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Monday, November 15. 2010
Zurück in Osorno angekommen nahmen wir einige Veränderungen vor. Die Pläne und Vorbereitungen zur Errichtung eines Hauses wurden wieder in die Schublade gelegt und dafür noch eine im Bau befindliche moderne Etagenwohnung von 150 Quadratmeter erstanden. Kurz gesagt, wir wollten uns auf das Alter vorbereiten.
Auch beim nächsten Besuch von Herrn Dedi sollten Änderungen in meinem Berufsleben vorgenommen werden. Schwiegersohn Ignacio zog mich öfter zu Gesprächen mit dem aus Deutschland von der Firma Schörghuber anreisenden Finanzprüfer hinzu. Ich merkte, hier prallten zwei Kulturkreise aufeinander. Der Ausgang war vorauszusehen. Dazu ein Beispiel: Herr Dr. X (der Finanzprüfer) wohnte während seines Kurzaufenthaltes in einem Hotel eines Rotariofreundes und hatte auch das beste Zimmer preisgünstig erhalten. Bei Begleichung der Rechnung wollte er zwei gewaschene Hemden nicht bezahlen. Als Begründung führte er an, dies nicht speziell in Auftrag gegeben zu haben. Das dazugerufene Zimmermädchen verteidigte sich, die schmutzigen Hemden in die Wäscherei gegeben zu haben, um dem Gast einen Gefallen zu tun. Die Diskussion endete mit dem Erscheinen des Hotelbesitzers und Rückerstattung der Gebühr, wegen der Dr. X diesen Streit vom Zaum gebrochen hatte. Es handelte sich um einen Betrag von umgerechnet 0,40 Eurocent. Im Rotary – Club hat der Dienst für die Allgemeinheit einen hohen Stellenwert. In diesem Moment habe ich mich für meinen, zweifelsfrei gut verdienenden, Landsmann sehr geschämt. Auch an anderer Stelle wurde ich durch das Verhalten meiner Landsleute manchmal schockiert.
Zur Verdeutlichung füge ich ergänzend noch zwei Geschehnisse bei: 1. In Chile läßt der Flugreisende seine Koffer durch einen Kofferträger zur Abfertigung bringen, um damit einem Arbeitslosen ein wenig zu helfen. Dies wird als ganz natürlicher Vorgang empfunden. In Deutschland schleppt der Fluggast seine Koffer selber, vielleicht nicht um das Geld zu sparen, sondern einen Mitbürger nicht durch Almosen zu beleidigen. 2. Wenn man in Chile zum Abendessen eingeladen wird, kommt man zehn Minuten später. Diese Zeit wird der Hausfrau sozusagen noch für die unvorhergesehenen Dinge zugebilligt. In Deutschland ist es unhöflich, nicht pünktlich zu kommen. Andere Länder andere Sitten und jeder sollte versuchen, die Gewohnheiten des Gastlandes zu respektieren. Das sind oft Dinge, die man nicht aus dem Reiseführer lernen kann.
Monday, October 4. 2010
Nun zurück zu uns. Wir lernten einen tüchtigen Menschen in Osorno kennen. Mario war befreundet mit einem Mädchen, die wir schon in der Pension Marahrens schätzen gelernt hatten. Beide hatten erst kürzlich geheiratet. Von ihm kam der Gedanke, ein größeres Fundo zu kaufen. Am Fuße des Vulkan Osorno gelegen, lag das Fundo in einer einmalig schönen Landschaft. Die 530 ha Land standen zur Versteigerung und nach einigem Hin und Her erwarben wir den Betrieb je zur Hälfte. Mario übernahm die Verwaltung und alle anfallenden Kosten wurden durch zwei geteilt. Jeder hatte das Anrecht 250 Mastbullen dort zu ernähren. Der Betrieb wurde durch die umsichtige Führung von Mario zum vollen Erfolg. Ich konnte mich aus zeitlichen Gründen um das Fundo "Pichihuinco" nicht kümmern. Der Plan, ein gemeinsames Sommerhaus zu bauen wurde kurzfristig verwirklicht. Die Wochenenden auf "Pichihuinco" waren immer etwas besonderes. Vor dem brennenden Kamin, versorgt mit einer oder zwei Flaschen Rotwein, wurde Karten gespielt oder geredet. Am Sonntag standen lange Spaziergänge oder auch Ausritte auf dem Programm. Der abschließende Grillbraten wurde zur angenehmen Pflicht des Tages. Bei Sonnenuntergang erfolgte die Rückfahrt in das 70 Kilometer entfernte Osorno.
Mitte März 1983 besuchten wir Christina in Santiago in der neu gemieteten Wohnung. Nach ihrer Rückkehr aus Deutschland hatte sie nach Absprache mit der Firma "Jumbo" 100 Quadratmeter Ladenfläche für eine neue Textilabteilung zur Verfügung gestellt bekommen. Dieser Gedanke von ihr machte sie auf viele Jahre zur selbstständigen Abteilungsleiterin. So wurde von ihr das, bei Frau Schickedanz absolvierte, Praktikum in Chile umgesetzt.
Tuesday, September 28. 2010
Lassen Sie sich von den Bildern an einen wundervollen sonnigen dieciocho erinnern: Wie immer: bitte zum Vergrößern auf die Bilder klicken.
                 
Monday, September 27. 2010
Ende 1980 machte unsere Jüngste Abitur. Christina besuchte dann in Santiago eine deutsch-chilenische Wirtschaftshochschule. In dieser Ausbildung war auch ein Praktikum in einer ausbildenden Firma der Lebensmittelbranche vorgesehen. Die Lebensmittelkette "Jumbo", bei der Christina ihr Praktikum später absolvierte, hatte auch geschäftliche Verbindungen zur "Quelle" . Beide Kinder waren nicht mehr um uns und der Alltag wurde auf einmal sehr leer. Wir versuchten uns damit zu trösten, daß ja alle Eltern irgendwann ein ähnliches Schicksal hatten. Allerdings sind die Entfernungen hier in Chile doch besonders groß, die Nord-Süd Ausdehnung beträgt immerhin 6.000 Kilometer. Uns trennten jetzt die 1.000 km von unseren Kindern, die zwischen Osorno und der Hauptstadt Santiago lagen. Uns wurde das Herz schwer. Da saßen wir beiden "Alten", hatten zwar vieles erreicht, aber nun kam zu der Trennung von Heimat und Familie noch die räumliche Trennung von unseren Kindern dazu. Wir mieteten eine geräumige Zweizimmerwohnung in Santiago für unsere Kleine, um an verlängerten Wochenenden zusammensein zu können. Auch Gabi und Ignacio wohnten in der Nähe Santiagos. Das war für uns eine Beruhigung, da sich die Schwestern des öfteren sehen konnten. Mein Schwiegersohn arbeitete als Verwalter auf einem, der Familie gehörenden Landgut. Auch die Mutter von Ignacio, die als Ministerialdirektorin in Santiago arbeitete, kümmerte sich um unsere beiden Töchter als wären es ihre eigenen Kinder. Auch das empfanden wir als sehr große Hilfe und waren dankbar für den guten Kontakt in unserer Familie. Meine Chefs kamen fast alle Jahre nach Chile und wurden bei ihrer Ankunft in Santiago immer von einer unserer Töchter betreut, wodurch der langjährige Kontakt zwischen uns erhalten blieb.
Nachdem Christina ihre Ausbildung erfolgreich beendet hatte, entstand die Idee bei Frau Schickedanz unsere Tochter zur weiteren Fortbildung nach Deutschland zu holen. Sie sollte dort verschiedene Abteilungen des Quellekonzerns durchlaufen. Bei unserem kommenden Urlaub im August 1983 ließen wir die junge Dame in Deutschland zurück. Frau Niederle organisierte alles: Wohnung, Kontakte in der Hauptverwaltung und auch Abwechslung in der Freizeit. Aber auch Frau Schickedanz nahm sie auf internationale Modeveranstaltungen, aber auch zu Privatausflügen nach Spanien mit. Christi wurde durch ihre Verläßlichkeit, ihren Einsatz und einem sicheren Gespür für Mode eine gute Mitarbeiterin in der Firma. Am Ende des Jahres bekam sie ein Angebot von der Chefin, in Deutschland zu bleiben. Damit hätte sie eine viel versprechende Zukunft vor sich gehabt. Die Entscheidungsfrist lief ab, aber Christinas Antwort hieß: "Ich danke Ihnen sehr Frau Schickedanz, aber alle Menschen, die ich liebe sind nun einmal in Chile und ich werde nach dort zurückkehren." Wir freuten uns über diesen Entschluß. Eine Tochter in Chile zu haben und die andere in Deutschland, daß wäre für uns Eltern wohl das Schlimmste geworden. Wir sind nach Chile ausgewandert und die Tochter würde zurückwandern und die Familie getrennt sein. Das wollten wir in unserem Leben nicht noch einmal erleben. Wie sich später herausstellte, waren aber nicht nur wir mit dem Wort "alle Menschen, die ich liebe" gemeint, sondern auch der jüngere Bruder von Schwiegersohn Ignacio. So trat Matias später in unser Leben.
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