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Tuesday, November 21. 2006
Fast sieht es so aus, als ob der heutige Text zum gestrigen passen könnte...
Unsere Seite im Netz heißt u.a. auch deshalb " picaflor", weil sie farbig ist, vielfältig, " multifacética" würden die Chilenen sagen. Und deshalb schadet es nicht, einmal Einzelheiten über den Picaflor zu erfahren.
Die Kolibris sind die wohl kleinsten und farbenprächtigsten Vögel auf unserem Globus. Diese Winzlinge wiegen in ihrer kleinsten Art nur zwei Gramm und erreichen etwas größer gar zwanzig Gramm. Sie heißen spanisch „Picaflor“ (Blütenpicker) deshalb, weil sie sich aus dem Nektar der Blüten ernähren. Mit ihren langen Schnäbelchen dringen sie tief in die Blüten ein und ziehen ihre Nahrung hervor. Dabei stehen sie in der Luft, was ihnen die rasend hohe Schlagfrequenz ihrer Flügel erlaubt, sie können sogar rückwärts fliegen.
 Können wir von den Picaflores lernen? Eine kleine Geschichte mag es verdeutlichen:
Ein großer Wald geriet in Brand. Der Wind fachte die Flammen an, das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Alle Tiere rannten aus dem Wald und standen nun vor ihrer brennenden Heimat. Andere große Tiere kamen von außen dazu und alle schauten den brennenden Wald an. Sie knurrten und bellten und kreischten und brüllten, sie waren verzweifelt.
Nur ein kleiner Kolibri raste so schnell er konnte zwischen dem Fluss und dem brennenden Wald hin und her. Er nahm ganz schnell Wasser aus dem Fluss und sprühte das Wasser aus seinem kleinen Schnabel über den Wald aus. So flog er hin und her und her und hin und her, immer mit seinem kleinen Hals voll Wasser und sprühte es ins Feuer. Die großen Tiere lachten und verspotteten den Kolibri: „Was macht du denn da, das ist doch ganz nutzlos, der Wald brennt doch immer weiter.“ Der Kolibri zwitscherte zurück, er konnte kaum noch zwitschern: „Ich mache das Bestmögliche, was in meinen Kräften steht.“
Lernen wir vom Picaflor und tun wir das Bestmögliche, was wir können. Mehr können wir ja auch wirklich nicht, doch was wir können, das wollen wir tun.
Thursday, November 16. 2006
Wie sieht nun der ideale Bildungsgang eines chilenischen Kindes aus?
Ein hoher Prozentsatz besucht Kindergärten. Die bereiten weitaus deutlicher als das in Deutschland der Fall ist auf den Schulbesuch vor. Im „ Kinder“, wie die Chilenen sagen, wird zuweilen sogar auf den Besuch einer bestimmten Privatschule hingearbeitet, indem man z.B. Grundzüge der dort benutzten Unterrichtssprache lehrt. Bilinguales Lernen, nicht für jeden Schüler eine lösbare Aufgabe, wird an zahlreichen Privatschulen angestrebt.

Die erste Phase der Schulausbildung stellen die acht Schuljahre der sog. "Enseñanza básica" dar. Danach, und ohne Leistungsselektion, verbringen die meisten Kinder noch vier weitere Jahre in einer Schule der "Enseñanza media". Besonders dieser Punkt, die zu frühe Selektion der Schüler nämlich, wurde ja am gestrigen 15.11. von der Europäischen Union als ein Mangel des deutschen Bildungswesens gerügt.
Ein großes Problem der öffentlichen Schulen ist die Tatsache, dass viele Lehrer angesichts ihrer recht bescheidenen Löhne nur wenig motiviert sind. Ich aber glaube vor allem, dass die Qualität der einzelnen Unterrichtsstunde davon geprägt wird, an wie vielen Schulen der jeweilige Lehrer tätig sein muss, um seinen Lebensstandard zu bessern oder auch nur zu halten. Viele Lehrer arbeiten an zwei Schulen, geben Nachhilfe, gehen einer weiteren Arbeit nach. Und wer einmal vor einer Klasse gestanden hat, Tests und Klassenarbeiten konzipieren und korrigieren musste, der weiß, welch nervlicher und geistiger Belastung Lehrer ausgesetzt sind.
Vielen Schülern aus der sogenannten „bildungsfernen Schicht“, um ein anderes Wort zu vermeiden, fehlt auch der Rückhalt im Elternhaus: Hilfe bei den Hausaufgaben oder auch nur eine räumliche Rückzugsmöglichkeit zum Lernen. Oft genug müssen diese Kinder zudem bereits durch Arbeit zum Familieneinkommen beitragen, was die hohen Fehlzeiten und Schulabbrüche dieser Gruppe erklärt.
Hat ein Jugendlicher die Enseñanza Media erfolgreich durchlaufen, hat er das Recht zur Teilnahme an der landesweiten "Prueba de Selección Universitaria" (PSU), deren Ergebnisse über Studiengang und Studienort entscheiden. Die Bedeutung dieser Prüfung ist so groß, daß viele eigens einen kostspieligen Kurs in einem privaten Institut ("Preuniversitario") besuchen, dessen einziger Sinn darin besteht, heil durch die Klippen der PSU (früher: PAA) zu führen. Aktuell wird in Chile intensiv über eine Reform der Zugangsregelung zur Universität diskutiert.
Wednesday, November 15. 2006
Während in Deutschland die allgemeine Panik über Missstände im Bildungswesen schwappt, ein Aktionismus ohnegleichen sich von oben über Schüler, Eltern und besonders Lehrer ergießt, wird in Chile einfach Schule gemacht. So einfach? Nun ja, es gibt schon einige Unterschiede zu Deutschland. Gleich ist: Sowohl in Deutschland als auch in Chile gibt es offensichtlich nur Gleiche unter Gleichen, wobei natürlich einige wieder einmal gleicher sind als andere...
Das Bildungswesen in Chile
Im Mai/Juni 2007 flackerten in Chile heftige Schüler- und Studentenunruhen auf, welche im Oktober 2006 erneut aufflackerten. Sie stellten die Regierung Bachelet vor eine ernste Bewährungsprobe und lenkten im In- und Ausland die Blicke auf die Schattenseiten des chilenischen Bildungswesens. Chile hat zwar eine fast 100%ige Einschulungsquote sowie einige der besten Universitäten Lateinamerikas. Doch bestehen in Chile im Bildungssektor große Ungleichheiten, die es Begabten aus der Mittel- und besonders Unterschicht schwer machen.
Der Hauptkontrast besteht zwischen den oft ärmlichen staatlichen (eigentlich: kommunalen) Schulen und dem Privatsektor. Träger der nicht selten offen elitären Privatschulen sind die katholische Kirche, diverse Schulvereine von "Bindestrich-Chilenen" (so etwa die der Deutsch-Chilenen), sowie auch von Unternehmer/-innen. Sie haben erkannt, dass Bildung in Chile ein glänzendes und weitgehend krisensicheres Geschäft ist. Dies gilt um so mehr, als der Besuch ausgewählter Schulen und Universitäten neben dem Erwerb fachlicher Qualifikationen v.a. auch das Knüpfen von persönlichen Netzwerken / Seilschaften ermöglicht, ohne die in Chiles Wirtschaft, Gesellschaft und Politik kaum funktioniert.
Morgen an dieser Stelle:
Wie sieht der ideale Bildungsgang eines chilenischen Kindes aus?
Tuesday, October 24. 2006
Buenos Aires, Feuerland, Chile und Argentinien
Groß geschrieben finden wir diese Schlagwörter auf der neuesten Ausgabe von GEO Spezial, Nr. 5, Oktober/November 2006. An diesem Heft kommt niemand vorbei, der sich für diese beiden südlichsten Länder Südamerikas interessiert. Und bevor wir den Kauf empfehlen, haben wir es natürlich gelesen. Ach was, gelesen: Verschlungen haben wir das Heft und uns gegenseitig vorgelesen, am gleichen Abend noch.
Neben einer Fülle wunderbarer Fotos aus Chile und Argentinien zeigen die Textbeiträge, dass gründlich recherchiert wurde. So stehen nicht nur die Besonderheiten beider Länder im Vordergrund, Menschen und Landschaften. Besonders interessant ist ein treffender Vergleich beider Länder, wobei natürlich die gegenseitigen Vorurteile der Bewohner abgeglichen werden.
Wussten Sie, dass vor 150 Jahren die Mapuche einen Franzosen zum König gewählt hatten? Was hat die Modemarke „Esprit“ mit Chile und Argentinien zu tun? Weshalb können in Chile und Argentinien einige der wichtigsten Fragen des Universums beantwortet werden? Diese und andere Fragen beantwortet GEO Spezial. Besonders interessant für uns: Vor wenigen Wochen hatten wir einen Bericht über das chilenische „Completo“-Sandwich veröffentlicht. Und nun finden wir einen ähnlich lautenden Bericht in GEO Spezial. Da hatten wir wohl den richtigen Riecher, als wir dieses Thema für essentiell zu Chile gehörend erkannten und darüber berichteten. Interessant: Im Hintergrund des zum Artikel gehörenden Fotos ist das Schild des betreffenden „Completo-Fachgeschäftes“ zu erkennen und es ist just das Lieblingsrestaurant des Autors dieser Zeilen: „Doggies“ – und der Name ist Programm...
Also: GEO Spezial am Kiosk kaufen und sich in die Weiten Südamerikas entführen lassen. Wenn es auch in diesem Jahr mit der Reise nicht klappte: Träumen ist ausdrücklich erlaubt!
Zur Anregung des Appetits lesen Sie morgen an dieser Stelle einen Hauch von Completo aus GEO Spezial, 5 Oktober/November mit dem Titel:
Die Vollendung des Hotdogs! Und zum Gucken:
www.lomiton.cl
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