büro werden keine 12000 Flaschen Wein geladen."
"Ach so? Nein? Nicht?"
"NEIN, da müssen Sie auf ein LAGER, nicht in ein Büro."
Die beiden zeigen Ansätze von Verständnis. Naja, war ja vielleicht das erste Mal für sie...
Also begeben sie sich zu der Stelle, an dem der Entladevorgang bereits angelaufen ist, die ersten Paletten bereits aus dem ehemals versiegelten Container entfernt worden sind. Und nun zeigen sich die beiden Beamten von ihrer dienstlichen Seite: Während der erste beherzt die Hände in die Hosentaschen steckt - er wird sie während der folgenden zwei Stunden nicht mehr rausziehen - ergreift der zweite einen Block und schaut interessiert, wie zwei Männer den Container leeren. Ab und zu begegnen sich die Blicke der beiden Macher vom Zoll, der Händeindiehosentaschensteckenbleiber wirkt dabei eher leblos, apathisch. Ab und zu lässt der Blockhalter eine Flaschenkiste öffnen, setzt sich auf einen Palettenstapel, schaut zu, wirkt kritisch, ungläubig. Sollte in einer Kiste, auf der "Merlot" steht, auch tatsächlich Merlot drin sein? Er glaubt es nicht und wiederholt seinen Test ein um das andere Mal. Komisch, stimmt alles. Den anderen interessiert es nicht wirklich, er versucht vergeblich, seine Hände aus den Taschen zu ziehen. Es missglückt, aber er wühlt tüchtig weiter.
Der Fahrer, der den Container gebracht hat, packt inzwischen prächtig mit an: "Wenn ich Arbeit sehe,dann kann ich die Hände nicht in die Taschen stecken." Allerdings erzählt er aus dem Nähkästchen und über seine Erfahrungen beim deutschen Zoll: "Wenn ich da Frachtpapiere bringe, lesen die Jungs Zeitung oder trinken Kaffee. Ich störe da nur den Beamtenschlaf..!"
Nachdem 1500 Kisten ausgepackt sind und bevor dass der Beamtenschlaf die Freunde vom Zoll übermannt - es gibt übrigens auch wache und freundliche Beamte! - verabschieden sie sich. Sie verzichten auf den totalen Überblick, wollen keine Kisten mehr öffnen, glauben den Aufschriften auf den Kartons und verschwinden, bevor das Händeindentaschenproblem gelöst wurde und dem Schreiber dieser Zeilen bleiben zwei Fragen:
Macht ein solcher Job glücklich? Falls ja, sie haben es gut verborgen...
Wie fährt man ins Büro, wenn man die Hände nicht aus den Taschen bekommen hat?
Tja, Fragen über Fragen, wir werden drüber nachdenken. Und morgen kommt der nächste Container Wein ....
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