Zurück in Osorno angekommen nahmen wir einige Veränderungen vor. Die Pläne und Vorbereitungen zur Errichtung eines Hauses wurden wieder in die Schublade gelegt und dafür noch eine im Bau befindliche moderne Etagenwohnung von 150 Quadratmeter erstanden. Kurz gesagt, wir wollten uns auf das Alter vorbereiten.
Auch beim nächsten Besuch von Herrn Dedi sollten Änderungen in meinem Berufsleben vorgenommen werden. Schwiegersohn Ignacio zog mich öfter zu Gesprächen mit dem aus Deutschland von der Firma Schörghuber anreisenden Finanzprüfer hinzu. Ich merkte, hier prallten zwei Kulturkreise aufeinander. Der Ausgang war vorauszusehen.
Dazu ein Beispiel:
Herr Dr. X (der Finanzprüfer) wohnte während seines Kurzaufenthaltes in einem Hotel eines Rotariofreundes und hatte auch das beste Zimmer preisgünstig erhalten. Bei Begleichung der Rechnung wollte er zwei gewaschene Hemden nicht bezahlen. Als Begründung führte er an, dies nicht speziell in Auftrag gegeben zu haben. Das dazugerufene Zimmermädchen verteidigte sich, die schmutzigen Hemden in die Wäscherei gegeben zu haben, um dem Gast einen Gefallen zu tun. Die Diskussion endete mit dem Erscheinen des Hotelbesitzers und Rückerstattung der Gebühr, wegen der Dr. X diesen Streit vom Zaum gebrochen hatte. Es handelte sich um einen Betrag von umgerechnet 0,40 Eurocent. Im Rotary – Club hat der Dienst für die Allgemeinheit einen hohen Stellenwert.
In diesem Moment habe ich mich für meinen, zweifelsfrei gut verdienenden, Landsmann sehr geschämt. Auch an anderer Stelle wurde ich durch das Verhalten meiner Landsleute manchmal schockiert.
Zur Verdeutlichung füge ich ergänzend noch zwei Geschehnisse bei:
1. In Chile läßt der Flugreisende seine Koffer durch einen Kofferträger zur Abfertigung bringen, um damit einem Arbeitslosen ein wenig zu helfen. Dies wird als ganz natürlicher Vorgang empfunden. In Deutschland schleppt der Fluggast seine Koffer selber, vielleicht nicht um das Geld zu sparen, sondern einen Mitbürger nicht durch Almosen zu beleidigen.
2. Wenn man in Chile zum Abendessen eingeladen wird, kommt man zehn Minuten später. Diese Zeit wird der Hausfrau sozusagen noch für die unvorhergesehenen Dinge zugebilligt. In Deutschland ist es unhöflich, nicht pünktlich zu kommen. Andere Länder andere Sitten und jeder sollte versuchen, die Gewohnheiten des Gastlandes zu respektieren. Das sind oft Dinge, die man nicht aus dem Reiseführer lernen kann.
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