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Tags2008 , 2009 , Allende , Argentina , Argentinien , Atacama , Bachelet , Birgit Heitfeld , castellano , CCNI Atacama , Chile , chilenisch , chilenische Küche , cocina , Colo Colo , Dessert , deutsch , Deutschland , Die chilenische Küche , ein Leben zwischen zwei Kulturen , El Mercurio , Fürth , Feiertag , Fisch , Fleisch , Fußball , Hauptspeise , Kalender , Karla Berndt , Kochbuch
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Monday, September 14. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
in Reiner Schirmer at
08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 39
Der Mann wurde schnell gefunden und ein junger Chilene mit guten Zeugnissen sowie vierjährigem Aufenthalt in der deutschen Kulturwelt stand mir nach kurzer Zeit zur Verfügung. Die Unterbringung erfolgte in einem Gästezimmer des Herrenhauses. Somit wurde ich auch zeitlich entlastet.
Kurze Zeit danach erhielt ich die Kündigung der Haushälterin, einschließlich des Dienstmädchens und Hausburschen. Als Ersatz stellte ich ein deutschsprechendes älteres Ehepaar ein. Die Kosten halbierten sich in Zukunft und die älteren Leute fühlten sich zufrieden in der renovierten Hausmeisterwohnung im Herrenhaus. Familie Schirmer hatte den Wechsel aus Deutschland überstanden und fühlte sich nun wieder sehr wohl in Chile. Die Wahlen rückten immer näher. Mit den Mitarbeitern hatten wir ein gutes Verhältnis. Ein Wettbewerb unter dem Motto "Mein Haus und Garten soll schöner werden" erhöhte auch das Vertrauen zu mir. Jede Werkswohnung erhielt vom Betrieb die nötigen Mittel zur Verbesserung in Eigenarbeit. Eine Abnahmekommission wurde gebildet und Prämien für 10 Tage Extraurlaub am Meer, einschließlich aller Kosten wurden ausgelobt. Auch ein Betriebsfest am Meer mit Frauen und Kindern - wir mieteten zwei Busse für zwei Tage - war etwas ganz Neues für meine Mitarbeiter. So baute ich uns ein kleines Bollwerk für die jetzt auch im Süden immer stärker werdende kommunistische Agitation auf. Die Enteignungen landwirtschaftlicher Betriebe in Mittelchile wurden immer häufiger, besonders dort wo sozialer Zündstoff in der Luft lag oder künstlich von den Gewerkschaften inszeniert wurde. Auch ich bekam große Schwierigkeiten mit dem Volontärverwalter, der sich als Befürworter der Agrarreform entpuppte und versuchte, das Personal in seinem Sinne zu beeinflussen. Die Kündigung wurde unerlässlich, da ich erst jetzt seine Examensarbeit mit der von ihm vertretenen Ansicht über die Agrarreform in Chile zu lesen bekam. Für September 1970 war die Tagung des "Bund deutschsprechender Landwirte" angesagt. Der in diesem Jahr vortragende Professor wollte über das Thema "Sozialpolitik in der Landwirtschaft" referieren. Vorher war er noch einige Tage als Gast bei uns auf La Poza. Wir verfolgten gemeinsam am Radio den Wahlverlauf. In der Nacht vom 4. auf den 5. September 1970, wir konnten und wollten es nicht glauben, siegte Salvador Allende mit 36,3 % der Stimmen von Kommunisten und Sozialisten. Eine Stichwahl (Christdemokraten 33,4 % und Liberale mit Konservativen 30,3 %) gab es laut damaliger Verfassung nicht. Die erste Reaktion war, die Tagung abzusagen. Unser Professor der Universität Hohenheim nahm die erste Lufthansamaschine in Richtung Heimat. Die Bevölkerung verhielt sich abwartend. Am 26. Oktober wurde Allende als Präsident vom Senat bestätigt. Viele hofften noch auf ein anderes Ergebnis, da man ja auch sagen konnte 63,7 % der Bevölkerung sind gegen einen sozialistisch-kommunistischen Präsidenten. Im Betrieb lief trotzdem alles einigermaßen in Ruhe weiter. Eine gewisse Spannung war allerdings bemerkbar. Die Belegschaft war in ihrer Ansicht über die angekündigte Agrarreform gespalten. Betriebe über 80 ha dürfen vom Besitzer nicht mehr geteilt werden. Die 80 ha Basis galten für den bewässerbaren Boden in der Region Santiago und wurde je nach Ertragsfähigkeit des Ackers für die anderen Landesteile mit einem Faktor x umgerechnet. Auch die kommunistischen Gewerkschaften wussten noch nicht so recht, wie man sich gegenüber dem Besitz ausländischer Investoren verhalten sollte. Defined tags for this entry: Allende, Chile, Deutschland, ein Leben zwischen zwei Kulturen, Landwirtschaft, Reiner Schirmer
Monday, September 7. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 38Anstrengende und erfolgreiche Jahre Ende März kam mein früherer Kollege aus dem Max-Planck-Institut, Dr. Walter Rüprich, in Chile an. Ich hatte ihn als Baufachmann für die geplante Melk- und Stallanlage bei meinen Arbeitgebern vorgeschlagen, um nicht erneut im Winter bei den Melkarbeiten unter Wasser zu stehen. So nutzte W. Rüprich Urlaub und Freiflug, um uns zu besuchen. In kurzer Zeit wurden die Pläne aufs Papier gebracht und eine hiesige Baufirma bekam den Zuschlag für die auszuführende Arbeit. Die Fertigstellung der Stallanlage durfte hundert Tage nicht überschreiten. Ungefähr 80 Bauarbeiter wurden täglich in aller Frühe aus Osorno angefahren. Diese Investition hatte zwei Gründe. Einerseits sollten rund 300 Kühe aufgestallt und gemolken werden, andererseits sollte sie den Menschen in der Umgebung zeigen, dass wir nicht gewillt waren, aus politischen Gründen Chile zu verlassen. Über Arbeit konnte ich mich in dieser Zeit nicht beklagen. Inzwischen kamen auch meine Vollmachten aus Deutschland für die alleinige Betriebsführung in Begleitung eines Zusatzbriefes von Herrn Dedi mit ungefähr folgendem Inhalt: "Wir konnten uns zu dem Schritt, Ihnen die alleinige Bewirtschaftung von La Poza zu übergeben, nur entschließen, weil wir vollkommenes Vertrauen zu Ihnen haben. Jetzt kann es keine Missverständnisse zwischen kaufmännischem - und Produktionsleiter mehr geben und alle künftigen Geschehnisse positiver und negativer Art gehen auf Ihr Konto. Wir sind uns bewusst, keine Kontrolle aus dem weit entfernten Deutschland zu haben. Der Entscheidungsträgersind Sie, der sich zudem nur selbst kontrollieren kann." Damit war die Basis für die langjährige Zusammenarbeit gelegt und ich glaube, diese Partnerschaft hat für beide Teile das Optimum gebracht. In der letzten Juniwoche erfolgte die Einweihung der Melkanlage und gleichzeitig auch der Rücktritt von Herbert Junge. Die Übergabe der Finanzen und anderer Unterlagen verlief reibungslos. Für meine kommende Arbeit erstellte ich einen Finanzplan für das laufende Jahr, nach Monaten untergliedert. 1970-71 sollte der Betrieb so weit sein, alle laufenden Kosten aus den Milcheinnahmen bestreiten zu können. Nur die Düngerausgaben und Weideverbesserungen waren von der Sektion Mast, mit rund 500 Mastbullen, zu tragen. Mit Herrn Dedi war abgesprochen, keine Gelder mehr nach Chile zu schicken, dafür brauchte aber das Gut auch keine Gelder nach Deutschland abzuführen. So wurde La Poza ein kleiner, selbstständiger Stern am Himmel der Quellewelt. Die Finanzwirtschaft machte mir selbst viel Spaß und lag mir persönlich sogar mehr, als die reine Landwirtschaft. Die Liquidität des Betriebes wurde immer besser und ich konnte innerhalb kurzer Zeit zwei neue Traktoren einkaufen und bar bezahlen. Kurze Zeit später folgte ein neuer, bequemer Dienstwagen. Auch Haushälterin Herta H. musste sich neuen Anordnungen fügen und konnte monatlich nur eine vorher bestimmte Summe für das Herrenhaus ausgeben. Auch mein Antrag, einen Volontärverwalter einzustellen, wurde von Herrn Dedi genehmigt. Mit der Aufgabe, einen jungen Landbauingenieur (Vorbedingung deutsch und spanisch sprechend) zu suchen, betraute ich Dr. Rüprich aus Bad Kreuznach. Defined tags for this entry: 38 La Poza, Chile, Deutschland, ein Leben zwischen zwei Kulturen, Fürth, Landwirtschaft, Quelle, Reiner Schirmer, Schickedanz
Monday, August 31. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
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08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 37"Geboren wurde ich in einem Dörfchen bei Fürth in Franken. Mein Vater war Fabrikarbeiter und Kleinbesitzer von zwei Kühen. Meine Mutter arbeitete öfter als Tagelöhnerin um die Familieneinnahmen zu verbessern. Ich musste daher oft per Hand die zwei Kühe melken von deren Milch Käse zum Eigenverbrauch und Verkauf produziert wurde. Mit 14 Jahren musste ich als Klassenbeste die Volksschule verlassen, da kein Geld für weitere Schulausbildung zur Verfügung stand. Für eine Lehrstelle bewarb ich mich beim Kurz-, Weiß- und Wollwarengroßhandel des Gustav Schickedanz in Fürth, wo ich auch wegen der guten Schulzeugnisse angenommen wurde. Bei Frau Anna Schickedanz lernte ich, wie man Pakete packt, den Laden auskehrt, und die Buchhaltung führt. Noch im gleichen Jahr gründete der Firmenchef das Versandhaus Quelle. Dann kam das Jahr 1929 und ein Schicksalsschlag. Bei einem Autounfall starb die Frau von meinem damaligen Chef. Die Sympathie zwischen Chef und Angestellter wuchs ebenso wie das Unternehmen. 1942 standen wir vor dem Traualtar. Ein Jahr später lag das Versandhaus in Fürth, das damals schon eine Million Kunden bediente, durch die Bombenangriffe getroffen in Schutt und Asche." Nach diesen Worten brach sie mit Tränen in den Augen das Gespräch ab und sagte anschließend Worte zu mir, Worte, die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde:" Sehens, Herr Schirmer, jetzt können Sie mich vielleicht besser verstehen, warum ich so an dem landwirtschaftlichen Besitz hier in Chile hänge, den einfachen Menschen hier in diesem Lande, den Tieren, der gewaltigen Kordillere mit den Vulkanen im Hintergrund und der lieblichen Natur gepaart mit der Einsamkeit. Dies war immer mein Wunschtraum, sei es als junges Mädchen genauso wie heute als wohlhabende Frau." Herrn Dedi erfreute besonders der neue Melkstand und die Sauberkeit der Melkarbeit. Drei tüchtige Melker, bekleidet mit weißen Schürzen und Kopfbedeckung waren gerade bei der Arbeit. Auch war es uns gelungen, die Produktion im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres zu verdoppeln. Herrn Dr. Schickedanz sowie Herrn Dedi interessierten besonders die politischen Vorgänge in Chile und damit verbunden die Zukunft in der Landwirtschaft. Meiner Meinung nach hatte sich die Lage seit 1967 nicht verbessert und ich hatte die Befürchtung, dass bei der Präsidentenwahl Ende des Jahres ein ähnlicher Staat wie die DDR entstehen würde. Bei einem gemeinsamen Spaziergang trug ich meine Probleme im Betrieb vor: "Sicher ist die Kontrolle durch die Eigentümer einfacher, wenn zwei Leiter über ihre Aufgabengebiete (z.B. Produktion und Verkauf) Rechenschaft ablegen müssen. Aber in der Praxis arbeitet ein landwirtschaftlicher Betrieb anders als in der Industrie, Produktion und Vertrieb können eben nicht vollends voneinander getrennt werden." Nach meiner Meinung gefragt antwortete ich klar: "Entweder versetzen Sie mich nach Deutschland, oder übertragen mir die Alleinverantwortung für den Betrieb in Chile." Nach einigen Tagen anlässlich einer gemeinsamen Betriebsbesprechung in Anwesenheit des Herrn Junge ergriff Frau Schickedanz das Wort: "Lieber Herr Junge, wie wir wissen waren Sie noch nie in unserem Deutschland und wir möchten Sie zu einem dreimonatigen Urlaub dorthin einladen. In Deutschland stellen wir Ihnen ein Auto mit Fahrer zur Verfügung und so können Sie dann auch den Ort ihrer Vorfahren kennen lernen." Auf den Einwand von Herrn Junge, nicht solange vom Betrieb fern sein zu können, sagte Frau Schickedanz nur kurz: "Das kann dann alles Herr Schirmer machen." Offensichtlich schien mein Kollege diese Worte nicht ganz zu verstehen oder wollte sie nicht verstehen mit seinen über 60 Jahren. Abends sagte man mir noch alleine, dass damit ja die Probleme des Betriebes gelöst wären. Ich erhielt die diesbezüglichen Bestätigungen meiner neuen Vollmachten dann umgehend aus Deutschland. Auch mein Wunsch, eine neue Melkanlage mit Stall im Zentrum der Milchviehweiden erbauen zu lassen, wurde genehmigt, da die Gegenwärtige mit ihren Abwässern die Trinkwasseranlage verschmutzte. Vor der Heimreise wurde ein Betriebsfest gefeiert. Frau Schickedanz fasste geschickte Worte in der Ansprache zum Personal, die ich übersetzen musste. Es war selbstverständlich, dass alle Familienmitglieder, Frauen und Kinder, an dem Grillfest teilnahmen. Die Frauen erhielten als Extragabe einen Haushaltsartikel und die Kinder Kleidungsartikel, die wir zuvor in Osorno eingekauft hatten. Wie auch in der Firma in Fürth war "unsere Grete" eine gewisse Frauenrechtlerin. Die harmonischen Tage vergingen schnell und ich merkte, dass es mir gelungen war, das Arbeitsklima zwischen mir und der Belegschaft stark zu verbessern. Ob es genügend war, die vor uns liegenden politischen Unruhen zu überstehen, würde die Zukunft zeigen. Für Dorlis brachten diese Tage des Besuches mehr Arbeit, da sie freiwillig die ganzen Lebensmitteleinkäufe tätigte. Aber der Besuch aus Deutschland brachte auch Abwechslung, da Dorlis Frau Schickedanz und Herrn Dedi bei den Ausflügen als Dolmetscherin zur Verfügung stand. Nachher genossen wir wieder die Ruhe der Ferientage. Töchterchen Christina mußte noch mit Schuluniform versorgt werden und am 8. März 1969 begann auch für sie der Ernst des Lebens. Von nun an mussten beide Kinder in das entfernte Osorno gebracht werden und wir hofften, dass beide die gleiche Unterrichtszeit haben würden. Christina freute sich sehr, ihre ältere Schwester in die Schule begleiten zu können und strotzte vor Wichtigkeit. Nur vergaß sie oft ihr Geburtsdatum und trotz fast stündlicher Abfrage brachte sie ihre Mutter fast zur Verzweiflung. Am Tag "D" im Auto sitzend fragte ich noch einmal nach und die Antwort ging wieder daneben, aber mit dem Zusatz: "Papito, wenn der Lehrer mich nach dem Geburtsdatum fragt, werde ich sagen, fragen Sie doch meinen Vater." So war Christi. Defined tags for this entry: Chile, Deutschland, ein Leben zwischen zwei Kulturen, Fürth, Quelle, Reiner Schirmer, Schickedanz
Monday, August 24. 2009
Reiner Schirmer - Leben zwischen ... Posted by Heinz Wattler
in Reiner Schirmer at
08:00
Comments (0) Trackbacks (0) Reiner Schirmer - Leben zwischen zwei Kulturen / 37Für Oktober hatte sich mein Vater für einen Besuch bei uns angemeldet, worüber wir uns riesig freuten. So hatten wir doch die Gelegenheit ihm die Naturschönheiten Südchiles zu zeigen und auch unser Fortkommen hier unter Beweis zu stellen. Am 27.10.1968 lag ein Telegramm im Postfach, was sicherlich den Ankunftstag bestätigen sollte, aber es war die Nachricht über sein Ableben. Alle Möglichkeiten zur Bestattung nach Deutschland zu kommen, gelangen mir nicht. Hilflos mußte ich mich ergeben und den Schmerz über den Verlust im Trost meiner kleinen Familie suchen. Das ist der Preis, den man damals wie heute durch die 15.000 Kilometer Entfernung schmerzvoll zahlen musste. In den Sommerferien (Dezember 1968 - März 1969) besuchten wir für vierzehn Tage unsere alten Freunde in Santiago, die uns hier sehr fehlten. Je älter man wird, desto schwerer schließt man neue Freundschaften. Für Februar 1969 meldete Familie Schickedanz einen vierzehntägigen Besuch auf La Poza an. Die so erforderliche Zusammenarbeit zwischen Herrn Junge und mir zum Wohle des Fundos kam nie zustande und mit dem Besuch der Eigentümer aus Deutschland spitzte sich die Lage weiter zu. Ich wollte Tiere verkaufen, um mich nach der Graswuchskurve zu richten und er, wenn er Geld brauchte. Eine gemeinsame Erstellung eines Finanzplanes empfand er als Einmischung seiner Fakultäten als Oberleiter. Ich dagegen weigerte mich Rechnungsbelege gegenzuzeichnen, deren Herkunft ich nicht kannte. Ich war mir klar, daß ich den Betrieb auf diese Weise nicht auf den gewünschten Stand bringen konnte. Ich hatte bei Arbeitsantritt versprochen, dass der Betrieb aus eigener Kraft existieren könne, unabhängig von Kapital aus Deutschland. Diese Probleme und konkrete Vorschläge würde ich der Familie Schickedanz vortragen. Trotz der Heuernte nahm ich mir die Zeit nochmals die Betriebsanlagen, Gebäude und das nähere Umfeld einer letzten Säuberung unterziehen zu lassen. Ich selber war stolz in so kurzer Zeit meinen Arbeitgebern einen ordentlichen und sauberen Betrieb mit gesunden Tieren vorstellen zu können. Die Finanzlage gehörte nicht zu meinem Bereich und ich wurde auch nie von meinem Kollegen darüber unterrichtet. Frau Schickedanz, Herr Dr. Schickedanz und Herr Dedi wurden vom Kollegen Junge mit dem auf dem Fundo stehenden Privatwagen am Flugplatz abgeholt. Ich selber war mit der Belegschaft in der Heuernte in der Nähe der Zufahrt zum Herrenhaus beschäftigt. Die Eigentümer erkannten mich wohl von Weitem und ließen es sich nicht nehmen, mich sofort persönlich zu begrüßen. Gleich wurde eine Einladung zum Abendessen ausgesprochen. Abends geschniegelt und gebügelt erschienen wir Vier nun "auf die Minute" im Herrenhaus und die Kinder pflückten vorher noch einen Feldblumenstrauß für die Gastgeber. Der in Deutschland schon gefundene Kontakt zueinander war der gleiche geblieben, das merkten wir sofort. Herr Junge verabschiedete sich sofort nach dem Essen und wir blieben noch ein wenig, um die ersten Fragen, besonders von Frau Schickedanz, beantworten zu können. Beim Abschied bekamen wir Vier jeder ein großes Mitbringsel und verabredeten uns zur Betriebsbesichtigung für den nächsten Tag. Früh morgens erschienen dann auch unsere Gäste zu einer Tasse Kaffee. Dorlis zeigte dann noch kurz unser Heim und wir merkten aus ihren Worten, wie angenehm sie von dem Gesehenen überrascht waren. Anschließend liefen wir so weit wir kamen den Betrieb ab, den sie beide sehr gut kannten. Einige Stellen, die früher reine Brombeerfelder waren und sogar per Pferd nicht durchquert werden konnten, hatten nun eine schöne Grasnarbe. Nachmittags wurden die Pferde gesattelt und ich erkannte die energische Dame und Versandhausbesitzerin kaum wieder. Wie glücklich war sie auf dem Rücken eines Pferdes. Frau Schickedanz konnte hier mal „ sie selber sein". Die Ausritte wiederholten sich täglich und in den Ruhepausen erzählte sie mir Ausschnitte ihres Lebens: ... |
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